Kanton Solothurn

Sandra Boner geht für die Nacht der Industrie auf Tuchfühlung mit Robotern und CEOs

Die Nacht der Solothurner Industrie fällt Corona zum Opfer. Als Ersatz schickt die Solothurner Handelskammer «Wetterfee» Sandra Boner auf Entdeckungstour durch die hiesige Industrie. Wir haben sie einen Tag lang begleitet.

Sébastian Lavoyer
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Digitale Nacht der Industrie 2020 Zuerst verkabeln. Werksleiter Reinhard Braun von der Georg Fischer Wavin in Subingen
20 Bilder
Anmoderieren vor der Georg Fischer Wavin in Subingen
Sandra Boner wird von Werksleiter Reinhard Braun empfangen
Reinhard Braun führt Sandra Boner durch die Produktionshallen
Eine Mitarbeiterin erklärt Sandra Boner ihre Arbeit
Absprache mit dem Filmteam von Jump TV
CEO Daniele Galatioto begrüsst Sandra Bonerbei der Ypsotec in Grenchen
CEO Daniele Galatioto erklärt die Produkte
Der Mann hinter der Kamera: der Bruder von Chantale, Yves Hauenstein.
Sandra Boner sieht sich den Betrieb an
Ein Mitarbeiter erklärt einen Ferigungsschritt an einer Maschine
Daniele Galatioto erkärt die Produktinsabläufe
Nacht der Industrie
Die Stimmung ist gut
Die Ansteckmikrofone werden jedesmal desinfiziert
Lagebesprechung mit allen Beteiligten

Digitale Nacht der Industrie 2020 Zuerst verkabeln. Werksleiter Reinhard Braun von der Georg Fischer Wavin in Subingen

Hanspeter Bärtschi

Industriegebiet von Subingen, am westlichen Rand des Dorfes, ein kühler, aber sonniger Morgen Ende August. Ein weisser VW-Bus fährt vor. Am Steuer Thomas Heimann, Projektleiter bei der Solothurner Handelskammer, neben ihm Sandra Boner, Mutter zweier Kinder, Moderatorin von SRF Meteo und der eigentliche Star an diesem Tag.

Wobei: Für einmal geht es nicht um Hoch- und Tiefdruckgebiete, das Spezialgebiet der «Wetterfee», nein, es geht um die Solothurner Wirtschaft, genauer um die produzierende Industrie. Boner ist auf Entdeckungsreise im Kanton, sie porträtiert 29 Firmen im Auftrag der Handelskammer.

An diesem Morgen ist die Georg Fischer Wavin AG an der Reihe.

Die Filmaktion ist letztlich ein virtueller Ersatz für das Erleben der Industrie. Der Ausbruch des Coronavirus’ hat die Handelskammer im Mai dazu veranlasst, die während der letzten zwei Jahre durchgeführte Nacht der Solothurner Industrie (vgl. Kontext dazu) abzublasen. Zu gross das Risiko einer Ansteckung. Also kam die Idee der TV-Reportage auf. Schnell fand man in Sandra Boner und in Jump TV die für die Umsetzung nötigen Partner.

Die Nacht der Solothurner Industrie – 2020 nur virtuell

2018 hat die Handelskammer erstmals die Nacht der Solothurner Industrie durchgeführt. Rund 1000 Besucher konnte man seither jeweils anlocken. Mit 17 Bussen hat man sie in kleinen Gruppen in je zwei Firmen kutschiert, wo sie sodann von Geschäftsführern und Mitarbeitenden der Industriebetriebe willkommen geheissen wurden.

Aufgrund der Unsicherheiten durch Corona hat man dieses Jahr im Mai entschieden, auf eine reale Durchführung zu verzichten. Virtuell aber findet sie nun auch dank Sandra Boner trotzdem statt.

«Unser Ziel ist es, der Bevölkerung unsere Industrie näher zu bringen. Wir wollen zeigen, dass es hier ganz tolle Arbeitsplätze gibt. Daran ändert auch das Virus nichts», sagt Thomas Heimann, Projektleiter bei der Handelskammer und Organisator der Nacht der Solothurner Industrie. (sel)

Warum eine «Wetterfee» durch die Solothurner Wirtschaft führt

Da die Gesamtkosten mit rund 90'000 Franken den Budgetrahmen der Handelskammer gesprengt hätten, kontaktierte Heimann die Solothurner Industriebosse. Sein Angebot: Wir machen für euch fünf- bis siebenminütige Reportagefilme. Zu einem fairen Preis. Auch dank Eigenmitteln der Handelskammer und Sponsoring. Das Interesse war gross, nicht alle kamen zum Zug.

Jetzt ist Probelaufen angesagt für Sandra Boner. Yves Hauenstein, Kameramann von Jump TV, muss wissen, wo sie durchgeht, um zu Beginn der Einstellung das Logo der Firma im Bild zu haben. So sieht es das Drehbuch vor. Es entstand in enger Zusammenarbeit mit den Firmen. Der Ablauf ist immer ähnlich: Begrüssung durch den Geschäftsführer, Firma kurz vorstellen, kurzer Rundgang, drei, vier Gespräche mit Mitarbeitenden und zum Schluss ein Blick in die Zukunft mit dem Chef.

Also läuft Sandra Boner los. Einmal, zweimal, dreimal. Beim vierten Anlauf ist Hauenstein zufrieden. Nächste Szene: Begrüssung durch Werksleiter Reinhard Braun beim Eingang.

VW-Bus inklusive Kühlschrank

Aber warum wählt man mit Sandra Boner eine Wetterfachfrau, um durch die Solothurner Wirtschaft zu führen? «Wir haben bewusst keinen Wirtschaftsexperten gewählt, sondern jemanden, der den Leuten auf Augenhöhe begegnen kann», erklärt Thomas Heimann von der Handelskammer. Er hat die Nacht der Solothurner Industrie organisiert und ist auch in diesem Fall Projektleiter. Er ist an jedem der insgesamt neun Drehtage dabei. Mit seinem privaten VW-Bus. «Da haben wir nicht nur das Kameraequipment dabei, sondern auch einen Kühlschrank für Getränke und Sandwiches», sagt er und schmunzelt. Denn er weiss: Der Zeitplan ist eng. Bis zu vier Firmen an einem Drehtag, je zwei Stunden Drehzeit. Da braucht es Profis.

Wie Sandra Boner. Denn obwohl sie keine Wirtschaftsexpertin ist, hat sie natürlich jahrelange Kameraerfahrung, ist es gewohnt, Sendungen und Anlässe zu moderieren. Zum Beispiel die Verleihung des Unternehmerpreises durch die Handelskammer. So entstand denn auch der Kontakt zur SRF-Moderatorin mit Promifaktor. Sie ist es, die durch alle Firmen führt, Geschäftsführer wie Angestellte mit Vornamen anspricht und an diesem Donnerstag fast alle irgendwann zum Lachen bringt.

Chantale Hauenstein dagegen ist nie zu sehen. Obwohl Wetterexpertin Boner sagt: «Ohne sie geht nichts.» Die junge, blonde Frau im schwarzen Outfit hat das Drehbuch genauso im Auge wie das Timing. Und sie reinigt das Ansteckmikrofon, das während der Aufnahmen von einem Interviewpartner zum nächsten wechselt. Vier bis sechs Mal bei jedem Stopp, bei jeder der insgesamt 29 Firmen.

Beim Drehen geben für einmal nicht die CEOs den Ton an

An diesem Donnerstag sind es drei Termine. Am Morgen bei den Spezialisten für Rohrleitungssysteme in Subingen. Hoch automatisiert und mit Robotern, die perfekt synchronisiert wie ein Ballettensemble Kunststoffverbindungselemente für Wasser- und Gasrohrleitungen fertigen. Mittagessen gibts im Auto. Dann der Termin in Gösgen im Kernkraftwerk, zwei Stunden drehen, weiterfahren nach Grenchen. Kurz vor 16 Uhr kommt Sandra Boner mit ihrem Team angebraust. Ein Blick in den Rückspiegel, Lippen nachziehen, und schon steht der nächste CEO bereit.

Daniele Galatioto, Chef von rund 90 Mitarbeitenden in der Schweiz und nochmals so vielen in Tschechien, CEO von Ypsotec, erwartet die «Wetterfee». «Immer zu Sandra schauen, nicht in die Kamera», mahnt Chantale Hauenstein den Ypsotec-CEO. Wird gedreht, geben sie und ihr Bruder Yves den Ton an. Immer höflich, aber immer bestimmt. Dauert’s zu lang, dann heisst es: «Wir müssen vorwärtsmachen, sonst kommen wir nie durch.»

Die Wetterfee in Wirtschaftssendung?

Zu sehen, zu erfahren und zu erzählen gibt es überall viel. «Ich hatte bei unseren Visiten schon extrem kalt, minus 27 Grad. Aber ich stand auch neben meterhohen Flammen», erzählt Boner. In Grenchen wird gedreht und gefräst. Es riecht nach Maschinen und Werkstatt im 100-jährigen Gebäude der Ypsotec am Jurasüdfuss. Im Dreischichtbetrieb entstehen hier Knochenschrauben, Gewindespindeln für Selbstmedikationspens (zum Beispiel für Zuckerkranke) oder Teile für Beatmungsgeräte. Vor allem Produkte für die Medizinaltechnik. Alles zertifizierte Prozesse, alles hochpräzis.

«Und wohin geht’s?», will Sandra Boner am Schluss ihrer Beiträge jeweils wissen. Das haben wir auch sie gefragt: Sieht man sie beim SRF künftig auch in einem Wirtschaftsformat? «Das war ein einmaliges Projekt», sagt Boner mit einem Schmunzeln, «was die Zukunft bringt, weiss ich nicht, aber ich bin offen.» Man darf also gespannt sein.