Olten/Trimbach

Nach Feierabend ins Bienenhaus: Zwei Trimbacherinnen sorgen für das Wohl von Bienenvölkern

Zu Besuch bei den Trimbacher Imkerinnen Liselotte Züllig und Beatrice Emmenegger-Züllig anlässlich des Weltbienentages. Die beiden Frauen pflegen Bienenvölker in Trimbach und Olten.

Alexis Strähl
Drucken
Teilen
Die Imkerinnen Beatrice Emmenegger und Liselotte Züllig bei ihrem Bienenhaus
12 Bilder
Es heisst Honigtraum und befindet sich am Fustligweg in Olten
Wer mit Bienen umgeht, muss sich schützen
Die Imkerinnen im Innern des Häuschens. Jede Woche wird kontrolliert, ob es den Bienen gut geht und ob sie genug Platz haben.
Rauch besänftigt die Bienen
Bienenhaus Honigtraum in Olten
Auf der Wabe tummeln sich die Bienen.
Ihnen fehlen immer mehr Pflanzen. «Es gibt zu viele geputzte Gärten und Steingärten», sagt Liselotte Züllig.
Das Ergebnis der Arbeit: Das fertige Glas mit eigenem Honig
Den Honig verkaufen die Imkerinnen an den Oltner Märkten, via Milchexpress und Bekanntenkreis.

Die Imkerinnen Beatrice Emmenegger und Liselotte Züllig bei ihrem Bienenhaus

Patrick Lüthy

Liselotte Züllig hebt den Deckel des Kastens an und nimmt den Honigraum heraus. Sofort wird das Gesumme im Bienenhäuschen unterhalb des Säliwalds in Olten lauter. An diesem Samstagmorgen interessieren sich Liselotte Züllig und ihre Schwester Beatrice Emmenegger-Züllig von der Imkerei «Honigtraum» aber nicht für den Honig, sondern für die Bienen, die in den Rahmen darunter eifrig bei der Arbeit sind. «Wir kontrollieren jede Woche, ob es den Bienen gut geht und ob sie genug Platz haben», erklärt Emmenegger-Züllig. Wenn die Königin nämlich keinen Platz mehr hat, um Eier zu legen, bereitet sich das Volk fürs Schwärmen vor. Ein Teil des Volks zieht dann mit der alten Bienenkönigin an einen neuen Ort weiter.

Während sich Imker das ganze Jahr über mit den Bienen beschäftigen, haben die kleinen Tiere am internationalen Weltbienentag vom Mittwoch, 18.Mai einen besonderen Platz in der breiten Wahrnehmung. Die Bienen leiden unter dem Rückgang der Pflanzenarten, welche lebenswichtigen Pollen und Nektar liefern. Ohne Bienen werden Pflanzen nicht bestäubt, die für die Nahrungsmittelversorgung der Menschen zentral sind. Dafür will der Bienentag sensibilisieren.

Mit dem Film «More Than Honey» des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof im Jahr 2012 stieg die Aufmerksamkeit für diese Problematik stark an. Das merkten auch die beiden Schwestern, die sich in diesem Jahr zum zweijährigen Imker-Grundkurs anmelden wollten. «Wir haben erst gemerkt, wie gross das Interesse an der Imkerei ist, als alle Kursplätze in dem Jahr schon ausgebucht waren», erzählen die beiden. Bei ihnen weckte eine Bekannte das Interesse am Imkern. Seit Frühling 2014 halten sie Bienenvölker auf dem Rintelhof in Trimbach. Im Sommer 2017 kam das verlassene Bienenhäuschen auf dem Grundstück eines alten Bauernhofs am Fustligweg in Olten dazu. Den Honig verkaufen sie an den Oltner Märkten, via Milchexpress und Bekanntenkreis.

Geduld und Ruhe sind wichtige Eigenschaften

Im Fokus steht für die beiden Trimbacherinnen aber nicht die Honigmenge ihrer neun Bienenvölker, sondern die Freude am Imkern. «Man kann nicht noch schnell imkern gehen, das merken die Bienen und werden ebenfalls nervös», führt sie aus. Liselotte Züllig arbeitet Vollzeit, Beatrice Emmenegger-Züllig
ist selbstständig tätig. Das Imkern ist ein aufwendiges Hobby neben dem Beruf. Von März bis August kontrollieren sie die Völker jede Woche. Im Mai und Juli wird der frische Honig geschleudert und abgefüllt. In den kalten Monaten gehen sie gegen die Varoamilben vor, die sich in den Brutwaben der Bienenvölker leicht vermehren und die Bienen stark schädigen. Zusätzlich engagieren sich die beiden im
Bienenzüchterverein Olten und Umgebung, Liselotte Züllig als Aktuarin und Beatrice Emmenegger seit kurzem als Präsidentin. Zurzeit können keine Imkerkurse im Lehrbienenstand stattfinden, daher werden On-line-Kurse angeboten.
Dass nun aus Sorge um die Bienen alle im eigenen Garten ein Honigbienenhaus aufstellen, ist nicht nötig, erklären die beiden Imkerinnen. Nicht die Honigbienen, sondern die mehreren hundert Wildbienenarten sind gefährdet. Ein Wildbienenhotel kann Abhilfe schaffen. Wichtiger ist jedoch das Pflanzenangebot. «Es gibt zu viele
geputzte Gärten und Steingärten», sagt Züllig. Einheimische Pflanzen und im Garten eine Ecke, die sich selbst überlassen wird, helfen den Wildbienen.