Lehrplan 21

«Eine Insellösung liegt für Solothurn nicht drin»

Die Gegner der Initiative «Ja zu einer guten Volksschule ohne Lehrplan 21» haben mit einem Podium über ihre Argumente informiert.

Melina Aletti
Drucken
Teilen
Die acht Podiumsteilnehmer von links: Beatrice Schaffner, Karin Büttler, Urs Ackermann, Franziska Roth, Dagmar Rösler, Adrian van der Floe, Heinz Flück und Josef Maushart.

Die acht Podiumsteilnehmer von links: Beatrice Schaffner, Karin Büttler, Urs Ackermann, Franziska Roth, Dagmar Rösler, Adrian van der Floe, Heinz Flück und Josef Maushart.

Bruno Kissling

«Es gibt noch genug Anlässe, wo wir fighten können», erklärte Moderator Andreas Gasche gleich zu Beginn der zweistündigen Veranstaltung am Oltner Berufsbildungszentrum. Deshalb haben sich die Organisatoren, das Solothurner Komitee «Bildungsbremse NEIN», für einen Informationsanlass und gegen eine kontradiktorische Diskussion entschieden.

Eingeleitet wurde der Abend von Regierungsrat Remo Ankli, dem Vorsteher des Departements für Bildung und Kultur. Er betonte, wie wichtig es sei, diesen neuen Lehrplan einzuführen. Dazu verwies er auf die Bundesverfassung, in der steht, dass die kantonalen Schulsysteme harmonisiert werden sollen.

Ankli führte weiter aus: «Wir haben keinen Plan B. Bei Annahme der Initiative müsste ein neuer, eigener Lehrplan ausgearbeitet werden, was den Kanton konservativ geschätzt rund 600'000 bis 900'000 Franken kosten würde.» Später in der Diskussion sagte Adrian van der Floe, Präsident des Solothurnischen Schulleiterverbands dazu: «Der Kanton Solothurn kann sich keine Insellösung leisten.»

Kein Bürokratiemonster

Nach Anklis Einleitung erklärte Yolanda Klaus die grössten Änderungen, die der Lehrplan 21 bringt. Als stellvertretende Volksschulamtsvorsteherin hat sie selbst daran mitgearbeitet und konnte so fundiert Auskunft geben.

Klaus strich vor allem heraus, dass der Lehrplan 21 nicht das Bürokratiemonster ist, als das er betitelt wird: «Der Schritt zum Lehrplan 1992 war viel grösser als derjenige vom Lehrplan 92 zum Lehrplan 21.» Die grösste inhaltliche Veränderung ist der Ausbau der MINT-Fächer, was eine Reaktion auf die gesellschaftliche Entwicklung der letzten 25 Jahre ist.

Danach wurde das acht Personen umfassende Podium eröffnet. Schon bald unterstrich Beatrice Schaffner die Aussagen von Yolanda Klaus: «Der Lehrplan umfasst rund 500 Seiten, also etwa einen Bundesordner. Das ist nicht viel, jede Qualitätssicherung eines KMU ist auch so lang.»

Auch dass der Lehrplan 21 eine Weiterentwicklung seines Vorgängers ist und keine komplette Neuerfindung, findet sie positiv: «Der Lehrplan 21 ist eine Evolution und keine Revolution.» Damit konnten sich gleich mehrere Podiumsteilnehmer identifizieren. So meinte etwa Karin Büttler, Kantonsrätin und vierfache Mutter: «Meine Kinder sollen nicht mit einem Lehrplan aus dem letzten Jahrhundert auf das jetzige vorbereitet werden.» Es ist ihr wichtig, dass die Schule Gesellschaft und Wirtschaft angepasst ist.

Berufseinstieg wird erleichtert

In die gleiche Kerbe schlug auch der Wirtschaftsvertreter Josef Maushart: «Man muss sich möglichst schnell den aktuellen Gegebenheiten anpassen. So, und durch eine Vereinheitlichung der Schule in den verschiedenen Kantonen, steigt die Qualität der Ausbildung. Das wiederum ist wichtig für die Verteidigung des unter Druck geratenen Werkplatzes Schweiz.»

Die Vereinheitlichung finde er wegen den Berufsschulstandorten notwendig. «Es gibt Lehrberufe, die nur an einer einzigen Schule unterrichtet werden und deshalb Schüler aus verschiedenen Kantonen in derselben Klasse sind. Bis jetzt ging viel Zeit damit verloren, diese Schüler auf den gleichen Stand zu bringen. Mit einem einheitlichen Lehrplan kann diese Zeit für vertiefte Ausbildung verwendet werden.»

Heinz Flück, Leiter der Förderpädagogik an der GIBS in Olten, sieht einen weiteren Vorteil im Lehrplan 21 für die Lehrberufe: «In der Berufsbildung wird seit langem mit Kompetenzen gearbeitet. Wird nun auch der Volksschullehrplan so formuliert, erleichtert das den Übergang und die Kommunikation zwischen den beiden Schulstufen.»

Auf den Vorwurf, die Lehrer würden zu Lerncoaches degradiert, antwortet Dagmar Rösler, Präsidentin des Solothurnischen Lehrerverbands, folgendes: «Nirgends ist das Wort «Coach» zu lesen. Und wenn schon; ist Coach eine Degradierung? Niemand behauptet, ein Fussballcoach habe keinen Einfluss und sitze nur rum.»

Durch die grosse Anzahl Redner konnte eine Vielfalt an Argumenten präsentiert werden, obwohl alle für den Lehrplan 21 und gegen die Initiative sind. Allerdings waren nur etwa 30 Zuhörer anwesend. Es ist gut möglich, dass Betroffene und dadurch Interessierte nicht teilnehmen konnten, weil der Termin in den Schulferien lag. Zudem steht vor der Abstimmung noch der zweite Wahlgang der Regierungsratswahlen an, weshalb sich das Interesse am Thema noch in Grenzen hält.