Mein Olten
Quo vadis mit dem EHC Olten und den Eishockeyligen?

Martin Grütter
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Martin Grütter, Präsident IG Sport Olte, nmit Gedanken zur Zukunft des EHC Olten.

Martin Grütter, Präsident IG Sport Olte, nmit Gedanken zur Zukunft des EHC Olten.

Marcel Bieri / KEYSTONE

Ruhig ist es geworden im Eisstadion Kleinholz. Das Eis ist abgetaut, die Garderoben sind geräumt und die Eishockeycracks der 1. Mannschaft des EHC Olten wurden in die Ferien verabschiedet. Die einen werden zu Beginn des Sommertrainings oder im August zum ersten Eistraining wieder zurückkehren. Andere haben Olten verlassen und werden ihr Glück an einem anderen Ort versuchen oder haben ihre Schlittschuhe an den Nagel gehängt.

Einmal mehr ist es nichts geworden aus der grossen Meister- und Aufstiegssause in Olten – schade. Auch ich habe im Stadion beziehungsweise zu Hause am Radio, Fernseher oder Liveticker eine Saison lang mitgefiebert, mich gefreut, gezittert und gehofft, um zum Schluss konsterniert festgestellt, dass es leider wieder nicht gereicht hat.

Wenn ich meine Oltner Brille jedoch beiseitelege, muss ich fairerweise zugeben, dass die Flieger die Finalserie und somit den Swiss-League-Meistertitel sowie den damit verbundenen Aufstieg in die National League verdient gewonnen haben. Gratulation an den EHC Kloten.

Neuer Meisterschaftsmodus ist fragwürdig

Nun steht nebst den alljährlichen Veränderungen der Mannschaftskader auch eine Meisterschaftsmodusänderung an. Der Swiss-League-Meister wird nicht mehr automatisch in die höchste Schweizer Eishockeyliga aufsteigen können, sondern muss den Umweg über eine Ligaqualifikationsserie mit dem Letzten der National League gehen.

Und als ob diese Hürde nicht bereits hoch genug wäre, wird aktuell noch darüber diskutiert, wie viele Importspieler eingesetzt werden dürfen. Die oberste Liga möchte gerne mit sechs ausländischen Spielern antreten, so wie sie auch die Meisterschaft bestreiten wird, was für eine Swiss-League-Mannschaft, welche die Saison lediglich mit zwei Ausländern bewältigen wird, ein Ding der Unmöglichkeit darstellt.

Ungleich lange Spiesse

Somit würden zwei Mannschaften mit ungleichen Spiessen aufeinandertreffen und die Türe für einen Aufstieg wäre nur noch einen kleinen Spalt breit offen. Der sportliche Abstieg eines Teams aus der National League könnte so fast ausgeschlossen werden. Eigentlich möchte die oberste Eishockeyliga das Abstiegsgespenst am liebsten mit einer geschlossenen Liga gänzlich aus den Stadien verbannen.

Aus sportlicher Sicht und vom Blickwinkel der Fans, immer noch ohne Oltner Brille, wäre ein Modus mit einem fixen Aufsteiger und einem möglichen zweiten Kandidaten via Ligaqualifikation das richtige Vorgehen. Das Abstiegsgespenst wäre dann zwar doppelt vorhanden, hätte jedoch von seinem Schrecken verloren, weil ein Wiederaufstieg eher möglich wäre als beim jetzt geplanten Modus.

Ein Weg zur strukturellen Gesundung

In den meisten Sportarten und Ligen der Sportwelt kennt man diesen Modus seit Jahren und kaum jemand beschwert sich darüber. Mehr Mannschaftswechsel in beiden Ligen machen die Meisterschaften auch für das Publikum interessanter. Zudem bringt meiner Meinung nach ein Abstieg und späterer Wiederaufstieg auch seine Vorteile mit sich. Es gibt einem Klub auch die Chance zur finanziellen und/oder strukturellen Gesundung.

Die Entwicklung von National-League-Klubs wie Biel, Lausanne und Rapperswil, welche diesen Weg gehen mussten, zeigt auf, dass sie gestärkt hervorgegangen sind. Wie im wirklichen Leben: Manchmal muss man einen Schritt zurückmachen, um zwei Schritte weiterzukommen. Entscheidend ist der Fortschritt.

Dann – bis im Herbst 2022

Wie dem auch sei: Ich werde mich während der Eishockeypause anderen sportlichen Dingen in und um Olten widmen. Im Herbst werde ich mich wieder im Eisstadion Kleinholz einfinden, um mit unserem EHC Olten eine Saison lang mitzufiebern, mit zu freuen, mit zu zittern und mit zu hoffen. Ich bin gespannt, wohin die Reise gehen wird.

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