Olten

Virtuose «Blechbuben» retten die Welt

Die achtköpfige Band unglauBlech gastierte in der Schützi Olten mit ihrem Programm Alltag; dieses ist zumindest nicht alltäglich.

Urs Huber
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Bunt, keck, grenzenlos: Das ist unglauBlech auf der Bühne der Schützi.

Bunt, keck, grenzenlos: Das ist unglauBlech auf der Bühne der Schützi.

Oltner Tagblatt

Was soll man bloss sagen über die Gangart dieser acht Musketiere der Blechmusik? Schräg, skurril, ungeniert? Wer die Adjektive nicht negativ klassifiziert, wird mit jedem von ihnen irgendwie den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf getroffen haben.

Skrupellos, aber nur im musikalischen Sinn

Die Band unglauBlech, zu der momentan auch der Oltner Stephan Fröhlicher gehört, bezeichnet sich selbst als hemmungs- und skrupellos. Logisch, nicht im moralischen, sondern im musikalischen Sinne. Ein knapp zweistündiges Programm für drei Trompeten, drei Posaunen, einen Tubisten und einen Perkussionisten entführt in eine Vielzahl an musikalischen Stilen. Virtuos und lustvoll gegeben riskiert der Aussenstehende über all der Fülle fast gar an seiner persönlichen Überfordertheit zu verzweifeln. Aber: Er findet dann doch Halt in Bekannterem: «Rocketman» von Elton John, «Not yet» von Michel Camilo oder Claptons «Tears in Heaven» sind Bestandteil von «Alltag». Man kann also – sich im Stuhl räkelnd – in der Gewissheit aufatmen, doch nicht ganz von einer anderen Welt zu sein. Aber: Man muss auch nicht alle Stücke kennen. Es reicht schon aus, diesem Oktett beim Spielen zuzusehen, zuzuhören, zu geniessen und sich dessen Alltag, den Tag im All, vorzustellen.

Gut: Die Geschichte neben dem Musikalischen kann auch nur Berufsmusikern einfallen. Weil das Setting suggeriert, die Welt und damit die Erde könnten in «Alltag» nur durch einen grandiosen Vortrag bei einem interstellaren Musikwettbewerb gerettet werden. Aber die galaktische Acht, wie man das Ensemble auch nennen möchte, inszeniert das alles mit viel spitzbübischem Schalk und charmanter Selbstironie. Der Zuhörer ist noch nicht mal darob überrascht, dass unglauBlech den Wettbewerb um Leben oder Verderbnis denn auch gewinnt.

Und dann auf ein Bier, oder auch zwei

Es gehört zu dieser unverstellten unkomplizierten Art von unglauBlech, sich rasch unters Publikum zu mischen. Aber natürlich erst nach dem letzten Schlussakkord, den David Rufer (in Blau) jeweils mit einem leichten Schwenk seines Zuges abzuwinken pflegte. Dann sind einem die Acht so nahe, als hätte man gemeinsam die Primarschule besucht. Mit ihnen auf ein Bier, vielleicht auch deren zwei: Was will man mehr zum Abschluss eines mehr als gelungenen Abends. Und müde wirken sie auch nicht, die Acht, begrüssen Freude mit einem Handschlag jener Sorte, der auf Nähe schliessen lässt. Und während sich die Mehrzahl der gut 70 Gäste auf den Heimweg macht, fragt der eine den anderen: «Und?» Sagt der andere: «Unglaublech.»