Balmberg

Seit 50 Jahren ist Hans Küpfers Skischule in der Region legendär

Auf dem Balmberg haben Unzählige Ski fahren gelernt. Unter anderem bei Hans Küpfer, einem der ersten Skilehrer in der Region. Das Jubiläum zeigt aber nicht nur die Sonnen-, sondern auch die Schattenseiten des Schneesports der vergangenen Jahrzehnte.

Urs Byland
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Mitte der 70er-Jahren: Unterhalb der Röti haben sich die Skilehrerin und Skilehrer um Hans Küpfer (Mitte) postiert. zvg
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50 Jahre Skischule Hans Küpfer auf dem Balmberg
Das Rebellchen war der erste Kinderski vollständig aus Plastik. Fotos: uby

Mitte der 70er-Jahren: Unterhalb der Röti haben sich die Skilehrerin und Skilehrer um Hans Küpfer (Mitte) postiert. zvg

Der Skiort Balmberg bereitet Sorge. Nicht irgendwem, sondern Mister Balmberg selber. Hans Küpfer ist ein Pionier des Skitourismus auf dem Balmberg, seine Skischule neben dem Kurhaus legendär. Hier haben in den letzten über 50 Jahren unzählige Kinder und Erwachsene das Skifahren gelernt. Von Grund auf instruiert von Hans Küpfer, einem der ersten zertifizierten Skilehrer aus der Region.

Küpfers Sorge hat möglicherweise weniger mit dem Skitourismus auf dem Balmberg, als mit seiner Skischule und seinem Skiverleih zu tun. Er ist 70 Jahre jung. Eine Nachfolge für sein Gesamtwerk in der Skihütte hinter dem Kurhaus wird nicht einfach zu finden sein. Die Präsenz, die er auf dem Berg geboten habe, sei in Zukunft schwer zu bewältigen. «Jeder dritte oder vierte kommt heute ohne Material hoch. Da muss ich den Skiverleih offen haben. Auf der Website ist schliesslich angegeben, dass auf dem Berg Skis gemietet werden können. Die Leute telefonieren nicht vorher, sie kommen.» Als Angestellter hatte er ein Abkommen mit seinem Arbeitgeber. Und als Küpfer vor 20 Jahren sein eigener Chef mit einem kleinen Unternehmen wurde, musste er nur noch sich selber Rechenschaft über seine Absenzen geben und konnte so seine Skischule und den Skiverleih nebenbei betreiben.

Der Verleih ist das Sorgenkind

Dass sein Werk auf dem Berg gefährdet sein könnte, habe ihm seine kürzlich durchgemachte Grippe gezeigt. «Zum Glück hatte ich sie nicht in den Sportferien. Wir hätten im grössten Chaos schliessen müssen.» Nicht wegen der Skischule, sondern wegen dem Skiverleih. «Den kann ich niemandem übergeben.» Skibindungen stellt er auf dem Berg sofort und zu jeder Zeit manuell ein. In seinem Skihaus sind Skis, Schuhe und Boards akkurat aufgereiht. Das Einstellen der Bindung brauche jahrelange Erfahrung und genaue Kenntnisse. «In den 50 Jahren, in denen ich das mache, hatte ich viel Glück und kaum einen Unfall.» Dennoch will er festgehalten haben, dass er weiterhin Skischule und Skiverleih offen halte und die Zukunft plane. Dies sei vor allem auch möglich dank der grossen Unterstützung seiner Familie.

Balmberger durch und durch

Hans Küpfer ist nicht der Typ Mensch, der sein Wirken an die grosse Glocke hängen will. Der Balmberger brauchte etwas Anstoss, das 50-Jahr-Jubiläum seiner Skischule an die Öffentlichkeit zu tragen. Das Elternhaus im Gebiet Krüttliberg liegt auf der Nordseite des Berges. Zur Schule ging er im Schulhaus auf dem Balmberg, wo heute Flüchtlinge untergebracht sind. Im Winter trug er die Skis hoch und schnallte sie nach der Schule unter die Füsse für die Heimfahrt. «In der halben Stunde Pause sind wir zur Röti hochgelaufen und einmal runtergefahren.»

Als junger Erwachsener begann er zusammen mit einem erfahrenen Kollegen den Gästen Skifahren beizubringen. «Gleich neben dem Kurhaus steckten wir einige Stangen bis zur Strasse hinunter aus und zeigten, wie man Slalom fährt.» Beim Tannenheim wurde eine kleine Sprungschanze aufgebaut. «Das war eine Attraktion für die Gäste. Die Sprünge gingen 20, 30 Meter weit und bei jedem dritten Sprung brach ein Ski. Es waren halt nicht Sprungskis.» Deutsche Touristen und Kurgäste, von den Spitälern zur Genesung auf den Balmberg geschickt, waren seine ersten Kunden. Süssigkeiten oder auch mal ein Fünfliber waren Lohn für Küpfers Bemühungen. Mitte 60er-Jahre kam ein Hotelier aus Zweisimmen als Pächter ins Kurhaus, der früher auch Skischulleiter war. Mit dem Hotelier eröffnete Küpfer 64/65 eine Schweizerische Skischule. «Das gabs im ganzen Jura nicht.» Hans Küpfer liess sich in den ersten zwei Jahren in Unterwasser und Arosa zum Skilehrer ausbilden. «Ich war ein Exot. Alle anderen kamen aus dem Berner Oberland, dem Wallis oder dem Bündnerland. Das war nicht einfach.»

Postkurs und Berglift

Über 20 Hoteliers habe er im Kurhaus erlebt, berichtet Hans Küpfer. Auch der Hotelier aus Zweisimmen blieb nicht lange und Küpfer musste das Geschäft alleine weiterführen. Aber nicht mehr als Schweizer Skischule, weil das zu teuer gewesen wäre. Küpfer gründete 66/67 die Privatskischule Balmberg. Der Tourismus hatte inzwischen Fuss gefasst. Gründe waren die Postbusverbindung und der erste Skilift, der 63/64 von den drei Balmbergpionieren Othmar Sterki (Günsberg), Fritz Kurth und Ernst Ryf (beide Attiswil) aufgestellt wurde. «Der lief im ersten Winter nicht einen Tag. Es fiel kein Schnee.»

«Wir hatten nur erwachsene Skischüler. Heute ist das ja umgekehrt.» An Abendkursen oder in Einzellektionen vermittelte er sein Wissen weiter. Im Angebot standen auch Spezialkurse wie Tiefschneefahren, Akrobatik oder Kurzschwingen (Wedeln). Langriemenbindung, Kandahar- oder Flexbindung waren damals vor den ersten einfachen Sicherheitsbindungen en vogue. Hans Küpfer bot zudem Langlauf auf dem Berg an, der auf einer beleuchteten Loipe, unterhalten vom Skiclub Günsberg, erlernt werden konnte. Zum Skibetrieb gehörte der Rettungsdienst, den Hans Küpfer viele Jahre führte. Die höchste Herausforderung brachte jener Skitag, als gleich zwölf Unfälle zu bewältigen waren.

Acht Skilehrer zu Spitzenzeiten

In seinem Fotobuch ist eine Abbildung von ihm zu sehen als junger Skilehrer mit einem Ski der Thuner Marke Rebell. Auf einem anderen Foto (siehe oben) steht er auf den Skis unterhalb vom Rötikreuz, eingerahmt von einer Kollegin und Kollegen. Im Gegensatz zu ihnen schützt der Leiter der Skischule seine Augen mit einer Skibrille. Seine Skijacke trägt er elegant mit Hüftgurt. Hans Küpfer konnte in den Spitzenzeiten nicht alleine die Skischule betreiben. Teilweise waren bis zu acht Skilehrerinnen und Skilehrer auf der Piste.

Zwischen 1965 und 1970 stellte Hans Küpfer seinen ersten Wohnwagen neben das Kurhaus, in dem er sein Skimaterial lagern konnte. Das gescheiterte Projekt einer Vogelvoliere eines weiteren Hoteliers kam Küpfer zugute. Kurz nach dem Bau der Voliere war der Hotelier schon wieder weg. Hans Küpfer konnte das Volierenhaus käuflich erwerben. Er gestaltete es zum Skihaus für die Skischule um und erweiterte in den folgenden Jahren.

Weniger Skiklubs

«Die Skilifte laufen mit viel Goodwill der Besitzer, wenn mal grössere Investitionen anstehen, ist ein weiteres Engagement nicht einfach gesichert», sagt Hans Küpfer, der seit 45 Jahren in Zuchwil lebt. Die umliegenden Skiklubs finde man auch nicht mehr regelmässig auf dem Berg. «Früher kamen bis zu fünf Klubs auf den Balmberg. Das hat sich sehr, sehr verändert hier oben.» Vielen sei der Berg zu wenig. «Das zieht nicht mehr.» Die Schneeunsicherheit bewirke, dass die Klubs ihre Weekends oder Rennen weit voraus an schneesicheren Destinationen buchen. «Die Klubs müssen planen können. Sie können nicht spontan terminieren, wie ich es hier eigentlich jahrelang gemacht habe. Gerade in den letzten drei Wintern war es extrem.»

Die Zukunft des Skibergs Balmberg ist ungewiss. Viel hängt vom Klima ab. Denn liegt Schnee, dann kommen die Leute. Eltern mit ihren Kindern, Erwachsene, die zum ersten Mal auf Skis stehen wollen. Fast wie eh und je. Hans Küpfer nickt.

Sportanlagen Balmberg AG: Herzblut fliesst auf dem Balmberg weiterhin

Hans Küpfer rühmt die Zusammenarbeit auf dem Balmberg zwischen Skiliftbetreiber und der Skischule. Aber seine Sorge um den Schneesport auf dem Berg wird vom Verwaltungsratspräsidenten der Sportanlagen Balmberg AG etwas relativiert. Guido Sterki (Sterki Bau AG) verweist auf seine Kinder und die Kinder der Familie Kurth, die wie er weiterhin Herzblut für den Balmberg fliessen lassen würden. «Für uns ist es wichtig, dass auf dem Berg Ski gefahren werden kann.» Er sei weiterhin bereit, auch künftig die Anlagen à jour zu halten. Wenn nicht die Natur etwas anderes vorhat. Zu erwähnen seien sicher die milderen Winter oder die Geologie des Berges. So kam der Hang beim 1970 erstellten Skilift Röti im Jahr 2013 ins Rutschen. Hang- und Liftsicherung hätten eine Investition von 300 000 Franken erfordert. Zu viel für das Unternehmen, auch weil Bundesgelder für Skigebiete unter 1500 Meter nicht vergeben werden. Der Skilift Röti wurde abgeschaltet.
Die anderen Lifte werden aber auch in den nächsten Jahren betrieben. Denn sie seien nicht nur ein Verlustgeschäft. «Natürlich braucht es Schnee. Wichtig ist vor allem, dass die Leute schon im Dezember Ski fahren können.» Das fehlte diesen Winter. Offen waren die Lifte gleich nach Weihnachten, aber auch nur bis 2. Januar. Mitte Januar kam es zu einem Sturmschaden. Ein Baum fiel auf die Skiliftkabel. Immerhin zahlte laut Guido Sterki die Versicherung an den Schaden. Wiedereröffnung war dann am Mittwoch vor den Sportferien. «Der Andrang in den Sportferien war toll», berichtet Sterki. «Die Leute schätzen es nach wie vor, wenn ihre Kinder auf dem Jura Ski fahren lernen können.» Was ihn aber besonders ärgere, sei die anhaltende Kurhaus-Misere. Dieses ist seit längerer Zeit geschlossen. (uby)