Hägendorf

Lärmschutzwände und Tempo 30 sind unmöglich

Der Kanton wird aktiv: Ein Strassenlärm-Sanierungsprojekt in Hägendorf beinhaltet einen neuen Lärm dämmenden Belag für die Gäustrasse.

Karola Dirlam
Drucken
Teilen

Bruno Kissling

An der Kantonsstrasse Richtung Kappel werden Lärmgrenzwerte punktuell überschritten. Dies zeigen Berechnungen des kantonalen Lärmbelastungskatasters und Messungen, die vor Ort durchgeführt wurden. Insgesamt sind etwa 127 Personen in sechs Gebäuden und eine unbebaute Parzelle davon betroffen. Der Kanton ist verpflichtet, Strassen, an denen die Lärmgrenzwerte überschritten werden, Sanierungsmassnahmen vorzunehmen. Deshalb erhält die Gäustrasse innerhalb der nächsten zehn Jahre einen neuen Lärm dämmenden Belag.

Zwei bis sechs Dezibel zu hoch

Im Rahmen eines sogenannten Strassenlärm-Sanierungsprojekts ermittelte das kantonale Amt für Tiefbau und Verkehr die heutige sowie die zukünftige Lärmbelastung. Zugleich untersuchte es mögliche Massnahmen, um die Anwohner vor dem Verkehrslärm zu schützen. Laut Rolf Müller, im genannten Amt zuständig für Lärm und Schallschutz, liegen die in verschiedene Empfindlichkeitsstufen unterteilten und auch von der Tageszeit abhängigen Grenzwerte an der Gäustrasse bei 50 bis 65 Dezibel.

An den sechs betroffenen Liegenschaften werden sie um zwei bis sechs Dezibel übertroffen. «Der Kanton muss handeln. Im Abschnitt zwischen dem nördlichen Kreisel und der Kreuzung Gäustrasse/Industriestrasse West werden wir innerhalb der nächsten zehn Jahre einen neuen Lärm dämmenden Belag einsetzen», so Müller. In diesem Bereich werde die Strasse zudem schon bald in einem schlechten bautechnischen Zustand sein. Die Sanierung des Belags stehe auch unter diesem Aspekt an. Einen genauen Termin dafür gebe es aber noch nicht.

Der weitere Verlauf der Gäustrasse bis zur Gemeindegrenze Hägendorf/Kappel sei hingegen noch in einem besseren Zustand. «Dort werden wir erst etwa 2030 aktiv werden müssen. Auch hier ist ein neuer lärmdämmender Belag vorgesehen», erklärt Müller.

Dämmung: maximal neun Dezibel

Ein neuer Strassenbelag dämmt den Lärm um etwa vier bis neun Dezibel ein – je nach Belagstyp. An den meisten betroffenen Stellen an der Gäustrasse kann der Lärmgrenzwert damit wieder eingehalten werden. Allerdings nur vorerst, denn: Die Lärm dämmenden Poren im Belag verstopfen nach einiger Zeit allmählich wieder, sodass er – wiederum je nach Belagstyp – nur noch ein bis drei Dezibel schlucken kann. Zudem wird damit gerechnet, dass der Verkehr jährlich um ein Prozent zunimmt – und mit ihm auch die Lärmbelastung.

Deshalb hat der Kanton im Rahmen des Strassenlärm-Sanierungsprojekts Gäustrasse weitere Lärm dämmende Massnahmen in Erwägung gezogen – und wieder verworfen. «Lärmschutzwände sind aufgrund der Verkehrssicherheit, ihrer Wirkung, bestehender Zufahrten und eines ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses nicht möglich», erklärt Rolf Müller.

Die Einführung von Tempo 30 würde den Lärm zwar um ein bis eineinhalb Dezibel mindern, doch sei sie auf Kantonsstrassen oftmals nicht zweck- und verhältnismässig und deshalb schlecht durchsetzbar: Die Gäustrasse müsste dafür baulich umgestaltet werden. Zudem ist sie eine Versorgungsroute für Ausnahmetransporte.

Durch das Lärmsanierungsprojekt können die Bewohner der Gäustrasse also langfristig nicht vor Lärmgrenzwertüberschreitungen geschützt werden. Was heisst das für die 127 akut betroffenen Personen? «Wenn die emissionsbegrenzenden Massnahmen wie in diesem Fall die Erneuerung des Strassenbelags nicht ausreichen, können auch Schallschutzmassnahmen ergriffen werden», so Müller.

Darunter fallen Schallschutzfenster oder auch zusätzliche Schalldämmlüfter, durch die ein Raum auch bei geschlossenen Fenstern belüftet werden kann. Der Kanton Solothurn finanziert Schallschutzmassnahmen an Gebäuden aber erst, wenn der Alarmwert überschritten wird. Dieser liegt an der Gäustrasse tagsüber bei 70 Dezibel. Und wird momentan eingehalten.