Solothurn

Bankenvertreter suchten Gespräch mit Solothurner Bevölkerung

Der höchste Banker der Schweiz, der Genfer Patrick Odier, machte am Mittwochabend der Solothurner Bevölkerung seine Aufwartung. Er warb um Verständnis für den Finanzplatz.

Andreas Toggweiler
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Banken-Anlass in Solothurn
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Aufmerksame Zuhörer im Alten Spital
Gatsgeber Markus Boss ergreift das Wort
Markus Boss begrüsst die Gäste
Josef Maushart (links) und Markus Grütter
Patrick Odier wird von Katja Gentinetta interviewt

Banken-Anlass in Solothurn

Hansjörg Sahli

Wenn der Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung nach Solothurn kommt, um über «eine Zukunftsstrategie für den Finanzplatz Schweiz zu referieren, wird klar: Es sind tiefgreifende Umwälzungen in dieser Branche bevorstehend oder bereits im Gang. Ist der massive Stellenabbau bei UBS vielleicht erst ein Wetterleuchten?

Odier bemühte sich in seinem Referat ein Bild des Finanzplatzes zu zeichnen, der wieder in der Lage ist, seine Stärken auszuspielen: Stabilität im Sinne von Währungsstabilität und Rechtssicherheit, Universalität im Sinne von Offenheit und einer Vielzahl von Dienstleistungen, Verantwortlichkeit gegenüber Kunden und Personal und Exzellenz im Sinne einer herausragenden Qualität der Dienstleistungen dank gut ausgebildetem Personal.

Wichtige Privatsphäre

Auch die Aufrechterhaltung von Privatsphäre sei nach wie vor ein wichtiger und wettbewerbsrelevanter Faktor des schweizerischen Bankwesens und die Abgeltungssteuer sei das Werkzeug, um diese in die Zukunft zu retten. «Ohne die Abgeltungssteuer werden wir noch sehr lange grosse Schwierigkeiten in den Wirtschaftsbeziehungen mit anderen Ländern haben», sagte Odier. Die Hoffnung auf ein Ja in Deutschland hat er noch nicht ganz aufgegeben.

Odier räumte ein, dass auch Schweizer Banken Fehler gemacht hätten. «Wir haben aber aus den Fehlern gelernt und die Konsequenzen gezogen. Die Risiken wurden reduziert und die Eigenkapitalbasis wurde gestärkt.»

Krise besser gemeistert

Der Druck auf die Schweizer Banken komme auch daher, dass das Ausland glaube, die Schweiz habe von der Krise profitiert, was nicht stimme. «Wir haben die Krise aber besser gemeistert als andere.»

Anschliessend an den Vortrag diskutierte Odier mit Christian Wanner, Präsident der Schweizerischen Finanzdirektorenkonferenz und Solothurner Finanzdirektor, Kantonsrat und Bauunternehmer Markus Grütter, Industrie-Unternehmer Josef Maushart (Fraisa SA), Markus Boss, CEO der Regiobank Solothurn und Claude-Alain Margelisch, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schweizerischen Bankiervereinigung über das Thema «Herausforderungen für einen starken Finanz- und Werkplatz Schweiz».

Das Podium war sich dabei weitgehend einig, dass man Werkplatz und Finanzplatz nicht gegeneinander ausspielen dürfe. «Sie sind wie siamesische Zwillinge», sagte auch Handelskammer-Direktor Roland Fürst in seinem Schlussresumée.

Pauschalbesteuerung umstritten

Doch es gibt durchaus Nuancen: So zeigte Christian Wanner «Verständnis dafür, wenn ein Staatswesen die Steuern, die es zugute hat, auch einziehen will» - sofern es der Staat nicht zu bunt treibe und seinen Reichen 75 Prozent des Einkommens wegbesteuere wie Frankreich. Womit sich Wanner - im Gegensatz etwa zu Unternehmer Maushart - auch für die Weiterführung der Pauschalbesteuerung aussprach. Diese sei eine weitere unnötige Provokation, sagte Maushart, der im übrigen die Banken lobte, sie hätten den Schweizer Unternehmen in der Krise die Stange gehalten. Auch von Grütter erhielten die Banken mehrheitlich gute Noten. Auf die Frage von Gesprächsleiterin Katja Gentinetta, wie denn eine Lokalbank die Abgeltungssteuer in der Praxis umsetze, sagte Markus Boss, dass im Moment in der Regiobank fünf Personen damit beschäftigt seien. Der Anlass im Alten Spital wurde von der Regiobank Solothurn, der Schweizerischen Bankiervereinigung und der Solothurner Handelskammer organisiert.