Nennigkofen
Im Schweinestall entstehen ausdrucksstarke bildhauerische Werke

Atelierbesuch bei Philippe Sandoz in Nennigkofen, der seine Kunstwerke ohne vorheriges Skizzieren gestaltet.

Agnes Portmann-Leupi
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Philippe Sandoz an der Arbeit in seinem Atelier.

Philippe Sandoz an der Arbeit in seinem Atelier.

zvg

Eine bemerkenswerte Umnutzung hat der Schweinestall im Kulturhof Weyeneth in Nennigkofen erfahren. Darin entstehen seit drei Jahren faszinierende Skulpturen aus Steinrohblöcken: Marmor, Granit, Kalk, Sandstein oder manchmal auch aus ganz einfachen Flusssteinen. Im weiss getünchten Raum hat Philippe Sandoz sein Steinbildhaueratelier eingerichtet. Unzählige Werkzeuge liegen für die Arbeit griffbereit auf dem Tisch – Spitzeisen, Zahneisen, Meissel und Schleifmaterialien in x Variationen, von Hand oder maschinell einsetzbar, Stockhämmer mit pyramidenförmigen Zähnen, Hämmer. Fehlen dürfen hier Gesichtsmaske und Gehörschutz nicht.

In Arbeit hat der 37-jährige Kunsthandwerker einen weissen Peccia-Marmorblock aus dem Maggiatal, dem einzigen Marmorsteinbruch der Schweiz. Was einmal daraus entsteht, ist völlig ungewiss. «Ich beobachte den Stein genau, meistens hat er eine gute Standfläche», lässt Philippe Sandoz in sein Metier blicken.

Er skizziert nichts im Vorfeld und setzt den Bleistift ebenso wenig auf dem Stein ein. Die Rohblöcke wachsen während des Arbeitsprozesses, beginnend mit verschlungenen, kantigen, runden Inhalten und endend in abstrakten, ausdrucksstarken Skulpturen. Sie harmonieren in sich, ob mit rauer, glatter oder gestockter Oberfläche. Die verschiedenen Oberflächenbehandlungen bringen interessante Farbnuancen zum Ausdruck. Ein effektvolles Zusammenspiel von Rost und Stein zeigen die auf einem Rostsockel stehenden Skulpturen. Im Moment ist eine Auswahl der Werke in der Galerie Pierre in Solothurn zu bestaunen.

Eine nachhaltige Begeisterung

Seine Leidenschaft für die Bearbeitung von Steinen entdeckte der in Lüterkofen wohnende Philippe Sandoz bereits in der Schulzeit. In der Steinerschule Schlössli in Ins belegte er das entsprechende Freifach. Nach Schulende absolvierte er vorerst eine Zimmermannslehre und arbeitete rund fünf Jahre in diesem Beruf.

Die Liebe zu den Steinen liess ihn aber nicht mehr los. Vorerst autodidaktisch und schliesslich in verschiedenen Kursen an der Steinbildhauerschule Peccia im Tessin und im Campo dell’Altissimo im italienischen Bergdorf Azzano. Motivation und nimmermüdes Kreieren ist dort beinahe garantiert. Ganz in dessen Nähe eröffnet sich nämlich der Blick in die weltberühmten Marmorsteinbrüche von Carrara.

Ausstellung «Werke in Stein» bis 20. Februar 2016 in der Galerie Pierre, St. Urbangasse 45, Solothurn. Öffnungszeiten: Do. und Fr., 14 bis 18 Uhr, Sa., 14 bis 17 Uhr.

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