Niederamt
Die wichtigste Gestalt im Glauben: «Uns verbindet mehr, als uns trennt»

Beim dritten interreligiösen Spaziergang zeigt sich, wie nah sich die Religionsstätten auch räumlich sind.

Gülpinar Günes
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Im Sikh-Zentrum in Däniken werden die Teilnehmer des interreligiösen Spaziergangs verköstigt.

Im Sikh-Zentrum in Däniken werden die Teilnehmer des interreligiösen Spaziergangs verköstigt.

Markus Müller

Die wichtigste Gestalt/Persönlichkeit des Sikhismus, Buddhismus, Islams, Judentums und des Christentums: Dieser Frage ging man beim diesjährige interreligiösen Spaziergang im Niederamt auf den Grund. Obwohl die Frage durch die verschiedenen Kulturzentren in Däniken und Gretzenbach führte, stand doch der Austausch der Teilnehmer untereinander im Mittelpunkt. «Uns verbindet mehr, als uns trennt – je besser wir einander kennen, desto kleiner werden die Vorurteile oder gar die Ängste», erklärt Wieslaw Reglinski, Pastoralraumpfarrer Däniken, Dulliken, Gretzenbach, Schönenwerd und Walterswil.

Gestartet wurde um 9.30 Uhr in der reformierten Kirche in Däniken. Trotz des nassen und kalten Wetters fanden sich bereits dort gut bis zu 60 Teilnehmen ein: Jung und Alt jeglicher religiösen Überzeugung. Zunächst sprach als Vertreter der reformierten Kirche Pfarrer Daniel Müller und stellte Jesus von Nazareth als die wichtigste Persönlichkeit des Christentums vor. Anschliessend betonte Wieslaw Reglinski als Vertreter der katholischen Kirche zusätzlich die Wichtigkeit der Mutter Maria und ihre Vermittlerrolle zwischen der Welt und Gott. Danach hiess es wieder ab in die Kälte in Richtung römisch-katholische Kirche.

Ein Gefühl von Indien

«Im Judentum ist die wichtigste Persönlichkeit kein Mann und keine Frau, sondern das Wort «Gott» selber.» Die Vertreterin des Judentums hielt sich in ihrer Erklärung eher kurz, gab allerdings dem Klang der hebräischen Bezeichnungen für Gott viel Raum. Die Zuschauer lauschten aufmerksam jeder Silbe. Ganz im Gegensatz zu den klaren Worten der vorherigen Referenten führt sie zum Schluss weiter aus: Im Judentum heisse es, Gott sei «das seiende Sein – ein Sein das ist, das war, das sein wird.»

Danach ging es weiter ins Sikh-Zentrum Gurdwara in Däniken. Unterwegs bot sich wieder die Gelegenheit für Gespräche. «Ich habe die Sikhs als Religion erst vor drei Jahren an diesem Spaziergang kennengelernt», erzählt eine Teilnehmerin, die zum dritten Mal am Interreligiösen Spaziergang dabei ist. Die Leute schätzen vor allem die Tatsache, dass sie die Gelegenheit bekommen, einen Einblick in die Kulturzentren und die Religionen erhalten.

Knapp zehn Minuten später erreichte die Gruppe das Sikh-Zentrum. Obwohl man nur einen Kilometer gelaufen war, hatte man das Gefühl auf dem indischen Subkontinent gelandet zu sein: Alle Besucher erhielten am Eingang eine orange Kopfbedeckung und waren auf ein kleines indisches Apéro eingeladen. Die Teilnehmer besammelten sich im Gemeinschaftsraum auf dem Erdgeschoss und genossen Köstlichkeiten aus der Küche. Anschliessend wurde man gebeten, ein Stock höher in den Gebetsraum zu gehen, wo eine Gruppe von drei Männern mit kleinen Trommeln und Orgeln wohl ein Gebet sangen. In der Mitte des Raumes stand ein goldiger Altar. «Das heilige Buch ist da drauf», teilte Wieslaw Reglinski mit. Es sei die wichtigste «Person» im Glauben der Sikhs. Und als solche wird sie auch behandelt: Die Besucher durften in einem Raum hinter des Gebetsraumes das «Nachtbett» des Buches besichtigen.

Die schlimmste Sünde im Islam

Unweit vom Sikh-Zentrum befindet sich das buddhistische Thai-Zentrum Wat Srinagarindravararam in Gretzenbach. Durch das weisse Tor betrat man eine bunt verzierte Welt, die vollkommen Buddha gewidmet ist. Bevor allerdings der Vertreter des Buddhismus sich zu Wort melden durfte, erfuhren die Teilnehmer von der wichtigsten Persönlichkeit im Islam: der Mensch selbst. «Ein Menschenleben ist so viel wert, wie die gesamte Menschheit», erläuterte der Vertreter der islamischen Religion. Einem Menschen das Herz zu brechen, sei im Islam eines der schlimmsten Sünden, dessen Vergebung nur in der Hand des Menschen liege, der verletzt wurde.

Im Anschluss begleiteten die Besucher Siddhartha Gautama, die zentrale Persönlichkeit des Buddhismus, auf seiner Reise in die Erleuchtung und Erkenntnis. Laut seiner Lehre müsse man nur aus dem Schlaf des Nicht-Erkennens erwachen, um die Antwort auf das menschliche Leiden zu finden: «Sie war schon immer da, sie musste nur erkannt werden.» Am Ende lud der Pfarrer auf ein Apéro bei der römisch-katholischen Kirche in Gretzenbach ein.