Sturmschaden

Gericht glaubt der Versicherung — nicht "Sabine" war am Einsturz einer Mauer schuld

Der Sturm "Sabine", der im Februar über die Schweiz fegte, soll im Niederamt eine Bruchsteinmauer zum Einsturz gebracht haben. Die Gebäudeversicherung mochte das den Liegenschaftsbesitzern aber nicht glauben und weigerte sich, den Schaden zu übernehmen. Zu Recht, wie jetzt das Verwaltungsgericht entschieden hat.

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Sturm Sabine machte auch vor Bäumen nicht Halt. (Archivbild)

Sturm Sabine machte auch vor Bäumen nicht Halt. (Archivbild)

Leserreporter

Am 10. Februar fegte der Sturm «Sabine» über die Schweiz, im Kanton Solothurn mit vergleichsweise glimpflichen Folgen. Ein schwerer Schaden: eine teilweise eingestürzte Bruchsteinmauer bei einer Liegenschaft im Niederamt. Sagen jedenfalls die Besitzer. Es habe wohl eine Böe mit einer Geschwindigkeit um die 100 km/h auf die Mauer eingewirkt, ihre im Haus wohnhafte Mutter sei um drei Uhr morgens durch den Krach herabfallender Steine aus dem Schlaf geweckt worden.

So kann es kaum gewesen sein, sagte aber die Gebäudeversicherung. Das Sturmtief habe nicht morgens um drei, sondern in den späteren Morgenstunden gewütet, zum Schadenszeitpunkt seien im Raum Gösgen keine Windspitzen gemessen worden, die zum Einsturz der Mauer hätten führen können. Der Schaden sei eher über die Jahre durch Nässe und diverse Witterungseinflüsse entstanden. Will heissen: Es liegt kein Elementarschaden im Sinne des Gesetzes vor, sondern eher ein Fall von mangelhaftem Unterhalt. Die Versicherung zahlt nicht, wie sie die Eigentümer am 14. Februar wissen liess.

Wann ist ein Sturm ein Sturm?

Man wurde sich nicht einig. Eine Begutachtung durch einen unabhängigen Ingenieur konnte nicht mehr stattfinden, da die einsturzgefährdete Mauer bereits provisorisch wiederhergestellt worden war. Der Fall landete schliesslich beim Verwaltungsgericht, nachdem die Hausbesitzer darauf bestanden, dass «Sabine» ihre Mauer zum Einsturz gebracht haben muss und von der Gebäudeversicherung eine beschwerdefähige Verfügung verlangten. Und das Gericht hat offenbar der Fassung der Gebäudeversicherung mehr geglaubt – Beschwerde abgewiesen. Auch die Richter bezweifeln, dass im vorliegenden Fall der Sturm «Sabine» einen Elementarschaden im Sinne des Gesetzes verursacht haben kann, für den die Gebäudeversicherung hätte aufkommen müssen.

Im Urteil wird auf die Definition verwiesen, wann von einem schweren Sturm zu sprechen ist: Ein schwerer Sturm, der Bäume bricht und grössere Schäden an Häusern verursacht, wehe ab einer Windgeschwindigkeit von 89 km/h (mittlere Geschwindigkeit in 10 Metern Höhe). In besagter Nacht sei bei der wahrscheinlich am nächsten gelegenen Messstation aber nur ein Mittel von 56,2 km/h und eine Spitze von 93,2 km/h gemessen worden.

Die in der näheren Umgebung gemeldeten Schäden hätten sich denn auch auf verschobene oder heruntergefallene Ziegel beschränkt, wird im Urteil weiter ausgeführt. An der Liegenschaft mit der eingestürzten Mauer waren hingegen keine Schäden an Ziegeln entstanden. Somit sei «weiter anzunehmen, die 160 Jahre alte Mauer sei schlecht unterhalten worden», urteilt das Gericht.

Den Schaden zu schnell repariert

Zu dem für eine Steinmauer doch recht beachtlichen Streitwert von «bis anhin» über 91'000 Franken (einige Rechnungen seien in diesem Betrag noch nicht enthalten, so die Beschwerdeführer) haben die Hausbesitzer nun auch noch für Verfahrenskosten von 1'000 Franken aufzukommen. Sie hatten die Mauer bereits komplett ab- und neu aufbauen lassen, bevor die Haftungsfrage geklärt war.

Ein Fehler, wie das Gericht rügt: Den Beschwerdeführern sei bekannt gewesen, dass nach einer Schadensanzeige keine Veränderung vorgenommen werden darf, welche die Feststellung der Schadensursache erschweren könnte. Und es sei auch nicht erstellt, dass eine Instandstellung der Mauer mit höchster Dinglichkeit habe erfolgen müssen. (mou)