EHC Olten

Leere Zuschauerränge im Kleinholz: Das sind die wirtschaftlichen Folgen des Geisterspiels

Der EHC Olten muss heute Abend sein drittes Heimspiel im Playoff-Viertelfinal gegen den SC Langenthal vor leeren Zuschauerrängen spielen. Der Klub schätzt den Einnahmenausfall auf eine Zahl im tiefen sechsstelligen Bereich.

Fabian Muster
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Keine Zuschauer im Eisstadion Kleinholz rund eine Stunde vor Matchbeginn.

Keine Zuschauer im Eisstadion Kleinholz rund eine Stunde vor Matchbeginn.

Marcel Kuchta

Ins Stadion Kleinholz werden am Freitagabend nur ausgewählte Leute reingelassen. EHC-Olten-Medienchef Stephan Felder schätzt, dass rund 70 Leute anwesend sind – plus Staff und Spieler der beiden Mannschaften. Selbst eine Anfrage dieser Zeitung, zwei weitere Journalisten zu akkreditieren, musste der Medienchef am Freitagmittag ablehnen: Es seien keine neu Akkreditierungen möglich und nur zwei Vertreter pro Medium zugelassen, heisst es in der Weisung des Eishockeyverbandes. «Wir führen eine Liste mit den anwesenden Personen», sagt Felder.

Hier ist das Eishockeyspiel Olten-Langenthal live zu sehen

An folgenden Orten wird das Spiel live via Youtube übertragen:

- Hammer Pub, Olten
- Magazin, Olten
- Gleis 13 beim Bahnhof Olten
- Musigburg im Foyer, Aarburg
- Timeout Sportsbar, Hägendorf
- Gasthof Teufelsschlucht, Hägendorf

Das Geisterspiel bedeutet für den EHC Olten einen Einnahmenausfall bei einer Zahl «im tiefen sechsstelligen Bereich», sagt Geschäftsführer Patrick Reber auf Anfrage. Beim Derby gegen Langenthal hat der Club mit mindestens 4000 Zuschauern gerechnet. In den ersten beiden Heimspielen waren es durchschnittlich deren 3600. Trotz Geisterspiel müsse der Klub ein Minimum an Funktionären und Sicherheitspersonal vor Ort haben. «Wir haben derzeit nur Ausgaben, aber keine Einnahmen», so Reber. Der Aufwand bewege sich zwischen einem höheren vierstelligen bis tiefen fünfstelligen Bereich. Derzeit laufen zudem Abklärungen, ob ein Teil des Ertragsausfalls via Versicherungszahlungen kompensiert werden könnte.
Doch nicht nur finanziell ist die Einbusse gross. «Bei einem so wichtigen Spiel hätten wir natürlich gerne die Fans im Rücken gehabt», sagt Reber. Seine persönliche Meinung dazu ist geteilt: Mit dem vorgegeben Best-of-Seven-Modus sei es «brutal schwierig», den Zeitrahmen bei einer Absage der Spiele einzuhalten. Zum anderen dürfe man sich aber die Frage stellen, ob es Sinn ergebe, weitere Geisterspiele zu veranstalten – nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. «Mit dem Publikum fehlt ein wichtiges Element.»

An der Telefonkonferenz vom Freitagmorgen unter den Swiss-League-Klubs wurde entschieden, die beiden nächsten Play-off-Runden vom Freitag und Sonntag ohne Zuschauer durchzuführen. Welche Haltung hatte der Klub dort vertreten? «Ich wurde fünf Minuten vorher informiert, dass die Telefonkonferenz stattfindet und hatte keine Zeit, mir eine Meinung zu bilden», sagt Reber. Er lässt aber durchblicken, dass er es wohl lieber gesehen hätte, die Spiele wären ganz abgesagt worden. Nach dem Ausscheiden am Freitagabend ist diese Haltung umso verständlicher.
Noch offen ist, was mit den bereits verkauften Eintrittskarten passiert. Weil auch die Firma Ticketcorner involviert ist, laufen derzeit Abklärungen. Am Montag nach der ausserordentlichen Ligaversammlung will der EHC Olten über eine mögliche Rückerstattung informieren.

Gastropartner verteilt verderbliche Ware an Restessbar

Der Gastropartner Aaria Catering & Services muss ebenfalls einen Einnahmenausfall in Kauf nehmen. «Wir haben rund 400 geladenen Gästen abgesagt», sagt Geschäftsführer Daniel Peyer auf Anfrage. Für das Geisterspiel ist nur der Pentadon-Club geöffnet, um die anwesenden Funktionäre und Presseleute zu versorgen. Ein Grossteil der Lebensmittel war zudem bereits bestellt. Nicht verderbliche Ware will er den Lieferanten zurückgeben. Schnell verderbliche Ware wie Brote und Nussgipfel hat er der Restessbar in Olten überlassen.

Mitgründer Tobias Vega findet das eine „tolle Aktion“ und ruft andere Veranstalter dazu auf, übriggebliebenes oder bereits vorbereitetes Essen wegen den nun kurzfristig abgesagten Veranstaltungen nicht wegzuwerfen. „Bei uns kommt alles weg.“