Trinkwasser
«Viele Bauernbetriebe könnten nicht mehr überleben»: Die Solothurner Gegner der Agrar-Initiativen formieren sich

Trotz erhöhten Pestizidrückständen im Grundwasser: Der Widerstand gegen ein Pestizid-Verbot in der Schweizer Landwirtschaft ist stark, auch in Solothurn.

Ann-Kathrin Amstutz
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Das sind die Mitglieder des Solothurner Komitees «Nein zu den beiden extremen Agrarinitiativen» (v.l.n.r): Markus Dietschi (Landwirt), Pirmin Bischof (Ständerat Die Mitte), Andreas Gasche (Geschäftsführer Solothurner Gewerbeverband), Walter Wobmann (Nationalrat SVP), Kathrin Niemetz (Bio-Landwirtin), Sieglinde Jäggi (Co-Präsidentin des Solothurnischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband), Georg Lindemann (Kantonsrat FDP), Daniel Probst (Kantonsrat FDP und Geschäftsführer Solothurner Handelskammer), Andreas Vögtli (Präsident Solothurner Bauernverband).

Das sind die Mitglieder des Solothurner Komitees «Nein zu den beiden extremen Agrarinitiativen» (v.l.n.r): Markus Dietschi (Landwirt), Pirmin Bischof (Ständerat Die Mitte), Andreas Gasche (Geschäftsführer Solothurner Gewerbeverband), Walter Wobmann (Nationalrat SVP), Kathrin Niemetz (Bio-Landwirtin), Sieglinde Jäggi (Co-Präsidentin des Solothurnischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband), Georg Lindemann (Kantonsrat FDP), Daniel Probst (Kantonsrat FDP und Geschäftsführer Solothurner Handelskammer), Andreas Vögtli (Präsident Solothurner Bauernverband).

Ann-Kathrin Amstutz

Das Grundwasser im Mittelland ist durch Pestizidrückstände stark belastet. Rund eine Million Menschen sind davon betroffen, meldete das Bundesamt für Umwelt vor einem Jahr. Auch das Grundwasser im Kanton Solothurn, wo viel intensive Landwirtschaft betrieben wird, enthält übermässig viele Abbauprodukte des Pestizids Chlorothalonil.

Unbestritten ist, dass dies ein Problem darstellt. Doch wie soll es gelöst werden? Darüber herrscht grosse Uneinigkeit. Am 13. Juni stimmt die Schweizer Stimmbevölkerung über zwei Initiativen ab, die sich um das Thema Trinkwasser und Pestizide drehen. Die «Trinkwasser-Initiative» will jegliche Subventionen für Landwirtschaftsbetriebe streichen, die Pestizide benutzen. Und die «Pestizid-Initiative» will den Einsatz von Pestiziden in der Schweizer Landwirtschaft komplett verbieten. Gegen die Initiativen regt sich nun starker Widerstand vonseiten der Bauern und der bürgerlichen Parteien.

TeleM1 fragt bei den Gegnern und Befürwortern nach, was die Beweggründe der jeweiligen Haltung sind.

TeleM1

Weniger Ertrag, teurere Produkte, mehr Importe

So auch im Kanton Solothurn: Mit einer Pressekonferenz lancierte das Solothurner Komitee «Nein zu den beiden extremen Agrar-Initiativen» am Dienstag seine Kampagne, wie TeleM1 berichtete. Das Komitee ist prominent besetzt und breit abgestützt: Es umfasst nicht nur bürgerliche Bundes- und Kantonspolitiker, sondern auch Gewerbevertreter und Bio-Landwirtinnen. Sie alle sind sich einig: Die Initiativen verfolgen ein hehres Ziel, aber auf falschem Weg und auf Kosten der Landwirtschaftsbetriebe.

Die Gegner zeichnen ein düsteres Bild von der Zukunft, falls die Initiativen angenommen würden. Ihre Hauptargumente: Die Erträge würden viel geringer ausfallen. Dadurch könnten viele Bauernbetriebe nicht mehr überleben, und inländische Nahrungsmittel würden massiv teurer. Mehr Lebensmittel müssten importiert werden, der sowieso schon rückläufige Selbstversorgungsgrad würde noch mehr sinken.

Das sagen die Landwirtinnen zu den Initiativen

Doch was sagen die Bauern selbst zu den Initiativen? Sie betonen als Erstes: Die Umwelt-Auflagen in der Schweiz gehörten jetzt schon zu den strengsten weltweit. Und die Initiativen würden alle Betriebe betreffen, nicht nur die konventionellen. So sagt Bio-Landwirtin Kathrin Niemetz, deren Betrieb seit 28 Jahren biologisch produziert: «Auch ich bin von den Initiativen betroffen.»

Die Zusammenarbeit zwischen den Betrieben würde massiv erschwert. Sie dürfte etwa kein Futter vom Nachbarn beziehen, der nicht biologisch anbaut. Zudem stellt Niemetz klar:

«Auch die biologischen Betriebe kommen nicht komplett ohne Spritzmittel aus.»

Es drohen massiv höhere Ernteausfälle

Den Vorwurf, die Bauern würden zu wenig für die Natur tun, weist auch Landwirt Markus Dietschi entschieden zurück. Er produziert nach dem IP-Suisse-Standard. Der Einsatz von Pestiziden und Antibiotika sei in den letzten zehn Jahren halbiert worden. «Ganz ohne geht es schlicht und einfach nicht - ausser, wir nehmen massiv höhere Ernteausfälle in Kauf.»

Dietschi demonstriert seine Aussage an einer seiner Rapspflanzen. Raps ist eine heikle, auf Schädlinge anfällige Kultur. Aus den Blütenknospen von Dietschis Raps krabbeln winzige Käfer. «Sie sind zwar klein, können aber die ganze Ernte zerstören.» Deshalb benutzt Dietschi Pflanzenschutzmittel - in Kleinstmengen. Bezüglich Pestizid-Einsatz folgt er dem Leitsatz: So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig.

«Auch andere Verunreinigungsquellen sind wichtig»

Doch wie kann der Pestizid-Gehalt im Grundwasser verringert werden? Auf die Frage, ob er sich um die Wasserqualität Sorgen mache, antwortet Pirmin Bischof, Ständerat Die Mitte: «Selbstverständlich. Gerade deshalb ist der Weg des Parlamentes effizient und wichtig.» Der Einsatz von Pestiziden soll bis 2027 um die Hälfte gesenkt werden. Dabei sei es wichtig, auch andere Verunreinigungsquellen im Blick zu haben: «Die Spuren von Medikamenten im Grundwasser haben stark zugenommen.» Deswegen habe das Parlament einschneidende Massnahmen beschlossen, so Bischof.