Banken

Raiffeisen-Präsident: «Die Zahl der Geschäftsstellen wird sinken»

Zwar wuchs im letzten Geschäftsjahr das Geschäftvolumen, die Gewinne jedoch sanken. Auch deshalb sind weitere Fusionen geplant. «Jede Schliessung tut weh», sagt Rolf Kissling, Präsident des Solothurner Verbandes der Raiffeisenbanken.

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Sie präsentierten die Zahlen des Solothurner Verbandes der Raiffeisenbanken (v.l.): Vorstandsmitglied Giancarlo Grifone, Präsident Rolf Kissling und Vorstandsmitglied Rebecca Baumann.

Sie präsentierten die Zahlen des Solothurner Verbandes der Raiffeisenbanken (v.l.): Vorstandsmitglied Giancarlo Grifone, Präsident Rolf Kissling und Vorstandsmitglied Rebecca Baumann.

Hansjörg Sahli

Warum fusioniert Raiffeisen einen Teil ihrer Bankniederlassungen?

Rolf Kissling: Raiffeisen verfügt, historisch bedingt, über ein extrem dichtes Netz an Geschäftsstellen. Die zunehmenden Vorgaben auf regulatorischer und gesetzlicher Ebene erlauben es heute nicht mehr, eine Kleinstbank mit wenig Personal zu betreiben. Parallel dazu hat die Zahl der Kundenbesuche – nicht zuletzt wegen dem E-Banking – in den Kleinbanken massiv abgenommen. Die beiden Faktoren führen dazu, dass die Aufrechterhaltung des Geschäftsstellennetzes schlichtweg zu teuer ist. Wenn eine Bank im Dorf mit drei Angestellten nur zwei bis drei Kunden pro Tag zählt, kann das objektiv nicht aufgehen. Jede Bankstelle muss aber wirtschaftlich bestehen können.

Raiffeisen betont jeweils die Wichtigkeit der Kundennähe. Ist das nicht ein Widerspruch?

Jede Schliessung tut weh. Ziel bleibt es, den grösstmöglichen direkten Kundenservice anzubieten. Wir müssen uns im Sinne eines Kompromisses darauf ausrichten. Die Kundennähe und das dichte Netz möglichst behalten, aber die wirtschaftlichen Kriterien nicht aus den Augen verlieren. Es ist auch nicht so dramatisch, wie es auf den ersten Blick aussieht. Berechnungen zeigen, dass das Geschäftsstellennetz der Raiffeisengruppe schweizweit auch nach der Bereinigung mehr als doppelt so gross sein wird wie jenes der beiden Grossbanken zusammen. Zudem geht die von uns definierte Kundennähe über das Geografische hinaus. Ich denke etwa an die breitabgestützte Unterstützung lokaler Vereine und kulturellen Veranstaltungen.

Wie viele Zusammenschlüsse sind 2017 zu erwarten?

Es wird noch zwei bis drei Fusionen geben und auch die Zahl der Geschäftsstellen wird sinken. Aber im vergangenen Jahr ist es trotz mehrerer Fusionen zur Schliessung von nur drei Geschäftsstellen gekommen. Auch bei den nochfolgenden Bankfusionen sollen möglichst viele Geschäftsstellen erhalten bleiben. Aber Garantien für Standorte können nicht abgegeben werden.

Die grösste Fusion erfolgte 2016 mit Solothurn, Grenchen und Langendorf. Dort wurde zuvor für zig Millionen um- und neugebaut. Waren das Fehlinvestitionen?

Das ist im jetzigen Moment schwierig zu beurteilen. Wichtig zu wissen ist, dass die Investitionsbeschlüsse lange vor den Fusionsentscheiden gefällt wurden.

Hätte man die Investitionen auch im Wissen um eine Fusion getätigt?

Diese Frage kann aus aktueller Perspektive nicht beantwortet werden, sondern erst in rund fünf Jahren. Entweder sagen wir dann, zum Glück haben wir investiert oder das und das wäre nicht nötig gewesen. Zu erwähnen ist, dass die Investitionen zum grossen Teil in Aufträge an lokale KMU geflossen sind.