Olten

«Situation zunehmend schwieriger»: Bürgergemeinde stellt die «Weingarten»-Leiterin frei

Unüberbrückbare Differenzen zwischen Leitung und Verwaltungskommission zwingen die Bürgergemeinde Olten als Betreiberin des Alters- und Pflegeheims Weingarten zum Handeln. Seit kurzem ist die Leiterin freigestellt.

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Das Alters- und Pflegeheim Weingarten steht noch bis Anfang Januar 2021 ohne offizielle Heimleitung da.

Das Alters- und Pflegeheim Weingarten steht noch bis Anfang Januar 2021 ohne offizielle Heimleitung da.

Bruno Kissling

Das Schreiben von Mitte September an Bewohnende und deren Angehörige sowie Mitarbeitende des Alters- und Pflegeheims Weingarten spricht eine deutliche Sprache: «Frau Verena Hert ist mit heutigem Datum freigestellt und von allen Pflichten und der Führungsverantwortung entbunden. Ihre Zugangsberechtigung in ihrer Funktion als Heimleiterin und die damit verbundenen Verantwortlichkeiten erlöschen vollständig mit heutigem Datum.»

Schwierigkeiten wurden zusehends grösser

Was ist da bloss vorgefallen? «Die Situation hat sich als zunehmend schwieriger werdend dargestellt», sagt Bürgerpräsident Felix Frey auf Anfrage. Von einer veritablen Gesprächsverweigerung und auch Kompetenzüberschreitungen ist die Rede. Konkret: Die freigestellte Heimleiterin möchte sich nicht mehr mit der aufsichtführenden Verwaltungskommission der Bürgergemeinde Olten unterhalten. Verständlich, dass die Betreiberin des Heimes darin eine gewisse Eigenmächtigkeit und Überheblichkeit zu erkennen glaubte. Dies das eine.

Zum andern hatte die seit 2012 amtierende Heimleiterin Kündigungen ausgesprochen, welche gemäss Vorschrift auch vom Präsidium der Verwaltungskommission hätten befürwortet und unterschrieben werden müssen. Dem war allerdings nicht so. Hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand war von Dritten in der Vergangenheit von einem «Terrorregime» gesprochen worden, welches die freigestellte Heimleiterin im «Weingarten» aufgebaut haben sollte. «Wir wussten, dass Fluktuationen recht häufig zu vermelden waren», berichtet Frey.

Richtig hellhörig aber wurde die Bürgergemeinde Olten als Betreiberin des Alters- und Pflegeheims Weingarten erst, als sich gekündigte beziehungsweise freigestellte Mitarbeitende meldeten und aus ihrer Sicht die Verhältnisse schilderten.

Aktiv über das Pensionsalter hinaus

Keine guten Voraussetzungen dafür, Verena Hert über ihr eigentliches Pensionsalter hinaus als Heimleiterin zu beschäftigen. Gemäss ihrem Wunsch nämlich hätte sie den «Weingarten» noch weitere zwei Jahre führen wollen und wäre damit erst Ende August 2022 in den Ruhestand getreten. Die zuständige Behörde war der Idee zuerst nicht abgeneigt. Allerdings hatten sich in der Verwaltungskommission personelle Veränderungen und damit auch eine veränderte Praxis in der Zusammenarbeit mit der Heimleitung ergeben.

Die zu Tage getretenen Vorkommnisse der jüngsten Vergangenheit wie etwa die bereits erwähnte Gesprächsverweigerung verlangten nach einem Kompromiss. So sollte das über das Pensionsdatum hinauslaufende Arbeitsverhältnis lediglich noch maximal um sechs Monate verlängert werden. Ein Entscheid, mit dem sich Verena Hert allerdings nicht einverstanden erklärte und deswegen rechtliche Schritte androhte. «Wir unsererseits sehen keine Veranlassung, juristische Schritte gegen Frau Hert einzuleiten», so Frey. Für die Bürgergemeinde Olten sei die Angelegenheit mit der ausgesprochenen Freistellung erledigt.

Freigestellte Heimleiterin war nicht erreichbar

Trotz weitreichender Bemühungen blieb Verena Hert für eine Stellungnahme rund um ihre Freistellung für diese Zeitung nicht erreichbar. Bereits in den Jahren zuvor war das Altersheim Weingarten in die Schlagzeilen geraten. So berichtetet diese Zeitung im November 2016 über die Vorhalte ehemaliger Mitarbeitenden, im «Weingarten» würden willkürlich Kündigungen ausgesprochen; es herrsche eine rigide Arbeitsatmosphäre.

Im Juni darauf hatte die Gewerkschaftszeitung «Work» der Unia über die schwierigen Verhältnisse im «Weingarten» berichtet, später folgten das Regionaljournal Aargau/Solothurn und ein Beitrag in «Schweiz aktuell» von SRF. Die Rede war dabei etwa von mangelhafter Ernährung der Heimbewohner oder fehlenden beziehungsweise knapp gehaltenen sanitarischen Hilfsmitteln wie etwa Windeln.

Haltlose Vorwürfe wurden zurückgewiesen

Der seinerzeitige Verwaltungskommissionspräsident Walter von Känel hatte sich damals schriftlich geäussert und zu verstehen gegeben: «Die Vorwürfe sind absolut haltlos und ich weise sie in aller Form zurück.» Ein vom Amt für soziale Sicherheit empfohlenes Qualitätsaudit, dessen Ergebnis Anfang 2018 öffentlich wurde, zeigte, dass sich die Anschuldigungen gegen die Heimleitung nicht bestätigen liessen.

Das Amt wertete das Ergebnis des Qualitätsaudits gegenüber dieser Zeitung als «grundsätzlich positiv». Verena Hert äusserte sich zum Auditergebnis wenig überrascht und meinte gegenüber dieser Zeitung lediglich, freuen würde sie sich darüber schon.

Betriebliche Kontinuität immer gewahrt

Frey lässt im Übrigen nicht unerwähnt, dass die betriebliche Kontinuität im «Weingarten» jederzeit absolut gewahrt blieb. Der Vertragsabschluss mit dem ordentlichen Nachfolger Herts steht unmittelbar bevor, die Heimleitung ad interim liegt noch bis Anfang Januar 2021 bei der Leiterin Pflegedienst, Helga Bethke.

Im Weiteren glaubt der Bürgerpräsident auch, die betriebliche Atmosphäre habe sich zwischenzeitlich im «Weingarten» deutlich entspannt.