Aus Niederämter Sicht
Am Rande

Antje Kirchhofer-Griasch
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Manuela Jans-Koch

Neulich war ich mit meinem Mann spazieren an der Aare zwischen Aarau und Schönenwerd. Direkt am Ufer gibt es schöne Fusswege und es ist herrlich, dort im Frühling die erwachende Natur zu beobachten. Was für ein Glück, dieses Naherholungsgebiet direkt vor der Haustüre zu haben!

Besonders gefällt mir für meine Spaziergänge das Auwäldchen «Grien» bei Erlinsbach. Nicht zum ersten Mal habe ich neulich erlebt, dass sich beim längeren Gehen bei mir ein innerer Dialog über Äusseres eingestellt hat. Konkret über äussere Verschmutzungen. Das erste «Papierli», aus Plastik natürlich, ignoriere ich, als nächstes sehe ich eine Hygienemaske im Gras.

Je mehr Abfall ich auf und neben meinem Weg bemerke, desto mehr habe ich das Gefühl, dass ich ihn aufheben und mitnehmen sollte. Dann denke ich, ja, aber wo finde ich einen Kübel zum Entsorgen und ist der Müll vielleicht dreckig und folglich meine Hände nachher auch? Das ist hier doch ein Naturschutzgebiet! Ich müsste nächstes Mal ein Säckli mitnehmen. Liegt nicht zu Hause sogar eines mit einer kleinen Bambus-Zange, genau für diesen Zweck? Wie heisst das noch, das habe ich doch erst kürzlich irgendwo gelesen?

Ja, Plogging, ein schwedischer Trend zu joggen und dabei Müll aufsammeln. Da geht ja sicher auch ohne Joggen und auch im Niederamt, denn Joggen ist so gar nicht meins. Nächstes Mal nehme ich das Säckli mit! Während ich so meinen inneren Dialog führe, habe ich den einen oder anderen Güsel links oder rechts bereits liegen gelassen. Das geht doch so nicht…

Während wir gemütlich weiter spazieren, verlassen wir das Grien Richtung Aare-Weg. Mein Blick fällt auf einen langen Erdwall am Rand eines Feldes. Darin, unübersehbar, jede Menge Plastik. Ui, denke ich, da nützt ja alles Plogging nichts. Wo kommt der viele Müll her? Das verteilt sich ja vermutlich alles, wenn es windet. Ich nehme mir vor, an der Sache dran zu bleiben.

Zu Hause schreibe ich ein paar Mails, weil es mich doch sehr wundernimmt, worum es sich handelt. Ich habe Glück und bekomme Antwort und erfahre: Es handelt sich um eine Feldrandkompostierung und beim Plastik um sogenannte Fremdstoffe aus der Grüngutabfuhr. Bei der Feldrandkompostierung entsteht aus dem gesammelten Grüngut von umliegenden Gemeinden wertvoller Kompost direkt auf dem Feld.

Ich erfahre auch, dass die Bauern, die am Rand ihrer Felder so kompostieren, bei jedem Wenden Plastikmüll aussortieren müssen, um am Schluss so wenig wie möglich Fremdstoffe im wertvollen Kompost zu haben. Was für eine Arbeit! Da ist das Auflesen von ein paar «Papierli» beim Spazieren ein Klacks dagegen. Plogging, das nimmt mich dann auch noch wunder und der Duden verrät es mir, kommt von «jogging» und dem schwedischen Wort «plocka», was «auflesen» bedeutet.

Im Grunde ist es zweimal dasselbe Problem mit einer einfachen Lösung: Was gar nicht erst in der Natur landet, muss auch nicht aufgesammelt oder aussortiert werden. Es könnte so einfach sein. Abfall gehört in den Kübel, unterwegs nicht in die Landschaft und zu Hause nicht in den Komposteimer.

So bleibt es an der Aare schön! Ich nehme mir fest vor, nächstes Mal schon vor dem Spazieren an das Säckli samt Zange zu denken. Vielleicht fällt jemandem mal ein Nastuch oder ein «Papierli» aus dem Hosensack, kann ja mal passieren. Das lese ich doch einfach auf und ich könnte das Ganze dann «splocken» nennen. Vielleicht wird diese Aktivität aus spazieren und «plocka» ja auch zu einem nützlichen Trend.

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