Wasseramt

SBB wollen mehr Güterzüge auf Schnellstrecke schicken

Auf der neuen Schnellstrecke der SBB zwischen Solothurn und Olten sollen mehr Güterzüge verkehren. Die markanteste Änderung: Die Züge werden auch in der Nacht fahren. Widerstand ist programmiert.

Christof Ramser
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Die Güterzug-Kapazitäten auf der Ausbaustrecke zwischen Solothurn und Wanzwil sollen markant erhöht werden. Im Bild ein Bahnübergang in Derendingen.

Die Güterzug-Kapazitäten auf der Ausbaustrecke zwischen Solothurn und Wanzwil sollen markant erhöht werden. Im Bild ein Bahnübergang in Derendingen.

Hanspeter Bärtschi

Für Reisende brachte sie viele Vorzüge, die neue Schnellstrecke der SBB zwischen Solothurn und Olten. Doch entlang dem Trassee im Wasseramt erinnert man sich ungern an die ärgerlichen Nebeneffekte. In Subingen etwa verursachten die Züge durch ihre Bremsmanöver einen Gestank, der Hustenreize und Atemnot verursachte. Inzwischen hat sich dieser dank technischer Anpassungen verflüchtigt. Künftig aber kommen auf die Anwohner neue Belästigungen zu – in Form von zusätzlichem Lärm, Erschütterungen und mehr Verkehr auf den Strassen.

Gemäss Recherchen dieser Zeitung planen die SBB, die Güterzug-Kapazitäten auf der Ausbaustrecke zwischen Solothurn und Wanzwil markant zu erhöhen. Denn die Gäu-Linie (Solothurn–Oensingen–Olten) ist so dicht befahren, dass sie keinen Ausbau mehr zulässt. SBB-Mediensprecherin Franziska Frey bestätigt, dass künftig, verteilt über 24 Stunden, 25 Güterzüge durch das Wasseramt rollen sollen. Die neue Verkehrsführung steigert die Kapazität im Güter- und Personenverkehr. Die markanteste Änderung: Die Züge werden auch in der Nacht fahren.

Im Detail handelt es sich um 12 Güterzüge aus der Westschweiz zu den Verteilzentren in Suhr und Schafisheim AG bei Hunzenschwil, 12 Güterzüge vom Rangierbahnhof Limmattal in die Romandie und einen Ölzug, der von der Westschweiz nach Rothenburg fährt.

Bahnübergänge länger zu

Zwar dauert es noch eine Weile, bis es so weit ist. Ab 2025 sollen die zusätzlichen Güterzüge via den Abschnitt Solothurn–Wanzwil und Rothrist–Zofingen auf die Bahn-2000-Strecke Mattstetten–Rothrist fahren. Für die beiden Abschnitte sind je ein neues Plangenehmigungsverfahren und zusätzliche Umweltmassnahmen nötig.

Im Wasseramt bereitet man sich jedoch bereits auf Widerstand vor. Vor allem Derendingen und Subingen werden betroffen sein. Einerseits, weil die Barrieren an den Bahnübergängen länger geschlossen bleiben. «Wir haben keine Freude an den Plänen», sagt Derendingens Gemeindepräsident Kuno Tschumi. Näher will er sich zum heiklen Thema nicht äussern. «Das sollen die SBB selber verkünden.» Die Erfahrung zeige, dass man sich am Ende kaum gegen Grossprojekte der Bundesbahnen wehren könne. «Aber wir können möglichst viel für uns herausholen.»

Auf Anfrage sagt Franziska Frey, dass sich die SBB Gedanken machen bezüglich kürzerer Barriereschliessungszeiten oder einer Aufhebung der Bahnübergänge. Vor allem in Subingen sind die Auswirkungen der Barriereschliessungen stark spürbar. «Insbesondere, wenn aufgrund des Staus auf der Autobahn viele über die Hauptstrassen fahren», sagt Gemeindepräsident Hans Ruedi Ingold. «Dann gibts hier ein Puff» – und der Verkehr steht bis hinein in den Kreisel beim «Kreuz» still. Aber auch der Übergang beim ehemaligen Bahnhof in Derendingen ist betroffen. Ob an diesen Standorten Unterführungen gebaut werden können, bleibt vorderhand offen. Fakt ist, dass die SBB mit dem kantonalen Raumplanungsamt in Kontakt stehen, ebenfalls mit dem Amt für Verkehr und Tiefbau.

Die Unterführungen sind ein delikates Thema. So erinnert sich Tschumi ungern an die «verunglückte» Unterführung an der Bodmattstrasse, die aufgrund einer Leitung, die im Wege stand, zu einer Fussgänger- und Velounterführung schrumpfte und für mehr Autoverkehr beim Bahnhof sorgte. Auch Ingold reagiert vorsichtig; würde doch eine Unterführung beim Bahnhof in Subingen «einen Graben ins Dorf reissen».

Messungen in den Gebäuden

Hans Ruedi Ingold befürchtet ebenfalls, dass Widerstand gegen den Kapazitätsausbau kaum von Erfolg gekrönt sein werde. Er will, sobald mehr Informationen vorliegen, einen Informationsabend für die Betroffenen organisieren.

Bereits informiert wurden Eigentümer von Liegenschaften, die künftig von Erschütterungs- und Körperschall betroffen sein könnten. «Wir fragten an, ob in den Gebäuden Messungen durchgeführt werden können», sagt Franziska Frey. Diese sollen noch diesen Monat durch ein externes Umweltexpertenbüro stattfinden. Zudem wird derzeit eine Studie erstellt, um Massnahmen zum Lärmschutz zu ermitteln.

Derzeit variiert die Kapazität

Wie hoch die Güterzugskapazitäten auf der Ausbaustrecke heute sind, sei nicht einfach zu beantworten. «Das variiert je nach Betriebskonzept», so die SBB-Sprecherin. Bei der Ausbaustrecke handle es sich um eine Einspurstrecke. Die Kapazität sei abhängig von mehreren Faktoren wie der Geschwindigkeit, der Verkehrsrichtung und der Kapazität auf der Neubaustrecke und in den Knotenbahnhöfen. Aktuell wären auf der Ausbaustrecke täglich vier lokale Güterzüge zugelassen, um ab Solothurn die DHL in Derendingen oder die Subinger Gewerbezone zu bedienen. Diese Anschlussgleise seien jedoch inzwischen eingestellt worden.

Frühestens 2021 soll das Plangenehmigungsgesuch in den betroffenen Gemeinden aufliegen, frühester Baubeginn dürfte 2023 sein. Es ist anzunehmen, dass die Reaktionen aus dem Wasseramt nicht so lange auf sich warten lassen.