Schönenwerd

«Innerhalb von zwei Jahren fertig gebaut»: Seit 80 Jahre ist die Kirche Mariä Himmelfahrt ein Teil des Dorfes

Zum 80-jährigen Bestehen der röm.-kath. Kirche Mariä Himmelfahrt in Schönenwerd gibt die Kirchgemeinde eine Festschrift heraus.

Lorenz Degen
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Der Kirchenraum strahlt Ruhe aus.

Der Kirchenraum strahlt Ruhe aus.

Bruno Kissling

«Ohne Siegfried Wicki wäre Schönenwerd wohl 1938 nicht zu einer neuen römisch-katholischen Kirche gekommen», ist Markus Hunn überzeugt. Pfarrer Wicki (1901-1968) verstand es, einen Neubau anstelle der so genannten «Notkirche» in die Wege zu leiten, da die Stiftskirche im Kulturkampf an die Christkatholiken überging .

«Innerhalb von zwei Jahren wurde der Bau realisiert. Das wäre heute nicht mehr möglich, da hätte man noch nicht einmal die Baubewilligung», meint Hunn lachend. Der Präsident der römisch-katholischen Kirchgemeinde Schönenwerd hat zusammen mit Christian von Arx und Peter Baumann die Festschrift «80 Jahre Kirche Mariä Himmelfahrt Schönenwerd 2018» herausgegeben, die diesen Sommer erschienen ist.

So sieht die Kirche Mariä Himmelfahrt von aussen aus. (Archivbild Jahr 2015)

So sieht die Kirche Mariä Himmelfahrt von aussen aus. (Archivbild Jahr 2015)

Verena Fallegger

Der Arbeitsaufwand, die diese sehr sorgfältig edierte und mit einzigartigem Archivmaterial angereicherte Publikation mit sich brachte, überraschte alle Beteiligten: «Für ein Erscheinen am exakten Datum vor zwei Jahren waren wir zu spät dran.» Denn Hunn wie von Arx haben ehrenamtlich in ihrer Freizeit daran gearbeitet. Die Gestaltung, die Bildredaktion und die Produktion übernahm Peter Baumann. Gedruckt wurden 400 Exemplare.

Zuvor war die Geschichte der Kirche gar kein Thema: «Das 75-jährige Jubiläum haben wir schlicht vergessen», erklärt Hunn, warum eine eher ungewöhnliche Jahreszahl den Grund für die Festschrift bildete. Für den Leiter des Alter- und Pflegeheimes im Park war wichtig, nicht bis zum hundertsten Bestehen der Kirche im Jahre 2038 zuzuwarten: «Jetzt sind noch Leute da, die etwas erzählen können, die sich erinnern und auch Fotos besitzen.»

Gerade die Fotos machen die Festschrift zu einem ganz besonderen Zeitdokument. Der Baumeister Matteo Frascoli (1879-1947) hat ein Fotoalbum angelegt, in dem die alte Notkirche, deren Abriss, der Neubau und die Einweihung bildlich festgehalten sind. Ob Frascoli oder ein professioneller Fotograf die Aufnahmen erstellte, ist unklar. Nach seinem Tod kam das Album in das Archiv des Pfarramtes, wo es über ein halbes Jahrhundert vor sich hin schlummerte.

Das schlichte Kirchenschiff wurde im Lauf der Zeit auch künstlerisch ausgeschmückt. So werden die fünf von Armin Hofmann gestalteten Rundfenster (1975) und die 15 Stationen des Kreuzweges von Sr. Maria Caritas Müller (1982) anschaulich beschrieben. Zehn Wortmeldungen von Mitgliedern der Kirchgemeinde werfen einen Blick in die (utopische) Zukunft bis 2038. Ob die Kirche dann noch steht, ist offen. Ein Beitrag plädiert für eine Umnutzung in ein Senioren-Wohnheim.

Hinweis:

Die Festschrift «80 Jahre Kirche Mariä Himmelfahrt Schönenwerd» kann beim Sekretariat bezogen werden: Schmiedengasse 49, Schönenwerd, Tel. 062 849 11 77, Email: schoenenwerd@niederamtsued.cht. Die Festschrift wird Interessierten gratis abgegeben, eine Spende an eine karitative Institution ist erwünscht.

Das gerettete Glasfenster aus der Notkirche

In der reich bebilderten Festschrift sind viele historische Daten und Abläufe festgehalten worden. Aber auch Anekdoten haben darin Platz gefunden. Eine solche aus der Feder von Verena Widmer beschreibt, wie ein Glasfenster aus der Notkirche vor der Zerstörung gerettet wurde:

Fritz Widmer (1924–2015) sah als Bub den Bauarbeitern beim Abbruch zu. Die sechs grossen Glasfenster standen zum Abtransport bereit. Ein kleines jedoch landete beim Schutt. Die Bauarbeiter sagten zu Fritz, er solle es doch mitnehmen, wenn es ihm gefalle. Zu Hause reinigte er es und versorgte es auf dem Kasten. Bei allen Umzügen kam es mit. Fritz Widmer wollte es bei sich in eine Wand einpassen, fand dann aber ein «Profanhaus» nicht passend dafür. Als er in der Zeitung vom 60-jährigen Jubiläum der Pfarrei las, überkam ihn der Wunsch, es der Kirchgemeinde zu schenken. Im Pfarrheim erhielt es einen neuen Standort. Wo sich die anderen sechs Fenster heute befinden, ist unbekannt. Ein Architekt, der sich als Besitzer ausgab, konnte nicht identifiziert werden. (ld)