Widerstand mit Glacé: Ein Hitzetrip nach Niedergösgen, Schönenwerd und Dulliken

Niederamt
Widerstand mit Glacé: Ein Hitzetrip nach Niedergösgen, Schönenwerd und Dulliken

Patrick Lüthy

Ausser in Tiefgaragen oder ins bewaldete Unterholz hat sich die Hitze ausgebreitet – so gelassen gehen die Menschen im Niederamt damit um.

Noël Binetti
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Warum eigentlich in die Ferien fahren? Hier ist es doch heiss genug. Weil den Thermostaten heute Dienstag alles abverlangt wurde, haben wir an verschiedenen Stationen im Niederamt Halt gemacht und gefragt, wie Kinder, Badende und ältere Menschen mit der brütenden Hitze umgehen; aber auch die Mitarbeitenden einer Kindertagesstätte, im Schwimmbad und in einem Alterszentrum.

Glacé und Wasser sind dieser Tage omnipräsent und obwohl die Temperaturen in aller Munde sind, machten die Menschen, auf die wir gestossen sind, einen zufriedenen Eindruck: Storen werden etwas weiter nach unten gedreht und der Mittagsschlaf etwas ausgedehnt. Oder wie es der Institutionsleiter im Alterszentrum Brüggli in Dulliken formuliert: «Da müssen wir einfach durch.»

Viele andere Möglichkeiten bleiben gar nicht und so werden die gängigen Tricks angewandt: gelockerte Kleidervorschriften, Eis am Stiel, Spiele mit Wasser und ausgeprägte Ruhezeiten. Hauptsache die Laune bleibt gut.

In der Kita Sternschnuppe, in Niedergösgen

Spielen mit «Lila», dem wasserspeienden Oktopus: die Kinder der Kita Sternschnuppe in Niedergösgen.

Spielen mit «Lila», dem wasserspeienden Oktopus: die Kinder der Kita Sternschnuppe in Niedergösgen.

Patrick Lüthy

Wenn nicht gerade Zeit für den Mittagsschlaf ist, stehen hier Wasseraktivitäten im Zentrum. Kita-Leiterin Alma Jane Susvilla sagt: «Spaziergänge oder Spielen im Freien werden an solchen Tagen auf den Morgen verlegt, danach halten wir uns im Haus auf, wo es kühler ist.» Jetzt, in der Ferienzeit, sind nicht so viele Kinder anwesend: «Aktuell sind zehn Kinder der Kita und zwei vom Hort bei uns. Das jüngste ist ein Jahr alt, der Älteste, ein Junge, ist elf.»

Die beiden Hort-Kinder sind gerade ausser Haus: «Zusammen mit einer Fachfrau Betreuung machen sie einen Ausflug in die Badi.» Bei dieser Hitze dauert der Mittagsschlaf der Kleinen etwas länger als sonst: «Man merkt, dass die Kinder früher müde werden; manche schlafen beinahe bereits am Mittagstisch ein», sagt Susvilla.

Gönnt den Kindern einen längeren Mittagsschlaf: Kitaleiterin Alma Jane Susvilla.

Gönnt den Kindern einen längeren Mittagsschlaf: Kitaleiterin Alma Jane Susvilla.

Patrick Lüthy

Doch man gehe den Tag gemütlich an und gönne den Kleinen den verlängerten Mittagsschlaf. Bevor es dann wieder losgeht:

«Bei uns gibt’s kleine Wasserschlachten, mit Wasserzerstäubern und Eiswürfeln.»

Und etwas ist bei den Kindern hoch im Kurs: «Im Garten gibt’s einen Schlauch, an dessen Ende ein Oktopus ist. Dreht man den Hahn auf, spritzt das Wasser in alle Richtungen. Das mögen die Kinder.» Als drei von ihnen das Tier mit den vielen Armen vorstellen, taufen sie es kurzerhand auf den Namen «Lila». Daneben hat es ein kleines Bassin, wo die Kleinsten ihre Füsse baden können.

Glacé für alle im Haus eingekauft zum z’Vieri

Susvilla weist auf die Getränkebar hin, wo jedes der Kinder eine mit Namen beschriftete Trinkflasche hat: «Die füllen wir immer wieder auf. Als Erwachsene gehen wir als gutes Beispiel voran und muntern die Kinder auf, zu trinken.» Für ihr Team hat Susvilla ein Getränk kühlgestellt und für alle im Haus Glacé gekauft. Die gibt’s zum z’Vieri.

Sie sagt: «Beim Arbeiten macht sich die Hitze bemerkbar, denn wir tragen die Kinder oft auf den Armen und haben so regelmässig Körperkontakt.» Da sei hin und wieder ein Luftstoss willkommen, der durch einen der Türrahmen im Haus blase.

Würde nicht der Wald die ersehnte Abkühlung bringen? Susvilla: «Von da, wo wir sind, ist es ein ziemliches Stück zu Fuss bis dahin. Bei dieser Hitze macht es keinen Sinn, mit den Kinder so weit zu gehen. An anderen Tagen unternehmen wir aber gelegentlich einen Spaziergang dahin.»

Im Schwimmbad, in Schönenwerd

Badmeister Phithak Schmassmann hat alle Hände voll zu tun, auch wenn wegen der Ferien aktuell nicht viele Leute ins Bad pilgern.

Badmeister Phithak Schmassmann hat alle Hände voll zu tun, auch wenn wegen der Ferien aktuell nicht viele Leute ins Bad pilgern.

Patrick Lüthy

Die Parkmöglichkeiten vor dem Schwimmbad sind einigermassen erschöpft, und über die Hecke dringt die typische Geräuschkulisse: Kindergeschrei und Wassergeplätscher. In der Luft liegt zudem der Duft von nassem Gras und Sonnencreme.

Doch der Schein trügt: Am Eingang neben der Kasse gönnen sich Badmeister Phithak Schmassmann und Mitarbeiter Daniel Herzog, der Beckenaufsicht hat, gerade eine Pause. Herzog ist auch noch Abwart im Feldschulhaus, wo es ein Hallenbad gibt. «Weil dort jetzt nichts läuft und ich über das nötige Brevet verfüge, helfe ich hier aus. Mir gefällt diese Abwechslung gut», sagt er.

Bis um 14 Uhr rund 600 Eintritte verbucht: An guten Tagen tummeln sich hier bis zu 3000 Badende.

Bis um 14 Uhr rund 600 Eintritte verbucht: An guten Tagen tummeln sich hier bis zu 3000 Badende.

Patrick Lüthy

Heute verkaufte Eintritte? 600. Aktuelle Gästezahl? Ewas mehr als 300. An guten Tagen tummeln sich hier zwischen 2000 und 3000 Badende. «Wir spüren die Ferien dieses Jahr sehr stark», erklärt Schmassmann. Und: «Nach zwei Jahren mit erschwerten Reisen wollen viele wieder an die Orte fahren, an denen sie möglicherweise auch Familien und Freude haben.» Dennoch bleibt im Bad viel zu tun.

Wie steht es eigentlich um die Wasserqualität, bei weit über 30 Grad Lufttemperatur? «Darauf legen wir ein besonderes Augenmerk», versichert der Badmeister.

«Eine Anlage überprüft die Werte automatisch, und tauscht das Wasser während des Betriebs laufend aus.»

Und von wo wird dieses Wasser angezapft? Schmassmann: Wir verwenden Grundwasser; eine Pumpe sorgt für einen stabilen Kreislauf.»

Buben auf dem Sprungbrett im Auge behalten

Auch der Kreislauf der Badenden soll stabil bleiben, darum hat Phithak Schmassmann beim Rundgang stets ein Auge auf die Becken. Wenn Halbwüchsige auf dem Sprungbrett übertreiben, entfährt dem Badmeister ein heller Pfiff. Die Jungs mässigen sich.

Manchmal ergänzen Studierende, die über die nötige Ausbildung verfügen, das Schwimmbadteam. Badmeister Schmassmann sagt: «Heute sind wir inklusive Kasse sieben Leute, die im Einsatz stehen.» Derweil werden Badetücher zurechtgerückt. Beim Eingang bildet sich nun doch noch eine kurze Schlange. Ob das Bad am Abend wohl voll ist? Wenn es über 30 Grad sind, bleibt es bis 21 Uhr geöffnet; sonst ist um 20 Uhr Schluss. heute Dienstag ist der Fall also deutlich.

Im Alters- und Pflegezentrum Brüggli, in Dulliken

Hitzetag im Niederamt: Im Alters- und Pflegezentrum Brüggli in Dulliken sind die Storen an den Anschlag gebracht.

Hitzetag im Niederamt: Im Alters- und Pflegezentrum Brüggli in Dulliken sind die Storen an den Anschlag gebracht.

Patrick Lüthy

Die Lamellenstoren an den Fenstern und die gelb-weiss gestreiften Stoffsegel an den Balkonen sind bis zum Anschlag ausgefahren. Im Alters- und Pflegeheim Brüggli in Dulliken ist es jetzt, kurz nach dem Mittagessen, ziemlich ruhig: Die beiden Alpakas haben sich in den Schatten verzogen und auch die Goldfische im Teich tauchen unter die Blätter der Seerosen.

Im Garten empfängt Institutionsleiter Pascal Storck zum Gespräch und offeriert ein Mineral: «Ich frage die Mitarbeitenden immer wieder aufs Neue, ob sie genug getrunken haben», erklärt er. Diese wiederum sorgen dafür, dass die Bewohnerinnen und Bewohner genug Flüssigkeit zu sich nehmen. Storck sagt:

Institutionsleiter Pascal Storck:

Institutionsleiter Pascal Storck:

Patrick Lüthy
«Dazu gehört auch eine warme Bouillon, denn vom vielen Trinken und Schwitzen wird das Salz aus dem Körper geschwemmt.»

Im Schatten des Gartenpavillons macht Storck trotz Hitze einen gelassenen Eindruck. Er sagt: Die Moral im Haus ist gut. Die Belastung durch Corona war in den letzten zwei Jahren deutlich schwieriger.»

Die Kleidervorschrift für das Team sind gelockert und der Menüplan wurde von der Küche angepasst. Storck: «Zum Dessert gibt’s Wassermelone und andere frische Früchte, leichte Kost.» Wenn ein so heisser Tag am Morgen beginnt, wird im Alters- und Pflegeheim die heisse Luft aus den Räumen gelüftet. Danach wird die Hitze ausgesperrt: «Unser Bau ist über 40-jährig und in diesem Teil des Brüggli Parks verfügen wir nicht über klimatisierte Räume, aber wir kommen zurecht», sagt Storck.

62 Bewohnende leben hier. Sie werden tagsüber von über 50 Leuten aus allen Bereichen betreut. Pascal Storck sagt zum Tagesablauf: «Wenn es so heiss ist wie jetzt, verlegen wir sämtliche Aktivitäten auf den Morgen. Auch jene Personen, die selbstständig unterwegs sind, besorgen ihre Kommissionen, wenn es noch kühl ist.»

Glacé-Ausflug in den Kanton Aargau

Nun besammeln sich einige Personen im Foyer: Ein Ausflug in den Kanton Aargau steht an. Zwei Pflegerinnen, ausgerüstet mit Sonnencreme und Strohhüten für die älteren Menschen, instruieren die Gruppe:

«Weil es so heiss ist, gehen wir jetzt ein Glacé essen. Im Brüggli-Bus hat es eine Klimaanlage.»

In den Gesichtern ist Begeisterung zu erkennen. Auch der ganzen Belegschaft steht heute ein Eis und Mineralwasser à discretion zu.