Lostorf

Wie Bienen und Raps voneinander profitieren

In Lostorf sind am Rande eines Rapsfeldes neue Bienenstöcke aufgestellt worden − was es damit auf sich hat.

Jacqueline Schreier
Drucken
Teilen
Die vor kurzem in Lostorf aufgestellten Bienenstöcke befinden sich hier an einem idealen Standort - das Rapsfeld und die Kirschbäume bieten viel Nahrung für die Bienen.

Die vor kurzem in Lostorf aufgestellten Bienenstöcke befinden sich hier an einem idealen Standort - das Rapsfeld und die Kirschbäume bieten viel Nahrung für die Bienen.

Bruno Kissling

Im Moment sieht man sie überall: weite gelbe Felder. Der Raps ist am Blühen und versprüht seinen unverkennbaren Duft. Nicht selten zu beobachten sind auch Bienenstöcke, die am Rand der Rapsfelder stehen. So gesehen auch in Lostorf. Eingangs des Dorfes sind auf dem schmalen Streifen Wiese zwischen der Strasse und dem Rapsfeld vor kurzem sieben Bienenstöcke aufgestellt worden. Der ausgewählte Standort direkt vor dem derzeit blühenden Rapsfeld hat durchaus seinen guten Grund, wie Sandra Cagnazzo erklärt. Sie ist Präsidentin des kantonalen Solothurner Bienenzüchter-Verbands sowie des Bienenzüchtervereins Niederamt. «Raps wird eigentlich vom Wind bestäubt. Doch die Bestäubung durch Bienen ist besser. Dadurch steigt der Ertrag des Raps um 20 bis 30%», so Cagnazzo.

Aber auch den Bienen käme die Nähe zu einem Rapsfeld zu Gute. Wie Cagnazzo in einem früheren Interview mit dieser Zeitung bereits erklärte, habe man wider Erwarten genügend Bienen in der Region. «Im Niederamt sind 61 Imker registriert. Mit 614 Bienenvölker weist die Region eine hohe Bienendichte auf.» Was hingegen fehle, sei das Nahrungsangebot für die fleissigen Insekten. Dabei stellen solche grossen landwirtschaftlich genutzten Flächen, sogenannte Massentrachten, eine ideale und ergiebige Nahrungsquelle dar. «Da der Raps früh blüht, haben die Bienen im Frühling genügend Nahrung und gehen gestärkt in den Sommer», erklärt Cagnazzo.

So können auch alle Beteiligten davon profitieren. «Es ist eine Win-win-Situation für Imker und Landwirte. Der Bauer hat mehr Ertrag und der Imker hat Nahrung für seine Bienenvölker», so die erfahrene Imkerin. Aus diesem Grund sei es auch verständlich, dass man öfters Bienenstöcke am Rand von Rapsfeldern antrifft. «Das ist durchaus nichts Seltenes», sagt Cagnazzo.

Bienenstöcke bleiben nicht lange in Lostorf

Die besagten Bienenstöcke, die seit kurzem in Lostorf an eben solch idealer Lage stehen, bleiben aber nur für kurze Zeit dort. Vjekoslav Martinovic, Besitzer der Bienenstöcke und Hobbyimker aus Niedergösgen, erklärt: «Ich betreibe eine Wander-Imkerei. Die Bienenstöcke werden nur ein paar Wochen in Lostorf stehen, bevor sie wieder an einen anderen Standort umziehen.»

Auch Martinovic, der sich seit gut drei Jahren zusammen mit einem Freund diesem aussergewöhnlichen Hobby widmet, bezeichnet den neuen Standort der Bienenstöcke als «optimal». «Das Rapsfeld sowie die Apfel- und Kirschbäume bieten den Bienen viel Nahrung. Zudem ist der Raps gut für den Honig», so Martinovic. Als er den Besitzer des Feldes, das von Landwirt Grob bewirtschaftet wird, anfragte, habe dieser nicht lange überlegt und nur gemeint: «einfach aufstellen!» Schliesslich profitiere ja der Bauer ebenso von seinen Bienen, wie auch Martinovic erklärt. «Der Raps, aber auch die Obstbäume werden von den Bienen bestäubt. Das ergibt für den Bauern mehr Ernteertrag», weiss der Hobbyimker.

Den aktuellen Standort seiner Wander-Bienenvölker müsse er jeweils mit Angabe der genauen Koordinaten per App des kantonalen Bienenverbandes melden. Und auch das Veterinäramt muss jederzeit darüber informiert sein, wie Martinovic erklärt. So auch wenn die Bienen in ein paar Wochen umziehen werden. Diesmal aber nicht an den Rand eines Feldes, sondern in die Nähe eines Waldes. Denn so soll nach dem momentan in Lostorf entstehenden Nektar für Blütenhonig später auch noch Waldhonig hergestellt werden.