«Roots»

Anja Gysin begibt sich auf die tänzerische Suche nach den Wurzeln

Weil keine Proben möglich waren, musste die Vorführung von Anja Gysin abgesagt werden.

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Die Natur inspiriert Tänzerin Anja Gysin.

Die Natur inspiriert Tänzerin Anja Gysin.

zVg

Nach den erfolgreichen Aussenproduktionen «Die Blaue Stunde» und «Einklang» ging Tänzerin Anja Gysin für den dritten Teil der Trilogie den Wurzeln und damit dem Element der Erde nach. Ihre eigenen Wurzeln liegen in Oberdorf oberhalb von Solothurn, wo sie als Kind die Hügel und Wälder durchstreifte. Eben dort sollte die Tanzinstallation «Roots», zu Deutsch «Wurzeln» am letzten Freitag unter freiem Himmel stattfinden.

Von Rüttenen durch das Wäldchen her kommend den Höhenweg erkunden und in einem sinnlich erfahrbaren Gesamtkunstwerk die Wurzeln menschlichen Seins erforschen: Ein Klang lockt den Weg entlang, das Gebilde eines Wurzelgefechts weckt die Wahrnehmung für das uns Umgebende, die Wurzeln eines freistehenden Baumes werden von den Tanzenden nachempfunden und förmlich durch den Boden hindurch sichtbar gemacht. Beim Sonnenuntergang, die Höhe erreichend, schweift der Blick in die Ferne über das silberne Band der Aare bis hin zum Bergpanorama am weiten Horizont. Vor dem inneren Auge der Künstlerin ist alles da. Das Projekt ist weitgehend finanziert durch zahlreiche Förderer.

Die gemeinsamen Proben fanden nicht statt

Doch ein entscheidender Schritt zur Umsetzung der Produktion wurde ausgelassen: die Proben. Die inneren Bilder gemeinsam mit den Tänzerinnen und Tänzern zum Leben zu erwecken und über die körperliche Wahrnehmung und Studien den Ort in neues Licht zu tauchen, um damit die Zuschauer später mit auf die Reise zu nehmen. Der Probenprozess, der mit einem künstlerischen Konzept antizipiert und dann über stetige Variation und vertiefende Wiederholung gefestigt und manifestiert wird, ist essenziell für eine solche Produktion. Die Zeit, um den Samen der Idee zu wässern und aufzuziehen.

Ein Tanzprojekt ohne Probe ist jedoch wie ernten wollen, ohne zu säen. Stattdessen war es ein Bangen und Hoffen, ob die Proben stattfinden, ob die beteiligten Tänzerinnen und Tänzer aus den Nachbarländern überhaupt anreisen können. Wegen der Covid-19-Massnahmen waren die Einschränkungen aber zu gross und so verzichtete man auf die geplante Aufführung.

Weitere Tanzprojekte folgen schon bald

Anja Gysin lebt mittlerweile auf dem Land oberhalb von Langenthal. Dort hat sie mit ihrer Familie neue Wurzeln geschlagen und vertieft sie sich weiterhin in ihre Tätigkeit. In der Natur verfeinert sie ihre ganzheitliche Methode des Tanzes. Dabei ist eine neue Studie entstanden, in der sie den Wurzeln lauscht und diese vertiefte Wahrnehmung durch Körper und Tanz ausdrückt.

Die kreativen Prozesse finden so eine Fortsetzung und neue Projekte sind bereits in Vorbereitung: zahlreiche Tanzworkshops, eine Soloperformance mit begehbarer Klanginstallation für Winter 2020 sowie ein tänzerischer Dialog zwischen Industrieruine und Natur im Attisholz-Areal für Sommer 2021. (mgt)