Aus Niederämter Sicht
Aus der Ferne

Thomas Vogt
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Die mexikanische Flagge.

Die mexikanische Flagge.

Mirko Stange

Zurzeit weile ich weit weg von der Schweiz, von Europa und vom Krieg in der Ukraine. Es hat mich wieder einmal nach México verschlagen, wo in diesen Tagen eine Oldtimer-Veranstaltung – die Rally Maya 22 – stattfindet.

Mit Philipp, einem guten Freund, der vor sechs Jahren hierher auswanderte, und unserem fahrbaren Untersatz, einem 69-er Dodge Dart, sind wir auf Zeitenjagd. Doch dieser Anlass ist eine andere Geschichte. Nur so viel: Am ersten Tag sind wir gegen Mittag bereits mit einem Schaden am Alternator in der Pampa stehen geblieben.

Schon mal hier, versuche ich einen Vergleich zwischen meinem Heimatkanton Solothurn und dem Bundesstaat Quintana Roo auf der Halbinsel Yucatán anzustellen. Dieser östlichste Teil Méxicos erstreckt sich an der karibischen Küste vom nördlich gelegenen Cancún bis zur Hauptstadt Chetumal an der Grenze zu Belize. Der obere Teil des etwa 400 Kilometer langen Küstenstreifens wird auch Riviera Maya genannt.

Zugeben, der Vergleich scheint etwas gesucht, doch dieser Bundesstaat mit einer Fläche von rund 43000 Quadratkilometer ist ziemlich gleich gross wie die Schweiz. Er macht aber nur 2 Prozent der Fläche Méxicos aus, so wie etwa unser Kanton in der Schweiz.

Eine weitere Gemeinsamkeit habe ich in der Temperatur entdeckt. 32 Grad hüben wie drüben, auf jeden Fall in den letzten Tagen! Allerdings ist es hier permanent so heiss. Sich zudem an die hohe Luftfeuchtigkeit zu gewöhnen, ist für mich ein schwieriges Unterfangen. Das Dauerschwitzen ist ebenso Begleiter, wie der permanente Durst, wobei ich mit letzterem locker umgehen kann.

Doch zurück zum Vergleich; während in Quintana Roo knapp 1,9 Millionen Menschen wohnen (in ganz México sind es 126 Millionen), leben in unserem Kanton 280’000 Personen. Das Bevölkerungswachstum in den letzten zehn Jahren liegt bei uns gerade bei 10 Prozent. Im mexikanischen Bundesland – mit den schönsten Stränden – wuchs die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 45 Prozent.

Interessante Unterschiede gibt es auch in der Beschäftigungsstatistik. In unserem Industriekanton ist noch ein Drittel der Beschäftigten im primären oder sekundären Sektor tätig. In der mexikanischen Karibik gibt es kaum Industrie, von grossen Bauunternehmen mal abgesehen.

Der grösste Teil der Bevölkerung ist vom Tourismus abhängig. Ausserdem lässt der karge und unfruchtbare Boden kaum landwirtschaftliche Nutzung zu. Es gibt noch ein paar weitere wissenswerte sowie interessante Informationen zu Quintana Roo. So ist der grösste Teil mit Regenwald bedeckt, mit Ausnahme der Küstengebiete. Obschon die Landschaft gefühlt topfeben ist, erhebt sich der höchste Berg auf eine Höhe von 230 Meter und heisst «Cerro El Charro», was so viel wie Reiterhügel bedeutet.

Wussten Sie, dass Cancún übersetzt Schlangennest heisst? Das kommt mir auch tatsächlich ab und zu so vor. Das Highlight für mich bilden jedoch die unzähligen Cenoten (es müssen tausende sein). Cenote bedeutet in der Sprache der Maya «heiliger Quell» und es sind natürliche Einstiege in Grotten, welche an der Oberfläche von Süsswasser umgeben sind und dann in der Tiefe ins Salzwasser übergehen.

Es sind natürliche Trinkwasservorkommen, welche schon die Mayas genutzt haben. Viele dieser Karsthöhlen sind nicht öffentlich und weder zugänglich noch erforscht. Hingegen bieten die erschlossenen eine willkommene Abkühlung im meist kristallklaren Wasser. Viele dieser wassergefüllten Grotten sind unterirdisch miteinander verbunden und bilden riesige See- und Flusssysteme.

Das grösste bekannte bilden die beiden Cenoten «Sac Actun» (weisse Höhle) und «Dos Ojos» (Zwei Augen). Sie sind mit 226 weiteren Cenoten an der Oberfläche verbunden. Mit einer Gesamtlänge von 372 Kilometer ist es das längste bekannte Unterwasser-Höhlensystem der Welt, und beherbergt auch den «Blue Abyss» mit einer Tiefe von fast 120 Metern. Zeit abzutauchen.

Thomas Vogt ist Geschäftsführer der Vogt AG in Lostorf, wo er auch lebt.