JurAlphorn

Das gemeinnützige Alphorn aus Trimbach begeistert

In der Schreinerei «die werkstatt» in Trimbach wird das neue «JurAlphorn» hergestellt.

Kelly Spielmann
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Udo Schäfer (links) und Dimitri Hauswirth mit ihrem «JurAlphorn» in der Schreinerei «die werkstatt».

Udo Schäfer (links) und Dimitri Hauswirth mit ihrem «JurAlphorn» in der Schreinerei «die werkstatt».

Bruno Kissling

«Als ich zum ersten Mal ein Alphorn in den Händen hielt, schlug mein Schreinerherz höher», erzählt Udo Schäfer, Schreinermeister der «werkstatt» in Trimbach und Hobbymusiker. Sofort wusste er: So etwas will er auch bauen - nur besser. Und das, obwohl er noch nie in seinem Leben Alphorn gespielt hat. «Früher habe ich Trompete gespielt, aber ansonsten hatte ich keinerlei Erfahrung», so Schäfer.

Auch sein Mitarbeiter Dimitri Hauswirth kommt eigentlich aus einer anderen Musikszene. Er ist E-Bassist in einer Rockband. Trotzdem konnten sich die beiden Schreiner schnell für das Instrument begeistern und steckten viel Herzblut in das Projekt. «Ein wichtiger Grund, neben der grundsätzlichen Begeisterung für den Alphornbau, ist, dass uns das Instrument in unserer täglichen Arbeit mit Menschen viele Möglichkeiten eröffnet», erklärt Schäfer.

Soziale Institution in Trimbach

«die werkstatt» gehört zur sozialen Institution WG Treffpunkt. Die dort 80 angestellten Mitarbeiter helfen Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen dabei, einen geregelten und möglichst selbstständigen Tagesablauf zu führen. Die «WG Treffpunkt» bietet vier Dienste an: Sozialtherapeutisches stationäres Wohnen, Tagesstätten, berufliche Integration und ambulante Begleitung. Die Standorte des betreuten Wohnens sind Trimbach, Hauenstein, Wisen und Luterbach. Geschäftsführer der Institution ist Michael Häfeli.

Als Unternehmen der «WG Treffpunkt» ist «die werkstatt» Teil einer sozialen Institution, die Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen beruflich integriert. Unter Betreuung arbeiten rund acht Teilnehmer in der Schreinerei mit. «Es ist uns wichtig, dass diese Menschen an einem Projekt arbeiten können, das sinnvoll ist», so der Schreinermeister. Mit dem Alphorn haben sie dieses Produkt gefunden.

Ein langer Weg zum Ziel

Von der Idee bis zum fertigen Alphorn war der Weg für das Team jedoch ein langer. Ohne Grundlagenwissen über das Instrument haben sich die beiden an das Projekt gemacht. «Wir haben Fachliteratur beschafft und Youtube-Videos angeschaut», erklärt Hauswirth. «Es war ein klassisches Learning by doing», fügt Schäfer grinsend an. Ihr erstes Alphorn hatten sie nach einem halben Jahr vollendet. Die Rückmeldungen dazu waren jedoch noch alles andere als euphorisch.

Berufsmusiker äusserten sich zum ersten Alphorn kritisch, und so wussten die beiden, dass dieses überarbeitet werden musste. Als nach weiteren Versionen noch immer kein zufriedenstellendes Ergebnis zu verzeichnen war, holten sie Rainer Egger, Instrumentenbauer in Basel, mit ins Boot. «Rainer Egger hat uns mit seinen Berechnungen extrem geholfen. Diese haben dazu geführt, dass unser jetziges Alphorn über eine so gute Intonation verfügt», erläutert Schäfer.

So konnte der nächste Versuch gestartet werden: «Als Berufsmusiker Martin Roos das neu berechnete Instrument zum ersten Mal testete, fühlte ich mich wie ein Schüler vor einer wichtigen Prüfung», lacht Udo Schäfer. Als der Musiker dann von der leichten Spielweise begeistert war und erfreut feststellte, wie gut es sich bläst, schlug das Herz des Schreinermeisters sofort höher.

Auch das Suchen nach dem richtigen Namen für das Kunstwerk dauerte seine Zeit. Schliesslich hat aber die Doppeldeutigkeit des Namens «JurAlphorn» überzeugt – die Herkunft ist darin enthalten, und auf Englisch ausgesprochen entsteht ein persönlicher Aspekt. Das Besondere am neu gestalteten «JurAlphorn» ist die gestufte und im Handrohrbereich sehr schlanke Mensur. Dies sei auch der Grund für die leichte Ansprache. «Wir hoffen, damit besonders Anfänger für das Alphorn begeistern zu können. Wenn man anfängt, ein Instrument zu spielen, das so schwierig ist, sind die ersten Erfolge für die Motivation besonders wichtig. Da will man nicht jeden Tag stundenlang üben müssen, bis der erste Ton rauskommt», erklärt Hauswirth.

Er spricht aus Erfahrung: Der junge Schreiner hat vor einem Monat selber begonnen, das Spielen des Instruments zu erlernen. Schreinermeister Schäfer übt hingegen schon seit zwei Jahren fleissig und legt sogleich in der Werkstatt eine kleine Performance hin. Die Freude am Instrument und die vielen investierten Stunden des Übens sind deutlich spürbar.

Präzises Handwerk

Für die Herstellung eines Alphorns investieren die Schreiner ungefähr vierzig Arbeitsstunden. Die Fertigung ist, im Gegensatz zu einigen anderen Alphornbauern, nicht automatisiert, sondern manuell. «Wir haben keine Maschinen, in die wir ein Stück Holz geben und ein fertiges Alphorn kommt raus. Wir arbeiten sehr präzise und von Hand», sagt Schäfer.

Mittlerweile haben sie schon zwölf Alphörner hergestellt und verkaufen sie für 3200 Franken. Interessenten haben sie schon einige. Für ihr Horn betreiben sie trotzdem kaum Werbung. «In der Alphornwelt kennt jeder jeden. Da verbreitet sich eine Neuigkeit wie unser «JurAlphorn» von selbst, wie ein Buschfeuer», so Schäfer.

Was die Schreiner motiviert, sei die Begeisterung der Kundschaft. «Wenn wir sehen, dass die Leute an unserem Instrument Freude haben, weckt dies auch unsere Leidenschaft. Die positiven Rückmeldungen motivieren uns, weiter am «JurAlphorn» zu arbeiten», so Hauswirth. Schäfer fügt hinzu: «Das perfekte Alphorn gibt es nicht. Es kann immer noch besser werden, und diese Herausforderung wollen wir annehmen.»