Heinrichswil

«Corona, du nervst»: Gymnasiastin startet Spendenaktion für «Hilf-Jetzt»

Die 19-jährige Anastasia Gerber wollte nach der Schulschliessung Initiative zeigen und Menschen unterstützen, die in der Coronakrise auf Hilfe angewiesen sind. Sie entschloss sich, eine Spendenaktion für «Hilf-Jetzt» zu starten – eine Plattform, die freiwillige Helfer vernetzt.

Nadja Senn
Drucken
Teilen

Anastasia Gerber ist 19 Jahre alt, Gymnasiastin an der Kantonsschule Solothurn, und voller Tatendrang. Da sie die sich rasch entwickelnde Lage stets verfolgte, konnte sie nach der Schulschliessung nicht weiter tatenlos zusehen. Obwohl sie bei Verwandschaft und Nachbarn bereits ihre Hilfe bei Einkäufen angeboten hatte, wollte sie mehr tun.

So ergriff die Heinrichswilerin die Initiative und kontaktierte Hilf-Jetzt – eine Plattform, welche freiwillige Helfer vernetzt. Da sie nicht vom Bund, sondern von Privatpersonen und Stiftungen finanziert wird, startete Anastasia ihre eigene wemakeit-Kampagne, in welcher sie zu Spenden an Hilf-Jetzt aufruft. «Ich finde, dass jeder Mensch ein bisschen anpacken sollte. Wenn wir jetzt alle zusammenhalten, können wir das überbrücken.»

Die Spendenaktion läuft seit Dienstagmorgen und dauert dreissig Tage – bis am Mittwochabend kamen 170 Franken zusammen. Die erhaltenen Spenden gehen direkt bei Hilf-Jetzt ein und werden einerseits für den technischen Betrieb der Plattform, andererseits zur Lohnzahlung an die Mitarbeiter genutzt.

Hilf-Jetzt: «Zusammen gegen Corona»

So lautet das Motto des Netzwerks. Wie Alessandro Iacano, Mediensprecher von Hilf-Jetzt, auf Anfrage informiert, decken die freiwilligen Helferinnen und Helfer bereits Gebiete von mehr als fünf Millionen Menschen ab. Sie organisieren sich über WhatsApp- oder Facebook-Gruppen lokal und unterstützen Betroffene wo nötig – beim Einkaufen, bei der Medikamentenbeschaffung oder bei individuellen Problemen.

Quartierbrief und Tag der Nachbarschaftshilfe

Damit auch Betroffene ohne Internetzugang erreicht werden können, stellt die Webseite einen Quartierbrief zum Herunterladen bereit. Darauf können freiwillige Helfer ihre Telefonnummer eintragen und den Brief anschliessend in ihrem Quartier aufhängen. Wenn bei einer Kontaktaufnahme keine Hilfe geleistet werden kann, stehen die regionalen Kommunikationskanäle zur Verfügung. In einer Gruppe können beispielsweise Einkäufe für einen gesamten Wohnblock koordiniert werden.

Neben dem Quartierbrief, der sich gemäss Iacano bis anhin als Instrument bewährt hat, startet am 2. April der Tag der Nachbarschaftshilfe. Mit der Unterstützung verschiedener Organisationen – wie beispielsweise ProJuventute oder ProSenectute – soll die Nachbarschaftshilfe so auch «offline» verbreitet werden.

Gemäss Iacano zählt die Plattform bereits über 900 lokale Gruppen, in welchen sich mehr als 100'000 Menschen für die Nachbarschaftshilfe einsetzen. Eine Umfrage bei den Gruppen von Hilf-Jetzt habe ergeben, dass bereits rund 26'000 Hilfeaktionen über das Netzwerk durchgeführt worden seien. «Natürlich gibt es aber auch Menschen, die sich ohne eine Registrierung auf Hilf-Jetzt für die Nachbarschaft einsetzen. Wir gehen folglich auch von einer recht grossen Dunkelziffer aus», erläutert Iacano.

Zur Entstehung

Obwohl das am 13. März von drei Deutschschweizern lancierte Projekt auf der Basis von Freiwilligenarbeit beruht, reicht die bedingte Zeitkapazität für das Stemmen des rasch anwachsenden Projektes nicht aus. Damit die Plattform weiterhin aufrechterhalten werden kann, wurden vorerst bis am 19. April fünf Teilzeit-Mitarbeitende an Bord geholt. Die Idee ist, dass die Webseite im Falle einer Verlängerung des Ausnahmezustands auch weiterhin, solange von Nöten, aufrechterhalten werden kann. Iacono hofft, dass die zusammenkommenden Spenden dafür ausreichen werden.

Und genau dies will Anastasia mit ihrer Spendeaktion bewirken. So schliesst sie in ihrem Video mit dem Aufruf, zusammenzuhalten: «Damit sich das Netzwerk von Hilf-Jetzt schneller verbreiten kann und mehr Menschen tatkräftig mithelfen können, braucht es finanzielle Unterstützung. Mit Ihrem Beitrag würden Sie einen grossen Teil dazu beitragen. Lasst uns in diesen schweren Zeiten zueinander halten und beweisen: Zusammen sind wir stark!»