Solothurn nutzt sein Potenzial zu wenig: Eigenheime boomen – Wohnungen stehen leer

UBS-Immobilien-Chef sieht für den Wohnkanton trotz Anlagenotstand gute Perspektiven.

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Solothurn hat gute Perspektiven.

Solothurn hat gute Perspektiven.

Simon Dietiker

Die Erkenntnis ist nicht neu, aber sie schlägt brutal durch: Der Anlagenotstand und die Negativzinsen treiben die Investoren in die Immobilien. Das führt dazu, dass Eigenheime boomen und bei Wohnungen (und Verkaufsflächen) teilweise erhebliche Leerstände bestehen. Auch im Kanton Solothurn. Dies führte gestern Morgen zu früher Stunde Claudio Saputelli, Leiter CIO Swiss & Global Real Estate bei der UBS, im «Solheure» aus. Der Referent hatte es vor dem Hintergrund unsicherer Aussichten denn auch mit Trends und Megatrends. Und dabei vor allem mit den richtigen und den falschen der ersten Sorte.

Derzeit sind vor allem die Nischen «in»

Dabei führte er sprechende Beispiele an. Gefahr im Verzug ist beispielsweise beim Co-Working, definitiv bereits da ist sie bei den Altersresidenzen – dafür gibt es andere Nischen, die in Zeiten, da das klassische Immobilien-Investment schwieriger ist als auch schon, boomen. Airbnb ist, allen regulatorischen Beschränkungen zum Trotz, eine solche Goldgrube. Mittlerweile funktioniert das Modell sogar für Keller und Estriche. Kein Wunder, wenn Haus- oder Wohnungseigentümer in Luzern beispielsweise bei dreimonatiger Vermietung pro Jahr den dreifachen Erlös von 12 Monatsmieten erzielen können.

Claudio Saputelli UBS

Claudio Saputelli UBS

MARC STRAUMANN

Goldene Zeiten für das Eigenheim

Auch wenn der Jurasüdfuss Tourismuspotenzial hat: Mit solchen Geschäftsmodellen ist es hierzulande nicht allzu weit her. Doch wie sieht es an anderen Hausmauern aus? Saputelli prophezeite dem Eigenheim unverändert goldene Zeiten. Dies in Anbetracht der Tatsache, dass keine Zinswende absehbar ist. Und sich in einzelnen Gemeinden der Markt mehr als ordentlich entwickelt. Etwas schwieriger ist es bekanntermassen mit den Mietwohnungen und der verbreitet beachtlichen Zahl an leeren Objekten. Folge: Es wird – Ausnahmen bestätigen die Regel – weniger gebaut als auch schon. «Die gemächliche Gangart setzt sich fort», brachte es Referent Saputelli auf einen Nenner. Was nicht nur die Banken und ihre Kunden, sondern auch die Bauwirtschaft nachhaltig interessiert.

Solothurn könnte mehr aus sich machen

Kommt Solothurn-spezifisch hinzu: Es gebe Kantone, die sich und ihre Qualitäten – Stichworte Wohnen, Naherholung, Verkehrsanbindung usw. – viel besser vermarkteten als Solothurn. Da gebe es grosses Nachholpotenzial, sagte Saputelli. Dies umso mehr, als der Kanton durchaus über die Rahmenbedingungen verfüge, um als Wohnkanton eine noch bedeutendere Rolle zu spielen. Eine umso bemerkenswertere Feststellung, als der Regierungsrat den Fokus in seiner «Standortstrategie 2030» auf Faktoren legt, die den Kanton einerseits als Investitionsstandort und andererseits als Lebens- und Wohnstandort prägen. Eines der Handlungsfelder ist denn auch folgerichtig «Wohnen und Lebensqualität». (bbr.)