Aufgaben

Kirchgemeinde Lüsslingen gibt das Begräbniswesen an die Gemeinden ab

Die Kirchgemeinde Lüsslingen will sich künftig auf ihre Hauptaufgaben konzentrieren und gibt das Begräbniswesen ab. Dieses wird von Lüsslingen-Nennigkofen und Lüterkofen-Ichertswil übernommen.

Rahel Meier
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Der Friedhof von Lüsslingen-Nennigkofen.

Der Friedhof von Lüsslingen-Nennigkofen.

Hanspeter Bärtschi

Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts sind die Einwohnergemeinden in der Schweiz laut Gesetz für das Begräbniswesen zuständig. Nicht so in Lüsslingen-Nennigkofen und in Lüterkofen-Ichertswil. Bis heute übernimmt die Kirchgemeinde Lüsslingen dort diese Aufgabe.

«Das ist historisch gewachsen und war für uns immer selbstverständlich», erklärt Irene Isch-Hofer (Kirchgemeindepräsidentin). Bis in die 1970er-Jahre finanzierte die Kirchgemeinde auch die Friedhöfe selbst. In den folgenden Jahren übernahmen die Einwohnergemeinden einen Anteil und seit 1994 die ganzen Unterhaltskosten. Das Begräbniswesen blieb aber weiterhin bei der Kirchgemeinde und wurde in einer Vollzugsvereinbarung geregelt. «Zu dieser Zeit war immer noch ein Grossteil unserer Bevölkerung reformiert, und dem damaligen Kirchgemeinderat erschien diese Lösung logisch.»

Für die Einwohner verändert sich nichts

In den letzten Jahren hat aber auch die reformierte Kirche Mitglieder verloren. «Unsere Steuereinnahmen gehen zurück. Wir haben immer mehr Ausgaben und immer weniger Einnahmen. So begannen auch wir nach Sparpotenzial zu suchen», erklärt Isch weiter. Man gelangte deshalb an die Einwohnergemeinden und suchte nach Unterstützung. «Wir stellten uns eine engere Zusammenarbeit vor», so Isch. «In Lüsslingen-Nennigkofen hat der Gemeinderat sehr schnell reagiert und uns angeboten, künftig das Begräbniswesen zu übernehmen», so Isch.

Das heisst im Klartext: Stirbt ein Einwohner, müssen sich die Angehörigen künftig an die Einwohnergemeinde wenden. Diese regelt den gesamten Schriftverkehr und alles rund um das Begräbnis. Die Betreuung des Friedhof geht ebenfalls komplett in die Verantwortung der Einwohnergemeinden über. Wichtig für die Einwohnerinnen und Einwohner sei allerdings nur eines. «Es verändert sich genau genommen nichts.» Nur die Rechnung für die Beerdigungen komme künftig von der Einwohnergemeinde und nicht mehr von der Kirchgemeinde, meint Irene Isch.

Auch Ort der Begegnung

Für Irene Isch ist ein Friedhof auch ein Ort der Begegnung. Oft treffe man sich beim Giessen der Gräber. «Auch unternehmen regelmässig ältere Personen aus der Gemeinde einen Spaziergang zum Friedhof, um das Grab eines Angehörigen zu besuchen, und ruhen sich vor der Rückkehr dann auf einem Bänkli aus.»

Der Friedhof in Lüsslingen wurde übrigens erst vor rund 100 Jahren am heutigen Ort errichtet. Vorher wurden die Toten rund um die Kirche in Lüsslingen bestattet. Tatsächlich findet man heute noch bei Grabungen für Leitungen oder beim Strassenbau Skelette. Erst im letzten Jahr hat die Archäologie mehrere Skelettfunde dokumentiert. «Es ist anzunehmen, dass schon vor rund 1000 Jahren Tote rund um die Vorgängerbauten der heutigen Kirche in Lüsslingen bestattet wurden», meint Irene Isch dazu. (rm)

Land gehört seit langem der Kirchgemeinde

Die Verantwortlichen der reformierten Kirchgemeinde Lüsslingen haben danach damit begonnen, Nachforschungen anzustellen. So haben sie herausgefunden, dass die Grundstücke, auf dem die beiden Friedhöfe liegen, schon lange von der Kirchgemeinde erworben worden waren. Dasjenige in Lüsslingen vor mehr als 150 Jahren, das in Lüterkofen vor bald 90 Jahren. Das ist insofern wichtig, als der Friedhof in Lüsslingen künftig verpachtet wird, und die Gemeinde einen Pachtzins zahlt. «Der Gemeinderat hat umfassende Abklärungen getroffen. Aufgrund diverser Gegebenheiten und weil wir in den letzten Jahren viel investiert haben, war es letztlich keine Option, das Grundstück zu kaufen», erklärt Gemeindepräsidentin Susanne Rufer.

In Lüterkofen hingegen möchte der Gemeinderat das Grundstück mitsamt dem Friedhof kaufen. «Wir haben das im Gemeinderat eingehend diskutiert, und die Mehrheit war der Meinung, dass ein Kauf für die Einwohnergemeinde die bessere Lösung ist, da ein Kauf längerfristig hinsichtlich Planung optimaler erscheint. Es ist uns klar, dass dieses Grundstück in absehbarer Zeit nicht anderweitig genutzt werden kann. Ein Friedhof ist immer ein Friedhof», erklärt Reto Allemann (Ressortverantwortlicher Gemeinderat Lüterkofen-Ichertswil).

Keine Unterschiede zwischen Konfessionen

Dass die Einwohnergemeinden das Begräbniswesen übernehmen, habe auch Vorteile, so Isch. «Für Angehörige von Katholiken oder Personen, die aus der Kirche ausgetreten sind, war es manchmal befremdend, dass sie sich nach einem Todesfall bei der reformierten Kirchgemeinde oder direkt bei der Pfarrerin melden mussten.» Obwohl die Kirchgemeinde Lüsslingen beim Begräbniswesen nie einen Unterschied zwischen Reformierten und Katholiken oder Konfessionslosen gemacht habe. «Es kam auch hin und wieder vor, dass ein katholischer Pfarrer eine Abdankung in unserer reformierten Kirche gehalten hat.»

Der Aufwand, den die Einwohnergemeinden neu mit dem Begräbniswesen haben, hält sich in Grenzen. Durchschnittlich gibt es gesamthaft für beide Gemeinden um die 15 Begräbnisse pro Jahr. Das bestätigt auch Reto Allemann: «In unserer Gemeinde gibt es jährlich tatsächlich nicht allzu viele Todesfälle. Beim Melde- und Inkassowesen werde ein gewisser Mehraufwand entstehen. Ebenfalls werden bei der Bau- und Werkkommission gewisse planerische Aufgaben anfallen», erklärt er.

Mehraufwand nur ungefähr abschätzbar

Auch in Lüsslingen-Nennigkofen kann man den künftigen Mehraufwand nur ungefähr abschätzen. «Es geht vor allem um die Koordination zwischen allen Beteiligten, die Führung des Sterberegisters, die Gräberkontrolle und natürlich das gesamte Rechnungswesen in Zusammenhang mit dem Bestattungs- und Friedhofswesen», meint Susanne Rufer. Die Bau- und Werkkommission werde ebenfalls neu die Aufsicht über den Friedhof übernehmen. Der Unterhalt der Anlage und der Gräber werde wie bis anhin vom Friedhofsgärtner übernommen.

«Mit der neuen Regelung können wir uns nun neu auf unsere Kernaufgaben im seelsorgerischen Bereich konzentrieren», erklärt Irene Isch abschliessend.

Hinweis

In Lüsslingen-Nennigkofen hat die Gemeindeversammlung das Bestattungs- und Friedhofreglement samt Gebührenregulativ bereits genehmigt. In Lüterkofen-Ichertswil wird das Geschäft an der Gemeindeversammlung am Montag, 30. November, traktandiert.