Schwingfest
Recycelbare Zufahrtswege am Berner Kantonalen – mit einem «bösen» Markenbotschafter

Zufahrtswege und Plätze rund um die Schwingarena in Utzenstorf wurden mit «Ruvido» befestigt, einem Recyclingbaustoff, der im Stahlwerk in Gerlafingen hergestellt wird. Remo Käser, selber Schwinger am Berner Kantonalen, ist Markenbotschafter.

Rahel Meier
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Remo Käser, Schwinger und Markenbotschafter für «Ruvido», den Recyclingbaustoff, der für die Befestigung von Zufahrtswegen und Plätzen beim kantonal-bernischen Schwingfest in Utzenstorf eingesetzt wird.

Remo Käser, Schwinger und Markenbotschafter für «Ruvido», den Recyclingbaustoff, der für die Befestigung von Zufahrtswegen und Plätzen beim kantonal-bernischen Schwingfest in Utzenstorf eingesetzt wird.

Oliver Menge

Morgen Sonntag werden rund 140 Schwinger in Utzenstorf um Ruhm, Kränze, den Muni «Lenkor» und den Sieg am kantonal-bernischen Schwingfest kämpfen. Während die Ringe in der Gotthelfarena mit Sägemehl gefüllt sind, wurde ein grosser Teil der Zufahrtswege und der Plätze ausserhalb mit «Ruvido» befestigt. Ruvido ist ein Recyclingbaustoff, der von Stahl Gerlafingen hergestellt wird. Markenbotschafter für Ruvido ist Remo Käser. Der 22-jährige Schwinger steht morgen auch in der Schwingarena und wird dabei möglicherweise auf Gegner wie Nick Alpiger, Thomas Sempach, Matthias Sempach, Matthias Glarner, Kilian Wenger oder Christian Stucki treffen.

Familiär verbunden

Remo Käsers Familie ist seit vielen Jahren mit Stahl Gerlafingen verbunden. Schon sein Urgrossvater arbeitete im damaligen Von-Roll-Stahlwerk. Bruno Käser, der Grossvater von Remo Käser, war 41 Jahre lang, zuletzt als Tagesmeister im Stahlwerk tätig. Bruno Käser war zudem einer der wichtigen sportlichen Förderer seines Enkels Remo. «Dass wir Remo Käser als Markenbotschafter für Ruvido gewinnen konnten, ist ein Glücksfall für uns», erklärt Christoph Zeltner (Leiter Qualität und Umwelt von Stahl Gerlafingen). «Einfach stark» lautet denn auch der Werbeslogan, der kreiert wurde. «Schwinger stehen zudem fest mit beiden Füssen auf dem Boden, was ebenfalls zu unserem Recyclingbaustoff passt, der bisher vor allem im Tiefbau eingesetzt wird», meint Zeltner weiter.

Stahl Gerlafingen ist das grösstes Recycling-Unternehmen der Schweiz und erzeugt seine Produkte zu 99 Prozent aus Stahlschrott. Beim Schmelzprozess im Stahlrecycling entsteht Elektroofenschlacke (EOS). Diese wird seit vielen Jahren als Recyclingbaustoff, vor allem im Tiefbau, eingesetzt. Stahl Gerlafingen hat 1989 damit begonnen, die Schlacke konsequent zu trennen, die Umweltverträglichkeit zu analysieren und den Baustoff weiterzuentwickeln. Heute ist das Granulat qualitätsgeprüft und zertifiziert und wird unter dem Markennamen «Ruvido» verkauft. Das Wort «ruvido» kommt aus dem Italienischen und heisst übersetzt «grob» oder «rau» und bezieht sich auf die raue Oberfläche der einzelnen Körner.

Wieso ein Markenname?

Ruvido: Stetig weiterentwickeln

Ruvido ist ein qualitätsgeprüfter und zertifizierter Recyclingbaustoff, der in Gerlafingen hergestellt wird. Ruvido ist ein Kiesersatzmaterial und wird vorwiegend im Tief- und Strassenbau, neu aber auch im Hochbau eingesetzt. Stahl Gerlafingen arbeitet kontinuierlich an der Aufbereitung und an den Eigenschaften des EOS-Granulates.

Mit dem neuen Markennamen will Stahl Gerlafingen erkennbar machen, dass heute ein optimiertes Produkt angeboten wird. Ein wichtiger Punkt ist, dass die Körnung halbiert und der Sandanteil erhöht wurde, wodurch das Material besser eingebaut werden kann. Erst in den Anfängen ist die Entwicklung von Ruvido in gebundener Anwendung als Zuschlagstoff für Beton oder Asphalt. Stahl Gerlafingen arbeitet in diesem Bereich mit der Berner Fachhochschule in Burgdorf zusammen.

Bereits geregelt ist, wie Ruvido dereinst entsorgt werden kann. Wie alle Recyclingbaustoffe kann es in Deponien des Typs B abgelagert werden. Sinnvoll ist es, Ruvido beim Rückbau möglichst nicht mit anderen Stoffen zu vermischen. Dann kann es erneut verwendet werden.

Ein Markenname, ein Markenbotschafter: Will Stahl Gerlafingen etwas verstecken? Christoph Zeltner wehrt sich als Leiter Qualität und Umwelt vehement gegen einen solchen Vorwurf, gibt aber zu: «Das Wort Schlacke ist bei vielen Leuten negativ behaftet.» Die Schlacken aus der Herstellung der Stähle, wie sie in Gerlafingen produziert werden, sind laut Zeltner aber die homogensten und schadstoffarmsten Schlacken überhaupt. Diese metallurgischen Schlacken entstehen bei Temperaturen von über 1500 Grad Celsius und sind sozusagen «durchgekocht».

Ein weiterer Vorteil sei, dass Ruvido 100 Prozent mineralisch sei und das Granulat nicht ausgewaschen werde und auch nicht ausgase. «Es eignet sich deshalb vorzüglich für den Einsatz auf Installationsplätzen bei Grossbaustellen oder für temporär angelegte Baupisten.» Bereits eine dünne Schicht Ruvido genüge, und diese trage auch schwerste Baumaschinen. Solche kamen unter anderem in Utzenstorf für den Aufbau der Schwingarena zum Einsatz.

Produkt bekannter machen

Noch reissen sich die Bauunternehmen nicht um Ruvido. Das habe verschiedene Gründe, erklärt Manfred Wyss (Verkauf EOS und Recyclingprodukte bei Stahl Gerlafingen). So ist Kies vor allem im Mittelland nach wie vor sehr günstig zu haben.

«Zurzeit wird zudem nicht nur viel gebaut, sondern auch viel rückgebaut. So fallen vermehrt auch andere Recyclingbaustoffe wie Betongranulat, Mischabbruchgranulat oder Asphaltgranulat an.» Markt und Kreislaufwirtschaft gelingen nachhaltig, wenn Recyclingbaustoffe und Kies dort eingesetzt werden, wo ihre Stärken sind. Mit Ruvido werden Bauwerke standfest – gerade so wie erfolgreiche Schwinger.