Geschichte

Solothurn im Ersten Weltkrieg - historische Lücke wird geschlossen

Der Historiker und Theologe Urban Fink-Wagner beleuchtet mit dem Buch «Der Kanton Solothurn vor 100 Jahren» die Kriegsjahre.

Silvia Rietz
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Infanterie auf dem Weissenstein. Bilder: zvg

Infanterie auf dem Weissenstein. Bilder: zvg

Der Erste Weltkrieg gilt als die «Urkatastrophe» des 20. Jahrhunderts. Viele Autoren haben sich dem Thema angenommen. Nun legt der Historiker und Theologe Urban Fink-Wagner ein Werk vor, dass mit dem Titel «Der Kanton Solothurn vor 100 Jahren – Quellen, Bilder und Erinnerungen zur Zeit des Ersten Weltkriegs» sich aus der Perspektive eines Solothurners mit der Schreckenszeit befasst.

Die Frage, wie man die Kriegsjahre mit Blick auf ein neutrales Land darstellt, das vom Krieg verschont geblieben ist, beantwortet der Herausgeber, in dem er einen Überblick über den Kanton Solothurn der Jahre 1914–1918 liefert, auch mit Dokumenten aus der eigenen Familie und aus der Dorfgeschichte von Welschenrohr. «Das Thema liegt mir besonders nahe, weil es Wurzeln meines Heimatortes und Heimatkantons freilegt, denen ich mich sowohl durch die Geschichte, aber auch in der Gegenwart sehr verbunden fühle», erklärt Urban Fink-Wagner.

Armeeschneiderei Solothurn in den Kriegsjahren.

Armeeschneiderei Solothurn in den Kriegsjahren.

Der Redaktionsleiter der «Schweizerischen Kirchenzeitung» und unter anderem auch Mitherausgeber des Buches «Hirtenstab und Hellebarde. Die Päpstliche Schweizergarde in Rom 1506–2006» ist mit diversen Veröffentlichungen zu historischen Themen und kirchengeschichtlichen Fragen bekannt geworden. Er ist Vizepräsident des Historischen Vereins des Kantons Solothurn und auch Gründer und Präsident des Vereins «Festungswerke Solothurner Jura», der ausgewählte historische, national bedeutsame Bunker vor dem Verfall bewahrte.

Die Kriegsjahre sind ihm nicht nur aus der Schweizer Geschichte, sondern vor allem aus den Erzählungen seines Grossvaters präsent. Im Vorwort des neuen Buches schreibt er denn auch: «Im Wohnzimmer meines Grossvaters Oskar Gunzinger-Allemann (1887–1987), bei dem ich als Kind fast täglich vorbeischaute, hingen bis zu seinem Tod Fotos aus dem Ersten Weltkrieg an der Wand. Seine Aktivdienstzeit war für ihn ein wichtiger biografischer Eckpunkt.»

Eigener Militärdienst als Anstoss

Ein zweiter Anstoss war der eigene Militärdienst im Militärhistorischen Dienst der Schweizer Armee und die Begegnung mit Jürg Stüssi-Lauterburg, dem Direktor der Schweizerischen Militärbibliothek bzw. der «Bibliothek am Guisanplatz». «Stüssi übergab mir ein Manuskript mit dem Titel ‹Militärgeographie des Kantons Solothurn› und hatte mich gebeten, dieses herauszugeben.» Eine fundierte Grundlagenarbeit, die er mit gut 200 Abbildungen (mehrheitlich Fotos aus dem Bundesarchiv, die erstmals veröffentlicht werden), Postkarten, Briefen und Berichten von Zeitzeugen erweiterte.

Defilee auf dem Amthausplatz 1915.

Defilee auf dem Amthausplatz 1915.

Besondere Erwähnung verdient die «Fortifikation Hauenstein», das Zentrum der Verteidigung der Schweizer Armee im Ersten Weltkrieg, die das schweizerische Mittelland gegen einen Angriff aus Norden und Nordwesten sichern sollte. «Als Grenzkanton zu Deutschland war Solothurn während des Ersten Weltkriegs besonders exponiert. Die Solothurner Bevölkerung, welche die Mobilmachung der Schweizer Armee aus nächster Nähe beobachtete, erlebte die Kriegsjahre als eine Zeit des Umbruchs.»

1999 erschien das Standardwerk «Die Schweizer Armee im Ersten Weltkrieg» von Hans Rudolf Fuhrer, und im Rahmen des Gedenkens ans Jahr 1914 sind in den letzten Monaten landesweit viele Publikationen erschienen. Urban Fink-Wagner schliesst mit seinem Werk nun eine Lücke für den Kanton Solothurn. Am kommenden Donnerstag, 4. Dezember, 19.30 Uhr, findet im Gasthof Kreuz in Welschenrohr eine Buchvernissage mit dem Solothurner Regierungsrat Roland Heim, Gemeindepräsident Stefan Schneider und Marco Leutenegger statt.

Urban Fink (Hrsg.) «Der Kanton Solothurn vor 100 Jahren». Baden: Hier+Jetzt Verlag für Kultur und Geschichte. (www.hierundjetzt.ch). Fr. 39.–