Solothurn

Bewusst einkaufen: Diese Unternehmerinnen setzen auf nachhaltige Mode

Unternehmerinnen, die nachhaltige Kleider und Schmuck verkaufen, erklären ihre Motivation. Ein kleiner Rundgang durch Solothurn.

Lucilia Mendes
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Zu Besuch bei den Frauen hinter «Joy’s Choice», «Seidenkinder» und «TrèsOr».

Zu Besuch bei den Frauen hinter «Joy’s Choice», «Seidenkinder» und «TrèsOr».

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Biogemüse vom Markt, Ferien in der Schweiz, E-Bike anstatt Auto – der Trend zur Nachhaltigkeit zieht sich durch fast alle Bereiche des Lebens. Seit Corona wird wieder mehr eingemacht und gebacken. Auch Recycling und Upcycling sind weit verbreitet. Immer mehr steigt nun auch das Bedürfnis, bei der Mode verantwortungsvoller einzukaufen. Konsumentinnen und Konsumenten wollen nicht mehr zehn T-Shirts, die nur eine Saison halten, sondern lieber ein paar wenige, die aber nachhaltig produziert sind – und auch einen fairen Preis haben.

Auch in Solothurn setzt sich nachhaltige Mode immer mehr durch. Secondhandkleiderläden sind nicht mehr düster und schmuddelig, sondern laden in schönen Altstadt-Räumlichkeiten zum Stöbern ein. Und dann gibt es immer mehr Läden, die auch bei Neuware komplett auf Nachhaltigkeit setzen. Einer davon ist «Joy’s Choice» an der Schmiedengasse.

Tom Ulrich

«Deine Kaufentscheidung beeinflusst die Welt»

Joy Büschlen, Besitzerin des kleinen, bunten und freundlichen Ladens, verkündet die Philosophie auf ihrer Website ganz klar: «Deine Kaufentscheidung beeinflusst die Welt – jedes Mal. Die Modeindustrie hat bis anhin viel Leid verursacht, doch wir können anfangen, etwas daran zu ändern und Verantwortung zu übernehmen.» Faire Mode verkauft sie in ihrem Laden, wie sie betont und: «Fair ist für mich, wenn alle, von den Herstellenden bis zu den Tragenden, nachhaltig Freude daran haben und die Umwelt nicht unnötig belastet wird.»

Die angebotenen Artikel sind nicht nur fair produziert, sondern zu einem grossen Teil auch vegan. Zusätzlich wird im Unter geschoss unter dem Namen «Schmuckwerk 26» von Debora Renggli nachhaltiger Schmuck verkauft – und vor allem her gestellt. Nachhaltiger Schmuck? «Ich fertige sämtliche Stücke aus Ökogold an», erklärt sie –also aus recyceltem Edelmetall.

Seit kurzem komplett auf Nachhaltigkeit setzt auch der Kinderkleiderladen «TrèsOr» am Stalden. Bei der Neuware haben Marie-Laure Fröhlicher und Isabella Staub Jäggi schon von Anfang an darauf geachtet, dass sie durchweg nachhaltig produziert ist. Um dies gewährleisten zu können, bieten sie ökologische und soziale Marken an, die mit dem Global Organic Textile Standard (GOTS) ausgezeichnet sind.

Isabella Staub Jaeggi (l.) und Marie-Laure Fröhlicher vor ihrem Laden.

Isabella Staub Jaeggi (l.) und Marie-Laure Fröhlicher vor ihrem Laden.

Tom Ulrich

Nur nachhaltige Secondhandkleider

Seit Beginn führt der kleine Laden auch ein Secondhandangebot. Diesen Sommer merkten die beiden Inhaberinnen: «Getragenen Kleidern ein zweites Leben zu schenken, ist zwar an und für sich schon sehr nachhaltig, aber wir wollten noch einen Schritt weiter gehen.»

Konsequenterweise wird seit dem Herbst nun nur noch Ware von nachhaltigen Labels angenommen – zum Teil auch Selbstgenähtes: «Am Anfang sahen die Regale im Secondhandbereich etwas leer aus, aber es ist unglaublich, wie schnell sich nun plötzlich alles füllt.»

Webshop mit Kleidung, Spielzeug und Accessoires

Ein weiterer Anbieter ist der Online-Shop «Seidenkinder». Die Initiantinnen dieses Shops, Sabine Messer und Anna Haseloff, sind in Solothurn zu Hause und arbeiten von hier aus. Mit dem Online-Angebot haben sie sich einen Traum erfüllt: «Seit Herbst 2019 führen wir einen eigenen Webshop mit natürlicher Kinderkleidung, handgefertigten Spielzeug und Accessoires mit einem minimalistischen Design. Dabei verfolgen wir die Waldorf-Philosophie – und zwar versuchen wir dies auf eine frische und moderne Art.»

Sabine Messer (links) und Anna Haseloff

Sabine Messer (links) und Anna Haseloff

Tom Ulrich

Sie sind überzeugt, dass weniger mehr ist und der Weg zurück zur Natur führen muss. Im Angebot findet man darum langlebige, zeitlose Produkte, die oft in Handarbeit oder unter fairen Bedingungen produziert wurden. «Wir arbeiten mit kleinen Labels und Familienbetrieben zusammen.»

Damit auch der Versand der Ware nachhaltig ist, verwenden sie gebrauchte Schachteln. Das sei zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig gewesen. Dafür werde jedes Produkt liebevoll eingepackt und zu jeder Lieferung verfassen die «Seidenkinder»-Frauen eine handgeschriebene Karte.

Alle obenerwähnten Inhaberinnen sind sich einig, dass Nachhaltigkeit nicht ein Trend, sondern die Zukunft ist. Oder wie Joy Büschlen es formulierte: «Das ist nur der Anfang. Wir sind sicher, dass man sich auch beim Kleiderkauf immer mehr die Frage nach der Herkunft und Produktionsart stellt. Nachhaltige Mode wird immer mehr zur Selbstverständlichkeit.»