Virtuell reanimieren

Auf diesen Plattformen können Sie das Solothurner Gewerbe unterstützen

Projekte, um das Gewerbe in der Stadt Solothurn zu unterstützen, gibt es derzeit viele. Doch wie funktionieren sie und wer steckt dahinter? Eine Übersicht.

Gülpinar Günes
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Markttreiben in der Hauptgasse: Ein zurzeit undenkbares Bild. (Archiv)

Markttreiben in der Hauptgasse: Ein zurzeit undenkbares Bild. (Archiv)

Tina Ulrich

Mehr als zwei Wochen ist es her, seitdem der Bundesrat die «ausserordentliche Lage» in der Schweiz erklärt hat. Seither zittern das Solothurner Kleingewerbe und die Marktfahrenden um ihre Existenz. Doch mit den Ängsten wächst auch die Kreativität, damit das dringend benötigte Geld fliesst. Die Interessengemeinschaft des Wochenmarkts beispielsweise will mit der Übersicht «Märet@home» die Kundschaft in die Läden der Marktfahrenden locken. Und das Gewerbe setzte auf Onlineshops und Heimlieferungen während dieser Zeit.

Zeitgleich spriessen diverse Solidaritätsprojekte von Privaten aus dem Boden, die das Gewerbe unterstützen wollen. Übersichtlich sind die vielen Angebote aber schon lange nicht mehr. Deshalb folgt hier eine Übersicht der grössten Gewerbeplattformen in der Stadt Solothurn, die von Freiwilligen ins Leben gerufen wurden.

«Solotharity»: Gutscheine zur Unterstützung

Website: solotharity.projektstarter.ch

«Solotharity» verkauft in erster Linie Gutscheine von betroffenen Unternehmen, wie Coiffeur- oder Massagesalons. Daneben präsentiert die Website weitere Projekte, die während des Lockdowns angeboten werden. Dazu gehören Lieferdienste, Einkaufshilfen oder gewerbliche Dienstleistungen. Es war eines der ersten Projekte dieser Art und besteht seit der ersten Woche der «ausserordentlichen Lage».

Hinter der Idee steht die Designatelier GmbH aus Solothurn. Ihr Hauptgeschäft ist die Gestaltung von Marken und Produkten. Doch das Team hat auch die Crowdfunding-Plattform «Projektstarter» auf die Beine gestellt. Darauf basiert auch die Website von «Solotharity». «Es war sehr naheliegend für uns, diese Kampagne zu starten», sagt Lukas Wullimann, Geschäftsführer des Ateliers. Rund vier Angestellte, alle aus der Region Solothurn, arbeiten an der Plattform.

Mittlerweile sind 22 Projekte aufgeschaltet, und es kommen immer mehr dazu. «Das Projekt findet bei den Unternehmen an Gefallen», erklärt Wullimann. Er sei in Kontakt mit diversen Gewerbevereinigungen, um möglichst viele KMU auf das Angebot aufmerksam zu machen.

Ein Gewinn springe dabei für das Atelier nicht heraus, wie er sagt. «Es geht nicht um den Profit, sondern um die Unterstützung.» Lediglich zwei Prozent des Gutscheinverkaufs werde dem Designatelier zur Deckung der Fremdkosten gutgeschrieben. Im Vergleich mit den anderen Plattformen, die Gewerbe unterstützen, steht bei «Solotharity» die direkte finanzielle Unterstützung von Unternehmen im Vordergrund. «Die Plattformen wirken aber ergänzend zueinander», sagt Lukas Wullimann. Wichtig sei es, die Möglichkeiten den Konsumenten und den Unternehmern näher zu bringen.

«Local Hero» Solothurn: Das online Schaufenster

Website: www.solothurn.local-hero.ch

Die Idee hinter «Local Hero» Solothurn ist es, virtuelle Schaufenster für die Solothurner Altstadt zu kreieren. Sie dient den Unternehmen im Prinzip als Plattform, ihr Angebot attraktiv und kostenlos zu präsentieren. Das können Öffnungszeiten, Onlineshops oder auch Heimlieferungen sein.

Die Website «Local Hero» entstand zu Beginn der Coronakrise und bot die Idee zunächst für die Stadt Bern an. Als der Solothurner Kevin Gander darauf aufmerksam wurde, wollte er das auch für seine Herzensstadt anbieten. «Die Altstadt mit den vielen Kleinunternehmen ist zu einer Geisterstadt verkommen», sagt er. «Das will keiner.» Bei einer kleinen Tour sei ihm aufgefallen, dass mehr als zwei Drittel der Schaufenster ein Spezialangebot hätten, die aber niemand sieht, weil niemand mehr zufällig vorbeischlendert. In Zusammenarbeit mit dem Kollegen aus Bern sei die Website für Solothurn aber schnell auf die Beine gestellt worden und ist seit dem 23. März online. «Nun kann man online ‹schnöiggen› gehen», sagt Gander und schmunzelt.

Präsent mit ihrem Angebot sind 19 Unternehmen aus Stadt und Region Solothurn. Die Idee komme gut an. «Die Unternehmer finden es super», sagt Gander. Manche hätten zunächst ungläubig reagiert, weil das Angebot gratis ist, seien dann aber sehr positiv überrascht gewesen. «Wir erhalten viel Zuspruch», sagt er. Mittlerweile sind Daniel Wagmann, Inhaber vom «Chuchilade» und Lea Burki vom «Tropical Bike Team» aus Solothurn mit an Bord und unterstützen Gander mit ihrem Netzwerk.

«Unsere Plattform soll die Leute dazu bewegen, auch nach der Coronakrise lokale Unternehmen zu unterstützen», sagt Gander. Willkommen seien auch Unternehmen aus dem oberen Kantonsteil.

«Solydarity»: Onlineshop für Solothurn

Website: www.solydarity.com

Das jüngste Projekt erweitert den Ansatz von «Local Hero» und ist namentlich mit dem ersten Projekt zum Verwechseln ähnlich: Auf solydarity.com sind neben Kleingewerbe auch Angebote von Gastronomie und des Wochenmarktes zu finden. Über die Website erfährt der Kunde, wie er zu seinen Lieblingsmenüs oder zu den Produkten seines Lieblingshändlers gelangt.

Die Idee für die Plattform hatte Aline Bühler aus Riedholz. Sie ist 20 Jahre alt und studiert Betriebswirtschaft. Als grosser Fan des Wochenmarkts in Solothurn wollte sie ihn virtuell wieder ins Leben rufen. «Das Märet-Angebot hebt uns von den anderen Plattformen etwas ab», sagt sie. Auch bei den Marktfahrern sei die Idee auf grosses Interesse gestossen. Mit Hilfe von Annina und Benjamin Helmy, beide ebenfalls junge Studenten aus Solothurn mit guten Informatikkenntnissen, schaltete sie vor einer Woche die Plattform hoch. Mittlerweile befinden sich bereits über 40 Angebote auf der Website.

«Wir machen das aus Liebe für Solothurn», sagt Aline Bühler. «Unser Lohn ist das Weiterleben der Stadt.» Dabei kommt das Studium, das über Podcasts von zu Hause aus geführt wird, etwas zu kurz. Doch: «Das Ganze ist wie ein Praktikum für mich», sagt Bühler. Ihre Aufgabenliste werde zwar immer länger, aber das Projekt sei wichtiger im Moment. «Es macht einfach Spass.»

Übersicht der Stadt- und Gewerbevereinigung

«Die Reaktionen auf die Plattformen sind sehr positiv», sagt Charlie Schmid, Geschäftsführer der Stadt- und Gewerbevereinigung von Solothurn. Auch die Vereinigung hat mit www.so-ist-offen.ch eine Übersicht der Angebote erstellt.

Unsere Übersicht finden Sie hier.