Derendingen

725 Jahre: Ein Jubiläum, das gefeiert werden muss

Die Dorfbewohner blickten an der Jubiläumsfeier auf 725 Jahre Geschichte zurück und feierten dies mit allerlei Aktivitäten.

Marlene Sedlacek
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Ein Fest zum Jubiläum von Derendingen
15 Bilder
Etwa 150 Derendinger waren bei dem virtuellen Rundgang durch das alte Dorf anwesend
Die Musikgesellschaft Derendingen sorgte für musikalische Umrahmung.
725 Jahre Derendingen
Essen gab es stilecht wie im Mittelalter aus altertümlichen Kochkesseln
Zu essen gab es Ebsensupper oder Chili con Carne
Mit Sicherheit roch es gut aus den Kesseln
Viel historisches gab es zu entdecken

Ein Fest zum Jubiläum von Derendingen

Michel Lüthi

725 Jahre alt, genauso alt wie die Eidgenossenschaft, soll Derendingen sein. Grund genug für Erich Gasche und weitere geschichtsinteressierte Derendinger, ein Fest zu organisieren. «In einer auf den 4. Dezember 1291 datierten Pergamenturkunde ist das Dorf als ‹Therendingen› erstmals erwähnt», wusste Gasche an der Jubiläumsfeier zu berichten. Das Gemeindegebiet sei jedoch schon lange vorher besiedelt gewesen, wie Funde eines römischen Gutshofes belegten, relativierte er.

Gebannt verfolgten die rund 150 in der Aula anwesenden Derendinger und Derendingerinnen den virtuellen Rundgang durch das alte Dorf. Gasche präsentierte Fotos und Aquarelle aus dem Nachlass von Viktor Kaufmann, der während 50 Jahren als Lehrer geamtet hat.

Immer wieder ging ein Raunen durch die Aula, wenn die Anwesenden an frühere Zeiten erinnert wurden, als es zum Beispiel noch ein Kino im Dorf gab, die Emmenbrücke eine Eisenkonstruktion war oder die Kammgarnspinnerei ein prosperierender Arbeitgeber war.

Die wilde Emme

Silvan Freddi, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Staatsarchiv, referierte über die Emme, die das Dorf seit Anbeginn an prägte. «Die Brücke in Derendingen ist die älteste bekannte Brücke über die Emme», erzählte der Archivar. Bereits im 15. Jahrhundert sei versucht worden, den sich ständig wandelnden Flusslauf mit Wehren zu bändigen. Der Fluss hatte mannigfachen Nutzen.

Er diente zur Bewässerung, als Kraftwerk oder Transportweg. Im 18. Jahrhundert seien gar Konzessionen zum Goldwaschen erteilt worden, wusste Freddi. Mit illegalen Fischern hätten sich die Behörden schon vor 400 Jahren herumschlagen müssen. Als die Bevölkerung das Wasser als Freizeitvergnügen entdeckte, seien Bussen wegen Sittenlosigkeit und Beschädigung des Ufers ausgeteilt worden, berichtete der Historiker weiter.

In der Alten Turnhalle bestaunten die Festbesucher alte Filmdokumente, unter anderem den Aufzug der Glocken in der katholischen Kirche im Jahr 1933. Zahlreiche Fotos, aufgenommen von derselben Stelle, aber mit grossem zeitlichem Abstand, zeigten eindrücklich, wie stark das Dorf in den letzten Jahrzehnten gewachsen ist.

Grosse Projekte wagen

Gemeindepräsident Kuno Tschumi sinnierte über die Vergangenheit: «Vieles hat sich seit dem Entstehen des Dorfes geändert», stellte er fest. Nicht nur dass die Bevölkerung von rund 150 Einwohnern auf 6350 angewachsen sei. Es habe immer wieder grössere Projekte gegeben, die eine Weiterentwicklung gebracht hätten, obwohl die Bevölkerung diese zuerst oft als übertrieben verurteilte.

Tschumi spannte damit den Bogen zu den grossen Veränderungen, die das Dorf zurzeit durchmacht: Die Umgestaltung des Mitteldorfs, die Renaturierung der Emme oder die verdichtete Bauweise, die Wohnraum für die Angestellten in den neu angesiedelten Unternehmungen schaffen soll.

«Auch wenn diese Entwicklung nicht allen gefällt, wird man in zehn Jahren sagen, dass sie gut war», ist Kuno Tschumi überzeugt. «Ich freue mich auf jeden Fall auf die nächsten 725 Jahre», scherzte er.

Essen wie im Mittelalter

Die Zunft der «Herregääger» servierte den Besuchern Erbsensuppe oder Chili con Carne, altertümlich zubereitet im Kochkessel und in einer Infanteriefahrküche. Die Feuerwehr präsentierte ihre Autodrehleiter und das Tanklöschfahrzeug. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Musikgesellschaft Derendingen. Der Samichlausbesuch und die Eröffnung des Weihnachtsfensters am Schulhaus brachte vorweihnachtliche Stimmung ins Mitteldorf.