Präsenzunterricht

Wie das Schutzkonzept für den Unterricht an Solothurner Schulen aussieht

Der Kanton Solothurn hat am Donnerstag über die Massnahmen zur Schulöffnung am 11.Mai informiert.Wir haben die wichtigsten Punkte aus dem Schutzkonzept zusammengetragen.

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Der Präsenzunterricht darf nur stattfinden, wenn ein Schutzkonzept eingehalten wird.

Der Präsenzunterricht darf nur stattfinden, wenn ein Schutzkonzept eingehalten wird.

Sandra Ardizzone

Findet der Unterricht am 11. Mai wieder normal statt?

Die Schulen werden integral geöffnet, basierend auf dem kantonalen Schutzkonzept. Dieses soll die Voraussetzung schaffen, das Übertragungsrisiko für die Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen und Schulpersonal zu minimieren. Das Volksschulamt hat die 30 Seiten starken Richtlinien für den Präsenzunterricht zusammen mit den Verbänden ausgearbeitet. Es ist für sämtliche öffentliche und private Schulträger der Volksschule verbindlich, kann aber je nach lokaler Gegebenheit ergänzt werden. Dabei wird die Einhaltung der kantonalen Vorgaben überprüft.

Organisation, Abläufe und Strukturen sollen so konstant wie möglich gehalten werden. Die Stundenpläne sollen im Rahmen des Möglichen ihre Gültigkeit behalten. Es können alle Fachbereiche unterrichtet werden. Die Pausen müssen aber gestaffelt durchgeführt werden. Aktivitäten wie Schulreisen, Projektwochen, Sporttage, Lager, Elternabende, Besuchsmorgen der Eltern im Kindergarten, Konzerte, Schulschlussfeiern finden nicht statt.

Was sind die Eckwerte im Schutzkonzept?

Man hat sich bei der Ausarbeitung des Schutzkonzepts für die Wiederaufnahme eines Regelbetriebs vom Bild der Schule als Kokon leiten lassen. Drinnen sollen sich die Schüler möglichst frei bewegen können, nach aussen sollen die Wände eines Schulhauses eine eigentliche Schutzhülle darstellen.

Wer nicht wirklich in einem Schulhaus zu tun hat, muss draussen bleiben. Das gilt auch für Eltern von Schulkindern. Ihnen ist der Zutritt verwehrt, es sei denn, sie seien ausdrücklich zu einem Termin eingeladen. Grundsätzlich finden aber auch Elterngespräche weiterhin in dem Modus statt, an den sich sehr viele mittlerweile im Homeoffice gewöhnt haben: am Telefon, per Skype oder wie auch immer.

Für externe Mieter – beispielsweise Vereine – bleiben die Schulhäuser bis auf weiteres geschlossen.

Sehen die Vorgaben für alle Schüler gleich aus?

Nein. Grundsätzlich müssen alle Personen, die in einem Schulhaus verkehren, die Hygieneregeln einhalten und sie werden auch geschult. Dazu gehört das Händewaschen, die Gegenstands- und Oberflächenhygiene und dass aufs Händeschütteln verzichtet wird. Was die Verhaltensregeln anbelangt, kann es aber Unterschiede geben. Im Schutzkonzept sind drei Gruppierungen genannt.

Gesunde Kinder aus der Primarstufe (Kindergarten bis 6. Klasse der Primarschule) müssen die Distanzregeln nicht explizit einhalten. Sie sollten sich möglichst normal verhalten und bewegen können – auch auf dem Schulweg.

Gesunde Schülerinnen und Schüler aus der Sekundarschule sollen Körperkontakt vermeiden und sich im gebührenden Abstand begegnen.

Besuchen alle Schülerinnen und Schüler den Unterricht?

Nein. Kinder, die krank sind oder mit einer an Covid-19 erkrankten Person im Haushalt leben, bleiben zuhause. Kinder mit einer Grunderkrankung bzw. gesunde Schülerinnen und Schüler, die in einer Familie mit besonders gefährdeten Personen leben, bringen ein Attest bei. Für sie wird der Fernunterricht eingerichtet.

Werden Masken getragen?

Nein. Das Tragen von Hygienemasken wird im Schutzkonzept als «unverhältnismässig» bezeichnet. Allerdings sollen Hygienemasken im Schulhaus zur Verfügung stehen für entsprechende Situationen. Für kleine Schulen wird ein Bestand von 50 Hygienemasken empfohlen, für grosse Schulen 250.

Wer ist für die Umsetzung der Hygienemassnahmen verantwortlich und wie sehen die Reinigungsvorgaben aus?

Die kommunalen Aufsichtsbehörden sind zusammen mit den Beteiligten für die Umsetzung verantwortlich. Sie sorgen für das notwendige Schutzmaterial der Schulen. Vor Ort sind die Hauswarte zuständig.

Türgriffe, Treppengeländer und andere Gegenstände werden zweimal täglich gereinigt. Nach jeder Schulstunde wird für 10 Minuten gelüftet.

Wie sieht es mit den Lehrpersonen aus?

Lehrpersonen werden aufgefordert, Abstand zu den Schülerinnen und Schülern zu halten. Für die Lehrkräfte untereinander gilt die bekannte 2-Meter-Regel. Nur gesunde Lehrpersonen arbeiten ab dem 11.Mai. Aber: An sich gesunde Lehrpersonen, die einer Risikogruppe angehören oder mit besonders gefährdeten Personen in einem Haushalt leben, dürfen nicht mit den Kindern in der Schule arbeiten. Sie können ihre Kolleginnen und Kollegen nur vom Homeoffice aus unterstützen, zum Beispiel bei Unterrichtsvorbereitungen. Das könnte zur Knacknuss werden, denn: Bis dato fehlt ein Überblick, wie viele Lehrpersonen das betreffen wird. Und Stellvertretungen werden jetzt, wo ohnehin eher wieder Lehrermangel herrscht, nicht so einfach zu organisieren sein. Fest steht aber, dass es keinen Parallelbetrieb von Fern- und Präsenzunterricht geben wird, die Schulen haben dafür zu sorgen, dass vor jeder Klasse eine Lehrperson im Schulzimmer steht.

Wo es zu Engpässen kommt, können auch Studierende der pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz für das Unterrichten von Klassen eingesetzt werden.
Für unterstützende Einsätze in den Schulhäusern im Auge hat man auch Maturandinnen und Maturanden, die den Unterricht ja noch nicht wieder aufnehmen (und nun auch definitiv keine Maturitätsprüfungen zu absolvieren haben). Sie gehören zur Zielgruppe, die bei der Rekrutierung einer neuen Personalkategorie angesprochen ist: PEP. Die Abkürzung steht für pädagogisches Ergänzungspersonal. Der Einsatz von PEP ist vorgesehen, um die Lehrkräfte beim organisatorischen Mehraufwand zu entlasten, der durch den speziellen Schulbetrieb entsteht, etwa bei der Unterweisung der Kinder in korrekter Anwendung der Hygienemassnahmen oder bei der «Verkehrsregelung» für die gestaffelten Pausen.

Was steht nach Ende des Fernunterrichts an?

Die Rückkehr in den gewohnten Schulalltag wird nach sechs Wochen Fernunterricht nicht einfach: Unterschiedliche technische Möglichkeiten und unterschiedliche Lernerfahrungen der Schülerinnen und Schüler wirken sich auf den Lernstand der Kinder und der Klasse aus. Die Schulen werden deshalb die entstandenen Unterschiede minimieren müssen und dafür Zeit benötigen. Dafür erhalten die Lehrpersonen einen gewissen Freiraum in der Stundengestaltung, um den Fernunterricht aufbereiten und entlang der Kernfächer Schwerpunkte setzen zu können. In einer Einstiegsphase sollen die Schülerinnen und Schüler ihre Erfahrungen während des Fernunterrichts mitteilen und reflektieren können.

Was muss in den Schulhäusern angepasst werden, um den BAG-Massnahmen zu entsprechen?

Der Kanton empfiehlt, verschiedene Zonen für Aktivitäten zu definieren. In Bewegungszonen sollen die Personenströme gesteuert (z.b. durch Markierungen) und der Abstand eingehalten werden. In den Klassen soll sich nur die jeweilige Klasse befinden.

Die Schulzimmer müssen so eingerichtet werden, dass die Schülerinnen und Schüler bei Begegnungen den Kontakt vermeiden können. Das bedeutet, dass Leseecken und Gruppentische rausgeräumt werden können, um die Pulte weiter weg voneinander zu platzieren.

Nach der Benützung von Turnhallen, Laboren, Werkräumen, PC- oder Hauswirtschaftsräume und Mediotheken wird desinfiziert.

Sind Kantinen weiterhin erlaubt?

Das Führen der Kantine oder Mensa für die Personen aus dem «Container / Kokon» ist laut Schutzkonzept möglich. «Für die Mahlzeitenausgabe sollten zusätzlich zu den Hygienemassnahmen weitere besondere Massnahmen eingehalten werden, wie keine selbständige Essens- und Bestecksbedienung, möglichst gestaffelte Personenaufkommen sowie Schutzeinrichtungen für das auszugebende Essen und das bedienende Personal», heisst es. Die Kinder sollen das Essen nicht teilen. Dazu gehören auch Znüni oder Zvieri.

Wie sieht das Zeugnis Ende Schuljahr aus?

Zum Abschluss des Schuljahres gibt es ein Zeugnis mit dem Eindruck: «Corona-Pandemie: kein Präsenzunterricht zwischen 16. März und 8. Mai 2020».

(ldu/umo)

Quelle: «Richtlinien für den Präsenzunterricht», Volksschulamt Kanton Solothurn