Solothurner Obergericht

«Richterbeisser» Kuno W. wird zu einer Freiheitsstrafe von 29 Monaten verurteilt

Kuno W. hat einen Richter in die Hand gebissen und einen Gerichtsschreiber ins Gesicht geschlagen. Die Voraussetzungen für eine Ersatzmassnahme waren laut dem Gericht nicht gegeben.

Rebekka Balzarini
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Nach rund 30 Minuten wollte sich Kuno W. die Urteilsbegründung des Solothurner Obergerichts nicht mehr länger anhören und verliess den Gerichtssaal.

Nach rund 30 Minuten wollte sich Kuno W. die Urteilsbegründung des Solothurner Obergerichts nicht mehr länger anhören und verliess den Gerichtssaal.

Solothurner Zeitung

Nach rund 30 Minuten hatte Kuno W. genug. Er wollte sich die Urteilsbegründung des Solothurner Obergerichts nicht mehr länger anhören und verliess den Gerichtssaal im solothurner Amtshaus. Zurück blieb sein Anwalt, der keinen Versuch machen wollte, seinen Mandanten zurück in der Gerichtssaal zu holen. «Ich bezweifle, dass ich ihn so schnell beruhigen kann», begründete Anwalt Daniel U. Walder seinen Entscheid.

Kuno W. war mit dem Urteil des Obergerichts nicht einverstanden. Dieses hatte ihn soeben zu einer Freiheitsstrafe von 29 Monaten verurteilt. Dazu kommt eine Busse von 650 Franken und eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 10 Franken.

Drohung, Körperverletzung und Sachbeschädigung

Kuno W. hatte sich eine geringere Strafe gewünscht. Sein Verteidiger hatte entweder einen Freispruch, oder dann eine Freiheitsstrafe von 10 bis maximal 12 Monaten gefordert. Einzig die 30 Tagessätze, die das Obergericht angeordnet hatte, entsprachen den Forderungen von Kuno W. Vor Obergericht hatte er sich gegen ein Urteil des Amtsgerichts Solothurn-Lebern gewehrt. Das Amtsgericht hatte ihn im Jahr 2018 zu einer Freiheitsstrafe von 34 Monaten, einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 30 Franken und einer Busse in Höhe von 2000 Franken verurteilt.

Mehrfache Körperverletzung und sexuelle Belästigung

Die Anklageschrift von Kuno W. war lang, deshalb setzt sich das Urteil aus verschiedenen kleineren Delikten zusammen, die er sich in den vergangenen Jahren hat zuschulden kommen lassen. Unter anderem hat er im Jahr 2016 einen Richter in die Hand gebissen und einen Gerichtsschreiber mit zwei Faustschlägen verletzt. In Untersuchungshaft verletzte er ausserdem einen anderen Insassen mit einem Faustschlag, weil ihm im Besucherraum das Weinen von dem Kleinkind des Mitinsassen auf die Nerven ging und der Vater sein Kind nicht beruhigen konnte. Das Obergericht sprach Kuno W. in diesen Fällen wegen mehrfacher Körperverletzung und versuchter einfachen Körperverletzung schuldig.

Schwer wog vor Gericht auch der Vorwurf der Drohung und der sexuellen Belästigung gegen eine Staatsanwältin. In mehreren Briefen hat Kuno W. sie bedroht und sexuelle Handlungen mit ihr beschrieben. «Exponierte Staatsangestellte brauchen zwar eine dickere Haut als andere», führte Richterin Barbara Hunkeler in der Urteilsbegründung aus, «aber sowas muss sich niemand gefallen lassen». Die Staatsanwältin habe sich mehrere Monate lang bedroht gefühlt, so Hunkeler. «In ihrem Verfahren ging es ja darum, dass der Beschuldigte bereits gegen zwei Mitarbeiter des Gerichts tätlich geworden war. Es ist ihr also nicht zu verdenken, dass sie diese Drohungen ernst nahm». Die Dauer und die Ausführlichkeit der schriftlichen Drohungen und Belästigungen lasse nicht auf einen Affekt schliessen.

Ersatzmassnahme wurde vom Gericht abgelehnt

Einen grossen Teil seiner Freiheitsstrafe hat Kuno W. bereits verbüsst. Er verbrachte bisher 357 Tage in Untersuchungshaft, diese Zeit wird an die Freiheitsstrafe angerechnet. Ebenfalls zu 40 Prozent angerechnet werden die 1090 Tage, die Kuno W. im Rahmen einer Ersatzmassnahme auf einem Hof im Jura verbracht hat. Spätestens am 26. Dezember muss er seine Haftstrafe antreten. Bis dahin verzichtet das Gericht aber auf eine Sicherheitshaft, Kuno W. darf auf den Hof im Jura zurückkehren. Auch diese verbleibenden Tage werden an die Haftstrafe angerechnet.

Während der Verhandlung in der vergangenen Woche war auf Grund eines neuen Gutachtens auch die Idee aufgekommen, Kuno W. statt zu einer Freiheitsstrafe zu einer Ersatzmassnahme zu verurteilen. Dieser Idee hätte sich sogar die Staatsanwaltschaft nicht in den Weg gestellt, wenn sich Kuno W. dazu bereit erklärt hätte, im Rahmen der Massnahme mit einem Coach zusammen zu arbeiten. Das Gericht entschied sich aber gegen diese Lösung. «Eine Zivilrechtliche Massnahme scheint uns vielversprechender», begründete Richterin Hunkeler den Beschluss kurz. Eine ambulante Massnahme sei für das Gericht kein Thema gewesen. Auf Grund der Delikte wäre laut Hunkeler eigentlich auch eine teilbedingte Strafe denkbar gewesen. «Weil der Beschuldigte aber noch während einem laufenden Verfahren wieder delinquent wurde, war dieser Weg nicht mehr vorstellbar».

Kuno W. könnte das Urteil weiter vor Bundesgericht ziehen. Ob er diesen Schritt unternimmt ist laut Anwalt Daniel Walder noch unklar. Zufrieden mit dem Urteil zeigte sich Staatsanwalt Martin Schneider. Er geht laut eigener Aussage nicht davon aus, dass das Urteil von der Oberstaatsanwaltschaft weitergezogen wird.

Kein Urteil fällen konnte das Gericht bezüglich der Jagdberechtigung, die Kuno W. gerne behalten würde. Die Berechtigung ist für ihn laut eigenen Aussagen während des Prozesses wichtig, weil er in der Vergangenheit mehrfach erfolgreich Jagdhunde trainiert hat und sich in diesem Bereich eine berufliche Zukunft aufbauen möchte. Für die Erteilung einer Jagdberechtigung ist das Obergericht aber nicht zuständig, deshalb konnte es in diesem Punkt kein Urteil fällen.