Olten

Der «Monumentalist des Bescheidenen» stellt im Kunstmuseum aus

Bis am 13. Mai stellt Marc-Antoine Fehr aus in Kunstmuseum in Olten. Die Ausstellung «Renaissance» zeigt Bilder aus den letzten Jahren.

Urs Huber
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Bruno Kissling

Manchmal an Edward Hopper, den Maler des Amerikanischen Realismus. Manchmal an Ferdinand Hodler, den Schweizer Maler des Symbolismus und des Jugendstils. Manchmal ansatzweise gar an René Magritte, den belgischen Maler des Surrealismus.

Die Liste jener, an die Marc-Antoine Fehrs Werke gelegentlich erinnern, könnte beliebig erweitert werden. Noch bis 13. Mai zeigt der verblüffend eloquente und unverstellte Zürcher in «Renaissance», so der Ausstellungstitel, über 100 Bilder seines jüngeren Œuvres im Kunstmuseum Olten.

Grossformatige wie «Le Livreur» in epochalen Massen von 260 auf 400 Zentimeter. Zudem handliche Kleinformate mit eindrücklichen und herzerfrischenden banalen, meist naturalistischen Motiven, die spürbar an Bedeutung gewinnen, werden sie so präsentiert wie Fehr dies zu tun pflegt. Wie nannte er doch seine Praxis an der Pressekonferenz im Kunstmuseum Olten? Genau, die «Monumentalisierung von Bescheidenem».

Die ganze Welt malen

Bescheidenes umgibt uns, in rauen Mengen. Dass sich Fehr diesem unendlich wirkenden Gemenge annimmt: fast ein Anachronismus, zumindest aber ein sympathischer und lebendiger Gegenpol zum Aufgesetzten, Überdrehten, Marktschreierischen dieser Tage. «Man könnte die ganze Welt malen, es gibt so viele Motive, dass man schier verrückt wird darob», sagt der weitgehend autodidaktisch gebildete Maler ungeniert.

Fehr personalisiert das Gewöhnliche, Unspektakuläre, Banale, kombiniert deren Elemente mit samtener Intuition zu Grossem und macht damit sichtbar, was sich beim Blick durchs sprichwörtliche Rasterelektronenmikroskop offenbart: Die überraschende Abbildung des Realen, welches im Makrokosmos der herkömmlichen und alltäglichen Wahrnehmung untergeht.

Er male selten etwas in einem Mal, hat er an der Pressekonferenz verraten. Nicht etwa weil ihn zehn andere Dinge gleichzeitig beschäftigen, sondern weil seine Konzepte nicht aufgehen, er eine Figur nicht wie gewollt «herebringt», wie er sagt. Das ihn dies ärgert, verhehlt er dabei nicht eine Sekunde, dass er dies als Makel empfinde, ebenso. Ja, er unterbricht für das Eingeständnis sogar Museumsleiterin Dorothee Messmer, die bereits – einen Schritt weiter – über die Ausstellungspraxis erzählt.

Fehrs Kleinformate, die sogenannten «Vagabondages» würden in eher unüblicher Höhe angebracht, weil sie als eigentliches Fries gedacht seien. Und auch hier offenbart der 65-Jährige seine verblüffende Unkompliziertheit. Noch bevor sich der Betrachtende fragt, wieso das erste Bild von links ausgerechnet dort hänge, bekennt Fehr, der Reihenfolge hafte auch etwas Willkürliches, Zufälliges an.

Der 65-jährige, der zeitweise auch im Burgund lebt, von Grossvater Charles Clément und Mutter Marie-Hélène Clément künstlerisch geprägt, will seine Werke nicht durch und durch akademisch verstanden haben.

Fehr bleibt Fehr

Und falls doch, dann kaschiert er vortrefflich. Fehr ist, was er tut. Er hält dies für so selbstverständlich und selbstredend, dass er ungern das Wort ergreift. «Bis ichs dann mal habe...», räumt er spassig ein.

Aber gäbe es da ein Geheimnis zwischen Maler und Gemaltem; er würde es offenlegen, verraten, portionenweise ausplaudern. Das macht diesen Menschen – und nicht nur den Maler – aussergewöhnlich und zum eigentlichen Erlebnis.

Figuratives aus dem Fundus

Gleichzeitig zu «Renaissance» haben die Ausstellungsmacherinnen Dorothee Messmer und Katja Herlach figurative Malereien aus der Museumssammlung hervorgeholt, in denen das vermeintlich Einfache, Eindeutige, Bekannte zum Geheimnisvollen oder gar Bedrohlichen mutiert.

Die gezeigten Werke stammen unter anderem von Cuno Amiet, Agnes Barmettler, Frank Buchser, Adolf Dietrich Max Gubler, Marlise Mumenthaler, Niklaus Stoecklin und Varlin.

Die Vernissage zu «Renaissance» von Marc-Antoine Fehr findet an diesem Freitag, 23. Februar, 18.30 Uhr im Kunstmuseum Olten statt.