IT-Strategie

Linux-Arbeitsoberfläche wird gelöscht

Kanton kehrt zu Windows-Desktop zurück – ergänzt mit Open-Source-Programmen Informatik-Strategie. Alle Computer werden im nächsten Jahr wieder auf eine Windows-Arbeitsoberfläche umgerüstet.

Marco Zwahlen
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Jetzt muss der Pinguin sein Revier teilen Kanton

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Solothurner Zeitung

Statt nur das lizenzfreie Betriebssystem Linux auch Microsoft-Produkte – so die neue, den Tatsachen angepasste IT-Strategie des Kantons, die der Regierungsrat von Experten im Laufe dieses Jahres zur Kenntnis nehmen musste und abgesegnet hat (wir berichteten). Gestern hat das Amt für Informatik und Organisation (AIO) alle Angestellte über erste Massnahmen informiert.

Flächendeckend Microsoft-Outlook

Als Ersatz für das untaugliche E-Mail-Linux-System Scalix wird Microsoft Outlook 2010 eingeführt. Und: Die erst 2009 eingeführte Linux-Arbeitsoberfläche (Desktop) der Computer weicht flächendeckend einem Windows-Desktop, ergänzt mit Open-Office-Programmen (writer, calc, impress) für Innenbeziehungen in der Verwaltung. Den Bedürfnissen der Dienststellen entsprechend und gestützt auf einen Kriterienkatalog kann dieser Desktop mit Microsoft Office 2010 (Winword, Excel, PowerPoint) ergänzt werden. «Dazu wird das AIO in den nächsten Monaten bei jedem Amt die IT-Anwendungen überprüfen und optimieren», erklärt Urs Hammel, Departementscontroller Finanzdepartement, auf Anfrage. Dazu bedarf es auch zusätzlicher Projektleiter: «Die Stellen werden bald ausgeschrieben.»

Auf Outlook soll voraussichtlich im ersten Halbjahr 2011 auf den Windows-Desktop im Laufe des Jahres 2011 umgerüstet werden. Stand heute wird auch die Geschäftskontrolle Ambassador per 2011 eingeführt. Vorausgesetzt, die linuxbasierte, aber betriebssystemneutrale Datenbank kommt bis dann auch bei der Bearbeitung von Regierungsratsbeschlüssen zum Laufen. Die Einführung von Ambassador ist zwingend. Das Vorgängerprodukt Konsul wird auf einer sehr veralteten Systemumgebung (Windows NT 4 und Office 97) betrieben.

Als organisatorische Lehre der fehlgeschlagenen Linux-Strategie wird zudem mittelfristig das zu lange allmächtige AIO umgebaut: «Die übergeordnete Führungsstruktur wird unter die Lupe genommen», so Hammel.

Zusatz- und Nachtragskredit folgt

Mit diesen Massnahmen erübrigen sich die meisten Fragen des Auftrages der kantonsrätlichen Geschäftsprüfungskommission, den der Regierungsrat gestern behandelt hat. Mit einer Ausnahme: Die Kostenfolgen sind erst Ende Oktober klar. Dank Linux sollen in den letzten Jahren pro Jahr Lizenzgebühren in Höhe von 1 bis 1,5 Mio. Franken eingespart worden sein. «Dies wird nun überprüft», so Hammel. Ob es echte Einsparungen oder nur aufgeschobene Investitionen sind, wird sich zeigen.

Explizit ausgeklammert sind die Kostenfolgen im IT-Globalbudget 2011–2013 und in der erstmaligen IT-Investitionsrechnung 2011–2014. Beides musste die Regierung im Zuge des Voranschlages 2011 gestern verabschieden. In der Investitionsrechnung enthalten sind laufende Grossprojekte für 17,5 sowie Kleinprojekte für 14,5 Mio. Franken (7,1 Infrastruktur, 7,4 Mio. Franken Dienstleistungen). Die Regierung stellt dem Kantonrat nun im Zuge der Anpassung der IT-Strategie einen Zusatz- und Nachtragskredit in Aussicht. Für Transparenz wird neu also gesorgt – auch gegenüber den Kantonsangestellten: Das AIO wird periodisch über Neuerungen informieren.