Pipeline

Was es mit dem rostigen Rohr in Schönenwerd auf sich hat

Noël Binetti
Drucken
Teilen
Über Stock und Stein: Ein temporärer Sammelkanal windet sich mit Hilfe von Gerüsten durch Schönenwerd.

Über Stock und Stein: Ein temporärer Sammelkanal windet sich mit Hilfe von Gerüsten durch Schönenwerd.

Bruno Kissling

Die rostrote Leitung verläuft von der ARA Schönenwerd über etwa einen Kilometer weit und entlang des Fussballplatzes bis zum Pumpwerk an der Aare. In Schönenwerd wird aber nicht nach Erdöl gebohrt, durch das Rohr fliesst kein schwarzes Gold. Es handelt sich um einen temporären Sammelkanal, dieser dient der Abführung von Abwasser aus dem Quartier und der Industrie. Seit rund einem Jahr ist das temporäre Bauwerk in Betrieb.

Das Rohr weist einen Durchmesser von 70 Zentimetern auf, es windet sich um Kurven und über Hindernisse oder Zugangswege. Grund für die imposante Konstruktion sind Renovationsarbeiten am eigentlichen, unterirdisch verlegten Abwasserkanal. Dieser ist in die Jahre gekommen. Das durch Industriebetriebe mit Chemikalien versetzte Schmutzwasser griff die Bausubstanz stärker an als erwartet. Der Beton muss inwendig erneuert werden. Während zweier Jahre wird der Abschnitt nun saniert. Das Projekt wird vom ZAS geleitet, dem Zweckverband der Abwasser region Schönenwerd.

Projekt von Zweckverband und Industrie

Der ZAS wird durch die sieben Niederämter Gemeinden Däniken, Dulliken, Erlinsbach SO, Gretzenbach, Niedergösgen, Obergösgen und Schönenwerd gebildet.

Hans-Peter Jeseneg aus Gretzenbach ist Präsident des Zweckverbandes. Er sagt auf Anfrage: «Etwa Ende 2021 wird die Konstruktion zurückgebaut», dann seien die Arbeiten im unterirdischen Kanal abgeschlossen.

Viel Druck und gute Dichtungen

Jeseneg erklärt, es folge noch ein weiterer, kurzer Abschnitt entlang von Gebäuden, «das wird aber eine kleinere Sache». Die Sanierungskosten des ursprünglichen Sammelkanals belaufen sich auf 4,6 Millionen Franken. Sie werden durch den Zweckverband, also die betroffenen Gemeinden sowie die Firmen, deren Abwasser durch den Kanal abfliesst, getragen und aufgeteilt. Die Konstruktion war technisch nicht anspruchsvoll zu realisieren. Jeseneg dazu: «Die damit beauftragte Firma hat mit dem Bau solcher Konstruktionen Erfahrung.»

Die «Pipeline» wurde ohne grösseren Platzverlust über Wege und Einfahrten hinweg gebaut. Damit der für die Beförderung des Abwassers nötige Druck erzeugt werden kann, stehen vier Pumpen im Einsatz. Sie kommen zusammen auf eine Leistung von 800 Litern in der Sekunde. Jede Woche werden die Dichtungen des Rohrs, entlang der ganzen Strecke, auf Schwachstellen hin geprüft. Auch die Pumpen müssen regelmässig gewartet werden. Diese Verstopfen von Zeit zu Zeit, weil in die Toilette geworfene Feuchttücher sich darin verheddern.