Gedenkausstellung

Arthur Wiss, ein Maler der Talschaft Erlinsbach

Eine Gedenkausstellung 60 Jahre nach dem Tod von Arthur Wiss (1895–1955) rückt den Menschen und Künstler in den Blick.

Ruth Grossenbacher-Schmid
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Arthur Wiss: Selbstporträt (Öl, 41×35 cm, unsigniert).

Arthur Wiss: Selbstporträt (Öl, 41×35 cm, unsigniert).

Rolf Grossenbacher

Arthur Wiss hat nach Studien in Paris und Basel zeitlebens, neben seiner beruflichen Tätigkeit, gemalt. Mit seinen Bildern trat er nie an die Öffentlichkeit, nie gab es eine Ausstellung mit seinen Werken. Nur seine Familie, seine Verwandten und Freunde, denen er seine Bilder schenkte, wussten von seinem künstlerischen Schaffen und seinem Können.

Lithograf, Landwirt, Magaziner, Gemeinderat – und Maler

Arthur Wiss kam 1895 auf dem Bauernhof Breite in Niedererlinsbach zur Welt. Nach der Lehre als Schriftlithograf besucht er die Kunstgewerbeschule in Basel und arbeitet im Malatelier Andres in Paris. Später erfolgt eine Ausbildung zum Landwirt an der Landwirtschaftsschule Steingrube in Solothurn. Nach den Lehr- und Wanderjahren in verschiedenen Gutsbetrieben im Raum Solothurn heiratet er 1929 die Erlinsbacherin Emma Gisiger, Adoptivtochter von Josef Gisiger und Marianne Buser. Danach Einzug in das Haus der Schwiegereltern an der Hauptstrasse in Niedererlinsbach (heute steht dort die Bushaltestelle Dorfplatz). Zwei Kinder, Marie und Franz, werden geboren.

Arthur Wiss: Dorfplatz Erlinsbach SO – Schmitte, Dorfbrunnen und das abgerissene Zollhaus(Öl, 47×38 cm, unsigniert).

Arthur Wiss: Dorfplatz Erlinsbach SO – Schmitte, Dorfbrunnen und das abgerissene Zollhaus(Öl, 47×38 cm, unsigniert).

Rolf Grossenbacher

Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Magaziner in der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Gösgen mit Zweigstelle in Erlinsbach und seinen zeitaufwändigen öffentlichen Ämtern als Gemeinderat, Vormund und Präsident der Anbaustelle (Plan Wahlen) bleibt das Malen seine grosse Leidenschaft. 1955, erst 60-jährig, stirbt Arthur Wiss während der Arbeit an einem Herzschlag.

«Altes Schuelhüsli» als idealer Ausstellungsort

Seit Jahren wurde in Erlinsbach immer wieder von einer Ausstellung «Wiss» gesprochen. Aber niemand packte das Projekt an. Es war dann Rosmarie Buser-Neef, durch Heirat eine entfernte Verwandte der Familie Wyss, die mit einem konkreten Vorschlag kam. Nämlich eine Ausstellung in den Räumen des ehemaligen «Buser-Lädeli», das in ihrem Besitz ist, zu organisieren. Ein sechsköpfiges Ausstellungsteam wurde zusammengestellt, darunter ein Enkel des Malers, Beat Wyss. Mit dem Einverständnis der Nachkommen von Arthur Wiss, die Kontakte zu Besitzern und Besitzerinnen von Wiss-Bildern vermittelten, machte sich das Team an die Arbeit. Bald stellte sich heraus, dass die Räumlichkeiten des «Buser-Lädeli» flächenmässig nicht genügten.

Die Alternative, die Ausstellung im gemeindeeigenen «Alten Schuelhüsli» durchzuführen, erwies sich als Glücksfall. Denn damit war dem Team die Zusammenarbeit und die Unterstützung der Gemeindebehörden sicher.

Porträts, Landschaftsbilder und Dorfansichten

Dann kam die Hauptaufgabe, das Einholen der Bilder. Spontan sagten die Besitzer und Besitzerinnen zu, ihr Bild, ihre Bilder für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Ohne Auflagen, sondern mit grosser Freude. Sie machten auf weitere Besitzer aufmerksam. Gegen 100 Ölbilder und Aquarelle von 30 Leihgebern sind so zusammengekommen. Eindrückliche Selbstbildnisse, Porträts, Landschaftsbilder aus der Talschaft Erlinsbach und der näheren Umgebung, Blumenbilder, Dorfansichten und Winterbilder von höchster Qualität werden an der Ausstellung zu sehen sein. Oft haben sich die Ausstellungsmacher(innen) gefragt, wie es Arthur Wiss neben seiner beruflichen Tätigkeit, seinen Aufgaben in der Gemeinde wie auch als Familienvater nach dem frühen Tod seiner Frau geschafft hat, ein so grosses Werk zu hinterlassen.

Ein kompromissloser Mensch – beim Malen und im Leben

Erfreut stellte das Team fest, dass die Besitzer und Besitzerinnen sehr an ihren Bildern hängen und dass ihnen Arthur Wiss auch als Mensch viel bedeutet hat. Er wird als eigenständiger, aufrechter und kompromissloser Mensch beschrieben, der seinen Weg ging. Auch in künstlerischer Hinsicht. So konnte er sich weder mit dem Kubismus noch mit der Abstraktion anfreunden. Und als der Regierungsrat 1942 verfügte, alle Wyss (Wiss) aus Fulenbach, dort war Arthur heimatberechtigt, hätten sich die Schreibweise Wyss anzueignen, blieb er sich selber treu. Er blieb beim Wiss. Seinen Kindern befahl er aber, sich der neuen Schreibweise anzupassen.

An der Gedenkausstellung wird Arthur Wiss, 60 Jahre nach seinem Tod, als Mensch und als Künstler im Mittelpunkt stehen.

Das Ausstellungsteam: Beat Wyss, Rosmarie Buser-Neef, Martin Buser, Maja Baumann, Rolf und Ruth Grossenbacher