Wangen bei Olten
Ein Neubau der Unterführung wird klar abgelehnt – über 70 Prozent sagen Nein

Die Stimmbevölkerung von Wangen bei Olten hat einen Neubau der Unterführung mit über 70 Prozent der Stimmen deutlich abgelehnt. Das könnte Folgen für das geplante Dorfzentrum haben.

Fabian Muster
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Visualisierungen neue Personenunterführung in Wangen bei Olten

Visualisierungen neue Personenunterführung in Wangen bei Olten

Visualisierung: Zvg

Das Resultat spricht eine deutliche Sprache: Die Stimmbevölkerung in Wangen bei Olten will keinen Neubau der Unterführung: 71,5 Prozent sagten Nein, nur 27,8 Prozent Ja. Oder in absoluten Zahlen ausgedrückt: 1279 von 1793 eingegangenen Wahlzetteln waren dafür, 497 dagegen. Dazu kamen 13 leere und 4 ungültige Stimmen. Die Stimmbeteiligung lag bei 54,5 Prozent. An der Gemeindeversammlung Ende April sah das Ergebnis noch anders aus: Damals gab es 57 Ja zu 20 Nein bei 4 Enthaltungen.

Für Gemeindepräsidentin Daria Hof ist das deutliche Ergebnis eine Überraschung: Sie sei erstaunt gewesen, dass das Nein so hoch ausgefallen sei, sagt sie auf Anfrage. Dies, obwohl sie damit gerechnet habe, dass ein Neubau abgelehnt würde. Zu den möglichen Gründen möchte sie sich noch nicht äussern. Das klare Volks-Nein will sie aber nicht als Kritik am Gemeinderat verstanden wissen, der in der Finanzpolitik falsche Prioritäten gesetzt hat – ein Vorwurf der Gegner. «Es wäre falsch gewesen, wenn wir eine solch einmalige Chance nicht vors Volks gebracht hätten», sagt sie. In Sachen Schulraumplanung hofft Hof, bis zur Gemeindeversammlung kommenden Dezember mehr zu den Investitionskosten sagen zu können. Brutto 7,6 Millionen Franken hätte der Neubau der leicht nach Westen verlegten Unterführung gekostet. Mit einer Million hätten sich die SBB daran beteiligt und auch vom Agglomerationsprogramm Aareland 4. Generation hätte die Gemeinde zwischen 30 und 50 Prozent an die Gesamtkosten erhalten. Der Gemeindeanteil hätte netto noch zwischen 3,3 und 4,6 Millionen betragen.

Die derzeitige Unterführung bleibt vorläufig bestehen.

Die derzeitige Unterführung bleibt vorläufig bestehen.

Patrick Lüthy

Die SBB werden laut Hof trotz des Neins der Gemeinde ihren Teil durchziehen: Das heisst, der Bahnhof soll barrierenfrei umgebaut werden. Der Perronaufgang zum Gleis wird wohl dementsprechend länger. Ob die Gemeinde gleichzeitig mit den Bautätigkeiten der SBB bei der bisherigen Unterführung Ausbesserungsarbeiten vornehmen wird, ist gemäss Hof nicht klar. Eine Zustandsanalyse des Baus existiert bisher nicht.

Wie weiter beim geplanten Dorfzentrum?

Das Volks-Nein könnte auch Folgen für das neue Dorfzentrum haben, das im Gebiet Danzmatt geplant ist (wir berichteten).

«Wir müssen da über die Bücher, wie oder ob überhaupt wir das Projekt weiterentwickeln wollen»,

sagt Hof. Diese Diskussion will die Gemeindepräsidentin mit dem neuen Gemeinderat führen, der ab August in die neue Legislatur startet. Gegenüber dieser Zeitung sagte sie Ende Mai zwar, dass die beiden Projekte – neue Unterführung und Dorfzentrum – «grundsätzlich nichts miteinander zu tun haben». Doch ein Neubau der Unterführung hätte einen «positiven Effekt» auf das Dorfzentrum gehabt, dieses könne aber auch mit der bestehenden Unterführung realisiert werden, sagte sie.

Unterführungs-Gegner: «Leuchtturmprojekt» verworfen

Die Gegner der geplanten Unterführung werten das klare Volks-Nein «als deutliches Zeichen an die Behörden, die auf Prestige ausgerichtete Investitionspolitik zu stoppen, diese auf das Wesentliche zu beschränken, klare Prioritäten festzulegen und so auszurichten, dass eine Steuererhöhung vermieden wird», schreiben René Frankiny, Urs Hänggi und Roland Rötheli in einer Mitteilung. Man habe ein «Leuchtturmprojekt» verworfen, obwohl nur zwei von sieben Mitgliedern des Gemeinderats ein Nein unterstützt haben.

«Dies zeigt deutlich, dass die Mehrheit der Behörden andere Werte vertritt und weit entfernt ist von der mehrheitlichen Volksmeinung.»

Dies gelte auch für die Präsidenten der FDP, SP und der Grünen.