Trimbach

«Philosophie wirft stets neue Fragen auf»: Sie beleuchtet ein Thema von immer wieder neuen Seiten

Gertrud Durot aus Trimbach bietet demnächst ein philosophisches Nacht-Café und Philosophie-Kurse an.

Lorenz Degen
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Gertrud Durot möchte in Trimbach Philosophie unter die Leute bringen.

Gertrud Durot möchte in Trimbach Philosophie unter die Leute bringen.

Bruno Kissling

«Ich bin ein grosser Fan von Ernst Bloch!» Die Antwort, wer denn ihr Lieblingsphilosoph sei, kommt von Gertrud Durot (56) blitzschnell. «Mir gefällt, wie bei ihm alles in der Entwicklung ist.» Die Trimbacherin, die an der Universität Fribourg Journalismus und Kommunikation, an der Hochschule Luzern katholische Theologie und an der Fachhochschule in Olten soziale Arbeit studierte, arbeitet seit rund zwanzig Jahren als Sozialarbeiterin. Doch daneben liess ihr Interesse an philosophischen Fragen nie nach.

«Mich haben anfangs vor allem die letzten Fragen beschäftigt, wie die Frage nach dem Grund unseres Daseins oder dem Sinn des Lebens.» Inzwischen hat sich ihr Spektrum erweitert. Im zürcherischen Oberglatt, wo sie zwischenzeitlich lebte, fing sie an, abends ein «philosophisches Nachtcafé» ins Leben zu rufen. «Es kamen jeweils zwischen dreissig und vierzig unterschiedlichste Menschen zusammen, um zu einem bestimmten Thema zu diskutieren.»

Vorgängig sprach ein Referent aus seiner Sicht, zum Beispiel über die Frage nach der Heimat, über Sterbehilfe oder die Würde des Menschen. Einen kommerzielles Interesse verfolgte Durot damit nie: «Die Referenten kamen jeweils aus ideellen Gründen und natürlich, weil sie über ihr Herzensanliegen referieren konnten. Ich sagte ihnen immer im voraus, wie die Lage ist und dass bloss die Kollekte erhalten.»

Idealismus als Antrieb

Durot hat aber auch schon in die eigene Tasche gegriffen, wenn nicht genug Geld in der Kollekte zusammenkam: «Ich fand das dem Referenten gegenüber dann schäbig, so habe ich an manchen Abenden noch etwas draufgelegt.» Aber für die engagierte Mittfünfzigerin ist dies kein Problem: «Mein Idealismus treibt mich an.»

Ihr gefallen vor allem kontroverse Diskussionen: «Wenn jemand sagt, er habe die Wahrheit gepachtet, bin ich skeptisch.» Der Austausch mit anderen Menschen ist für sie sowohl im Nachtcafé wie bei den Einführungskursen in die Philosophie-Geschichte (siehe Box) zentral. «Ich arbeite gerne in kleinen Gruppen. Im familiären Rahmen mit 12 bis 15 Teilnehmenden bleibt viel Raum für Gespräche.» Durot hat aber auch schon an der Volkshochschule in Zürich ungefähr vierzig Abende bestritten: «Dort waren Vorlesungen gefragt.»

Geeigneter Raum gesucht

Die engagierte Organisatorin sieht die Philosophie als Möglichkeit, ein Thema von immer wieder neuen Seiten zu beleuchten: «Philosophie wirft stets neue Fragen auf. Denn eigentlich sind wir noch nirgends mit unserem Wissen.» Wie viele Abende sie veranstaltet hat, weiss Durot nicht mehr: «Ich habe nicht alle Einladungen aufbewahrt, mit der Zeit wurden es einfach zu viele.»

Durot möchte nun auch in Trimbach oder Olten ein philosophisches Nachtcafé etablieren. «Im Moment suche ich noch einen geeigneten Raum.» In Oberglatt traf sich die Gruppe jeweils im Säli eines Restaurants. «Anfangs musste ich dafür noch Miete bezahlen, als dann regelmässig so viele Leute kamen, erliess mir der Wirt den Betrag.»

Hadern tut die begeisterte Bücherleserin mit keiner philosophischen Strömung. Durot bewahrt da fachliche Distanz: «Es gibt einzig Thesen, die sich nicht erhärtet haben, wie die Ansicht von Descartes, der Mensch sei eine Maschine.» Persönlich möchte Durot mit ihrem philosophischen Angebot an die Zukunftsvision von Ernst Bloch anschliessen: «Das Ziel wäre eine Welt, in der sich alle Menschen wohlfühlen und entfalten können.»

Philosophisches Nachtcafé und Kursabende

Das philosophische Nachtcafé startet am Sonntag, 7. Februar 2021, um 19.30 Uhr und dauert bis ca. 21.30 Uhr. Das Thema des ersten Abends lautet «Tier und Mensch». Ein Apéro wird bereitgestellt. Wo die Veranstaltung stattfinden wird, ist derzeit noch offen. Der Eintritt ist frei, es gibt eine Kollekte für den Referenten und die Saalmiete.

Am Montag, 22. Februar, findet der erste Kursabend statt. Die Reihe mit dem Titel «Kleine Philosophie-Geschichte – eine Einführung» mit Gertrud Durot wird an sechs Abenden von 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr abgehalten. Der Aufbau erfolgt chronologisch von den Griechen über die Scholastik und die Aufklärung bis in die Gegenwart. Eine Teilnahme kostet 150 Franken. Zu jeder Lektion kann ein Skript gekauft werden. (ld)

Hinweis
Anmeldung zu den Veranstaltungen bei Gertrud Durot, Telefon 056 450 92 96, Handy 079 243 21 64, E-Mail: durotg@bluewin.ch