Wasseramt

Autobahnausbau hatte vielerlei Folgen - auch auf das Pfarreileben

Entlang der historischen Verkehrswege sind viele Wegkreuze zu finden. Die meisten davon stehen schon lange dort, sind aber häufig undatiert.

Rahel Meier
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Undatiertes Steinkreuz an der Grenze zwischen den Kantonen Solothurn und Bern in Burgäschi.
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Wegkreuze im Wasseramt
An der alten Luzernstrasse in Aeschi: Südlich der Kirche auf der gegenüberliegenden Strassenseite steht ein Steinkreuz mit vergoldetem Kruzifix und der Jahrzahl 1885.
Wegkreuze im Zentrum von Aeschi.
Undatiertes Holzkreuz in Bolken.
Wegkreuz mit der Jahrzahl 1980 zwischen Etziken und Bolken.
Undatiertes Steinkreuz in Etziken an der Abzweigung nach Hüniken.
Etziken: Im östlichen Dorfteil ein Steinkreuz mit Metallkruzifix und den Jahrzahlen «1684», «1880» und «1982».
Undatiertes Steinkreuz am Ortsrand von Horriwil.
Oekingen: Massiges Steinkreuz von 1944 mit Marienrelief.
Undatiertes Holzkreuuz in der Zilmatten (Kriegstetten).
Undatiertes Holzkreuz im Mösli (Drei Höfe).

Undatiertes Steinkreuz an der Grenze zwischen den Kantonen Solothurn und Bern in Burgäschi.

Hansjörg Sahli

Der Bau der Autobahn A1 von Bern nach Zürich zerschnitt damals nicht nur die Landschaft im Wasseramt. Nach der Eröffnung der Strasse in den Jahren 1965 und 1966 wurden viele der katholischen Prozessionen und Bittgänge, die damals noch abgehalten wurden, endgültig aufgegeben. Zu kompliziert wurde der Weg zu Fuss von einem Ort zum anderen. Geblieben sind viele der Wegkreuze, die entlang der traditionellen historischen Verkehrswege aufgestellt wurden.

Schon seit dem 13. Jahrhundert war Kriegstetten eine eigene Pfarrei. Von 1522 bis 1577 verbot Bern aber den katholischen Gottesdienst in der Pfarrkirche, weshalb die Gläubigen via Oekingen und Horriwil jeweils in die Sankt-Michaelskapelle in Hüniken zur Messe gehen mussten. Es ist anzunehmen, dass diese Verbindung zu dieser Zeit der wichtigste Kirchweg war. Tatsächlich wird schon 1530 in Horriwil eine «gassan, so man gen Kriegstetten vardt» erwähnt. Ausserhalb des Dorfes wurde die Strasse als «Kilchwäg» nach Kriegstetten bezeichnet. An der Dorfgrenze, in Richtung Oekingen, stand schon 1713 ein Wegkreuz. Heute findet sich dort ein Steinkreuz neueren Datums.

Aeschi war damals Kirch- und Gerichtsort

Auch von Bolken und Etziken aus, ging man entweder nach Hüniken oder nach Aeschi in die Kirche. 1719 wird erstmals ein «Weg von Bolken» erwähnt. Die Strassen von Etziken nach Bolken dürfte in der heutigen Form auf einen Ausbau im 19. Jahrhundert zurückgehen. Am Strassenrand steht ein Steinkreuz von «1980» und ein Gemeindegrenzstein von «1854». Bolken gehört seit 1684 zur damals neu gebildeten Pfarrei Aeschi, wo sich auch der Gerichtsort befand. Die Ortsverbindung, die als Kirchweg und Weg ins Gericht diente, dürfte aber wie die Siedlungen deutlich älter sein. Der Weg zwischen Bolken und Aeschi, der nördlich von Bolken mit zwei Ästen an die Strasse Etziken–Inkwil anknüpft, ist kartografisch erstmals im Plan von Erb, Schwaller (1787/1816) enthalten und dort explizit als «Strasse nach Bolken» bezeichnet. Heute noch steht ein undatiertes Holzkreuz in Bolken. Tatsächlich ist bereits im Plan von Erb, Schwaller an der selben Stelle ein Wegkreuz verzeichnet.

Auch entlang der alten Luzernstrasse stehen Wegkreuze. Am auffälligsten sind sie Etziken. Dazu kommt das Kreuz vis-à-vis der Kirche von Aeschi. Wann die Verbindung Solothurn–Luzern entstanden ist, liegt im Dunkeln. Es ist aber anzunehmen, dass sich mit der Eröffnung des Weges über den Gotthard im frühen 13. Jahrhundert eine Route zwischen Solothurn und der Innerschweiz aufgebaut hat. Eine wichtige Funktion dürfte die Verbindung von Solothurn bis nach Herzogenbuchsee und Bettenhausen vor allem auch als Zubringer zur Strasse Bern–Zürich gehabt haben. Lokalhistoriker Bruno Amiet geht für das solothurnische Gebiet gar von einer römerzeitlichen Verbindung aus. So wurde 1912 in Zuchwil in einer Tiefe von einem Meter ein fester, aus Kies und Kieselsteinen bestehender Strassenkörper archäologisch gefasst und als römisch eingestuft.

In einer Urkunde von 1378 wird in Zuchwil «Yscherren ob dem Weg» erwähnt. Dies könnte durchaus als ein erster schriftlicher Hinweis auf die Luzernstrasse gedeutet werden. Konkreteres erfährt man aber erst ab dem 15. Jahrhundert, als vermehrt die Brücke über die Emme erwähnt wird. 1450 wird zum ersten Mal über den Bau einer hölzernen Emmenbrücke bei Derendingen berichtet. Im selben Jahr wird in Etziken explizit die Landstrasse erwähnt. Eine noch detailliertere Beschreibung der Luzernstrasse gibt im 18. Jahrhundert für das solothurnische Gebiet das «Mandat, wie in Ihro Gnaden Landen Die Land-Strassen In währschafften Stand gesetzt und künfftigs hin zu allen Zeiten sollen erhalten werden».

Der Streckenverlauf der Strasse ist bis heute grösstenteils erhalten. Ausnahmen bilden punktuelle Begradigungen oder Korrekturen.

Es gibt Indizien dafür, dass es sich bei der Strecke von Heinrichswil nach Aeschi um eine vor 1711 benutzte Variante der Bern–Zürich-Strasse oder um eine Variante der Verbindung Wangen an der Aare–Aeschi–Kirchberg handelt. Namentlich erwähnt ist die «Alte Bern oder Landstrass» wiederum im Plan von Erb, Schwaller . Noch später wird «Die alte Bernstrasse (Gallishöfer Hohlen)» auch in der Antiquarischen Korrespondenz aus der Gemeinde Aeschi erwähnt. Im Grenzplan von Johann Melchior Erb ist eine Verbindung von Aeschi bis ins Mösli und von dort weiter nach Winistorf enthalten. Erhalten geblieben ist das Wegkreuz im «Mösli».

Die Strecke Aeschi-Steinhof ist die Hauptverbindung vom Kanton Solothurn zur Exklave Steinhof. Im Plan von Johann Melchior Erb aus dem Jahr 1713 ist nur ein kurzes Teilstück enthalten, dieses jedoch explizit bezeichnet mit «Strass in Hoff zu Stein». Bei Burgäschi ist die Strecke auch in einem Plan von 1765 enthalten und dort als «Strass von Steinhoof nach Äschi» bezeichnet. An der solothurnisch-bernischen Grenze steht ein undatiertes Steinkreuz mit vergoldetem Korpus bei einer älteren Linde in der Weggabelung, wo das Strässchen nach Burgäschi abzweigt.

Meist aus Holz oder Kalkstein gefertigt

Die Strecke Oekingen-Hersiwil-Winistorf diente für Winistorf als Weg in die Kantonshauptstadt. Das nahe der Strasse liegende Hersiwil ist über einen Nebenweg angeschlossen. Als Kirchweg von Hersiwil nach Kriegstetten wird der nördliche Teil der Strecke bereits früh erwähnt: Im Urbar der Propstei Wangen von 1530 wird auf der Horriwiler Zelg «uff dem Ghöch» ein Stück Land erwähnt das «stost an den Kilchwäg gen Eryswil». Kartographisch festgehalten ist die Verbindung zwischen Oekingen, Hersiwil und Winistorf erstmals 1713. Später wird sie als «Strass von Herrsiwÿl», «Strass nach Seeberg» und «Strass nach Solothurn» bezeichnet. Heute noch ist bei Oekingen ein Hohlweg erhalten, der mit Bäumen und Sträuchern bestockt ist. Der Hohlweg ist wohl alt angelegt, wurde aber wahrscheinlich beim Ausbau zur Kunststrasse überprägt. Südöstlich davon steht ein massiges Steinkreuz von «1944» mit Marienrelief. Es ist von drei Birken umgeben.

Die Ortsverbindungsstrasse zwischen den beiden Dörfern Kriegstetten und Gerlafingen war zugleich der Kirchweg, denn Gerlafingen war schon vor der Reformation nach Kriegstetten kirchgenössig. Als «strass die gen Gerlafingen uff gat» wird sie 1490 erstmals erwähnt. In der Zilmatt steht ein undatiertes Holzkreuz. Ein steinernes Wegkreuz von «1838» befindet sich im Bolacker. An dieser Stelle ist bereits in einem Plan von 1713 ein Kreuz enthalten. Das Kalksteinkreuz mit Kleeblattenden und Metallkruzifix steht neben einer Linde. Es wurde von der «Geme[inde] Nie[der] Gerlofing[en]» gestiftet, deren Wappen es trägt.