Solothurn
Der «Immobilien-Tycoon» schlägt zu: Urs Rudolf kauft Restaurant Rust

Auch das Haus der Familie Rust reiht sich in das Immobilien-Imperium von Urs Rudolf ein. Er, der wohl gegen 20 Altstadtliegenschaften in Solothurn erworben hat, will nach Möglichkeit das Restaurant mit seinen 100 Aussenplätzen weiterführen.

Wolfgang Wagmann
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Die Ära Rust neigt sich am Märetplatz dem Ende zu - das Haus wird an Urs Rudolf (links) verkauft.

Die Ära Rust neigt sich am Märetplatz dem Ende zu - das Haus wird an Urs Rudolf (links) verkauft.

WW

Der Blick aus seinem Büro wird von einer einzigen, ockergelben Fassade beherrscht. Seit x Jahren kann sich Urs Rudolf oben am Märetplatz vorstellen, wie das so wäre, wenn ...

Und jetzt hat er geschafft: Seine Solothurnische Immobilienverwaltung SIV reiht das Haus Rust in die wohl 20 Objekte umfassende Reihe von Altstadtliegenschaften ein, die Rudolf im Laufe der Zeit erwerben konnte.

Wobei er wählerisch geworden ist: «Mich interessieren nur noch Objekte im ‹Ypsilon›.» Also in Toplage. Dazu gehört das Haus an der Hauptgasse 45 definitiv.

Und das Restaurant?

Die «100 Aussenplätze an bester Lage» inspirieren Urs Rudolf, trotz besserer Rendite beim Vermieten an eine Textilkette. über einen Weiterbetrieb des Restaurants nachzudenken. «Es müsste gut organisiert sein, ein ‹Premium Café› könnte es sein.» Starbucks? «Will ich nicht ausschliessen.» Und nach einer Pause: «Aber das wäre nicht unsere Priorität.» Was sie ist, weiss Rudolf selbst noch nicht. «Wir sind erst in den Startlöchern», begrüsst er die Zeitspanne bis im November, in der das Haus noch von der Familie Rust beansprucht wird.

Hauptgasse 45: Ein Haus mit verschiedenen Gesichtern

Das Haus Hauptgasse 45 entstand 1664, als man zwei Doppelhäuser an der Verzweigung Gurzeln- und Hauptgasse abriss, womit der Märetplatz geschaffen wurde. Ab 1677 errichtete Johann Joseph Uecheret einen dreigeschossigen Neubau, der wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts um ein viertes Geschoss erhöht wurde. Zwischen 1703 und 1824 gehörte das Haus der bekannten Familie Gugger. 1910 wurde die bis dahin als Restaurant «Café Federal» geführte Liegenschaft von Kaufmann Henry Peternier erworben und völlig neu zu einem Warenhaus umgebaut. Vorgesetzte Balkönchen, ein Erker und drei grosse flache Bogenfenster gaben dem Haus ein eigentümliches Gepräge und führte zu einer Kontroverse mit dem damals gerade gegründeten Solothurner Heimatschutz. Ehe 1976 die Brüder Rudolf und Niklaus Rust als neue Besitzer das Haus wieder angelehnt an das ursprüngliche Erscheinungsbild umbauen liessen, hatte dort die Büromaschinen AG ihr Geschäftsdomizil. Vor dem Haus befanden sich bis zu diesem Zeitpunkt Parkplätze, die nun zugunsten einer grosszügigen Terrasse wichen. Diese wurde mit der Einführung der Fussgängerzone in der Altstadt von der Stadt an die Restaurantbetriebe an der Westseite des Märetplatzes vermietet. (ww)

Vieles sei substanziell gut am Haus. Die Betonböden, die Bodenheizung, die gleich drei Liftanlagen. «Sicher werden wir die Fassade und die Dachuntersicht renovieren müssen. Und irgendwann werden wir auch die (vier) Wohnungen in den Obergeschossen modernisieren.» Unten dagegen bestehen für den neuen Besitzer etliche Optionen, zumal im Parterre auch noch ein Telekommunikations-Anbieter eingemietet ist.

Lachendes und weinendes Auge

Seit bald 30 Jahren wirtet Niklaus Rust im gleichnamigen Restaurant und Bistro. Den Namen Rust trug bis vor 15 Jahren auch das Blumengeschäft nebenan, ehe die eine Tochter von Rudolf Rust, Bettina, mit dem Geschäft auszog. «Ja, Ende September werde ich hier aufhören, und ab 1. November geht das Haus an Urs Rudolf»; bestätigt Niklaus Rust.

Mit einem «lachenden» und weinenden Auge» gehe er, meint der 72-jährige Weinliebhaber, der auch mit Weinspezialitäten speziell aus der Toskana handelte. «Die HESO werde ich noch machen», versichert der langjährige Betreiber der dortigen Spaghetteria. Im Konzertsaal, dessen Pächter er bis 2011 gewesen war, trete er ohnehin nur noch «aushilfsweise» an. Doch könne er dank und mit der jetzigen Lösung des Hausverkaufs leben.

Märetplatz statt Friedhofplatz

Sein älterer Bruder Rudolf hatte zuerst noch versucht, das Haus im Familienbesitz zu behalten, dann aber doch dem Verkauf zugestimmt. «Ein bisschen traurig bin ich schon. Anderseits bin ich froh, die ganze Belastung vom Hals zu haben», räumt er ein und erinnert sich an die Zeit, nachdem 1973 die Rust-Brüder die Liegenschaft erworben hatten.

«Stadtammann Fritz Schneider wollte eigentlich zuerst den Friedhofplatz autofrei haben. Doch die Wirte dort wehrten sich mit Händen und Füssen gegen den Plan.»

So entschloss man sich vorderhand für ein autofreies «Ypsilon» am Vormittag unter Einbezug des Märetplatzes, «weil wir die Terrasse bewirten wollten.» Nachdem sich ab 1977 der Erfolg des neuen «Freiluft-Restaurants» gezeigt hatte, «wollten die Friedhofplatz-Wirte nun plötzlich auch die Autos weghaben», lacht Rudolf Rust.