Lommiswil

Gemeinde will Privatstrasse kaufen – doch Besitzer gibt sich stur

Die Gemeinde Lommiswil will eine Privatstrasse kaufen, die ein neues Gewerbegebiet erschliesst. Doch der bisherige Besitzer, ein Gäuer Gemeindepräsident, will sie nicht verkaufen. Ein unschöner Streit schwelt schon lange.

Urs Byland
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Im Hintergrund ist rechts das Wohnhaus und links der westliche Teil der Reithalle ausgesteckt zu sehen. Im Vordergrund die Privatstrasse, die als Erschliessungsstrasse vorgesehen ist und um die eine unschöne Auseinandersetzung zwischen den Besitzern mit der Gemeinde schwelt.

Im Hintergrund ist rechts das Wohnhaus und links der westliche Teil der Reithalle ausgesteckt zu sehen. Im Vordergrund die Privatstrasse, die als Erschliessungsstrasse vorgesehen ist und um die eine unschöne Auseinandersetzung zwischen den Besitzern mit der Gemeinde schwelt.

Urs Byland

Die Zeiten, in denen der Staat, oder im Fall von Lommiswil, die Gemeinde gemolken werden soll, sind nicht vorbei. Das Kalb, das vergoldet werden soll, ist eine gut 60 Meter lange, gut ausgebaute Privatstrasse (Grubenstrasse), die heute ins Nichts führt. Früher donnerten Lastwagen über die Strasse zur nahen Kiesgrube, die ausgebeutet und bereits wieder renaturiert wurde. Die Besitzer der Privatstrasse hätten sich eine goldene Nase mit dem Überfahrrecht verdient, wissen manche Lommiswiler. Nun soll die Strasse offenbar nochmals Profit abwerfen, denn die Gemeinde möchte diese kaufen, um das Gewerbegebiet in der Neumatt zu erschliessen.

Pikant ist, dass einer der Besitzer der Privatstrasse, gebürtiger Lommiswiler, ein Gemeindepräsident aus dem Gäu ist. Er war sich nicht zu schade, mit einem Rechtsberater an der Informationsveranstaltung der Familie Wittwer-Rix zu ihrer geplanten Reithalle aufzutauchen.

Mit anwesend im Sitzungszimmer in der Dorfhalle waren zirka 60 Personen, unter ihnen auch die Gemeindepräsidentin Erika Pfeiffer. An der Veranstaltung ging es eigentlich um das Familienprojekt einer Reitanlage im Neumatt-Gebiet. Östlich vom Bahnhof, nördlich vom Bahntrassee ist noch eine Gewerbezone ausgeschieden.

Zwischen der mindestens 40 Meter entfernten Wohnzone und dem Gewerbegebiet befindet sich ein Acker. In der ersten Bauphase will die Familie Wittwer-Rix noch in diesem Jahr einen Stalltrakt, eine Trainings- und Ausbildungshalle sowie ein Wohnhaus bauen. Der Stalltrakt besteht aus 20 Pferdeboxen. Alle Pferdeboxen haben einen 8×3 Meter grossen Auslauf, womit sie den modernen Anforderungen der Pferdehaltung gerecht werden sollen.

Wirtschaftlich wichtige Halle

Zum Stalltrakt wird eine 60×30 Meter grosse Trainings- und Ausbildungshalle erstellt, die im First 8 Meter hoch ist. Die Halle bekommt einen speziellen Reitboden, für den Reining Sport. Das ist eine Disziplin im Westernreiten, die ihren Ursprung in der Arbeit mit dem Rind hat. «Für das Reining ist es von Vorteil, wenn die Halle lang und breit ist», erklärt Manuela Rix. So können mehrere Pferde in den einzelnen Disziplinen des Reining Sports trainiert werden. Eine Halle sei aber auch wirtschaftlich wichtig, um die auszubildenden Pferde ganzjährig trainieren zu können.

Mit dem Neubau der Reitanlage will die Bauherrschaft ihre etablierte Pferdezucht sowie die Haltung von Amerikanischen Quarter Horses ausbauen. Zusätzlich entsteht damit ein Pferdeausbildungs- und Pensionsbetrieb. Aktuell ist die Familie Wittwer-Rix im Biberhof in Biberist einquartiert. Dies in einer Übergangsphase. «Wir hatten einen Bauernhof im Bernischen. Der wurde aber zu klein und eignete sich nicht mehr für unsere Pferdezucht, eben weil im Winter kaum trainiert werden konnte», berichtete René Wittwer. In einer zweiten Phase sollen weitere 20 Pferdeplätze im östlichen und südöstlichen Teil der Reithalle errichtet werden. Hinzu kommt noch eine Führanlage für Pferde. Die Reitanlage soll mit diversen Angeboten auch der Dorfbevölkerung dienen, wird aber hauptsächlich für die Ausbildung der Pferde sowie der Pferde von Kunden genutzt.

Immer giftiger

In der folgenden Runde wurden zuerst einige Fragen geklärt, wie die der Frequentierung dieser Anlage, der Geruchsemissionen oder auch des Verkehrs. Bald aber wurden die Fragen am an und für sich informativen und von der Familie sympathisch organisierten Anlass giftiger. Ein, zwei Personen verliessen gar die Veranstaltung zur allgemeinen Verwunderung unter Protest. Schon im Vorfeld der Veranstaltung, gleich nach der Publikation des Baugesuches, gelangten in einer konzentrierten Aktion SMS an die Redaktion, in denen sehr negativ über die Anlage geschrieben wurde.

An der Veranstaltung ging es dann in der Fragerunde bald einmal um die Frage, welche einige der anwesenden Personen vor allem drückte, und diese hatte mit der Reitanlage selber wenig zu tun: die Erschliessung. Obwohl diese Frage eigentlich nicht Thema des Anlasses hätte sein sollen, wie eingangs Gemeindepräsidentin Pfeiffer noch ausdrücklich erklärte. «Das ist eine planungsrechtliche Frage und betrifft die Baute nicht.»

Zur oben genannten Privatstrasse schwelt seit längerem ein Streit zwischen den Besitzern und der Gemeinde, die bisher wenig Anstalten machte, diese Strasse zu übernehmen. Nun sei die Situation eine andere, erklärte die Gemeindepräsidentin. Die Privatstrasse sei im Plan der Gemeinde als Erschliessungsstrasse ausgewiesen. Letzten Endes könnte die Gemeinde, sollte man sich mit den Besitzern nicht über den Kauf einigen können, die Strasse enteignen. Die Besitzer der Strasse wiederum sehen möglicherweise ihre Felle bachab gehen. Denn die Privatstrasse ist auf Landwirtschaftsland gebaut. Wert gleich null.