Solothurn

Die neue Solothurner Weststadt weckt Wünsche

Ein weiterer Planungsschritt zur Erschliessung des 2010 erworbenen «Filetstücks» beidseits der Westumfahrung ist getan: Der Gemeinderat hat für das so genannte «Weitblick»-Gebiet den Teilzonen- und Erschliessungsplan zur Auflage freigegeben.

Wolfgang Wagmann
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Wo neben der Westumfahrung grüne Wiese ist, soll dank «Weitblick» viel Neues entstehen. ww

Wo neben der Westumfahrung grüne Wiese ist, soll dank «Weitblick» viel Neues entstehen. ww

Solothurner Zeitung

Diskutiert wurde bei der Sitzung aber auch über die Verkaufsstrategie des stadteigenen Landes, das zwei Wohn- und zwei Arbeitszonen mit unterschiedlichem Wohnanteil, eine «Stadtallmend» für öffentliche Veranstaltungen beim Henzihof sowie den «Segetzhain» als zentrale Grünzone umfassen soll.

Rahmenbedingen der Verkaufstrategie sind ein Verzicht auf verkehrsintensive Nutzungen wie Fachmärkte, Grossverteiler, reine Lagerhallen oder Logistikbetriebe und Tankstellen. Weiter soll der Masterplan Energie 2009 verbindlich sein genauso wie die Schaffung von Arbeitsplätzen ein Kriterium für die Landvergabe. «Und Baufelder werden nur als Ganzes abgegeben», hielt Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, vor dem Gemeinderat fest.

Verkaufstrategie nochmals im Rat

An sich war der Tenor im Rat positiv, doch die in einigen Teilen (Tankstellen) sehr detaillierte Verkaufsstrategie gab zu reden. Matthias Reinhard fand das Konzept noch «zu mager» – so sei beispielsweise eine Anbindung des neu zu erschliessenden Gebiets ans Fernwärmenetz unbedingt vorzusehen.

Deshalb stellte er für die SP den Antrag, das Verkaufskonzept solle detaillierter ausgearbeitet und nochmals separat dem Rat vorgelegt werden. Damit rannte die SP offene Türen ein, denn ausser den zwei SVP-Männern stimmten die restlichen 28 Ratsmitglieder dem Antrag zu.

Zuvor hatte allerdings Stadtschreiber Hansjörg Boll vor einem zu rigiden Katalog für Investoren gewarnt, und auch Pirmin Bischof (CVP) fand die Verkaufsvorgaben «zu negativ. Wir sagen vor allem, was man alles nicht darf.»

Zuvor hatte er auch auf die jetzt schon festzustellende Überlastung der Westumfahrung hingewiesen, worauf ihm mehrfach entgegengehalten wurde, die Strasse sei eben angebots- und nicht bedarfsorientiert geplant worden. Die CVP hatte zum Thema sogar am gleichen Abend eine Motion eingereicht, und Bischof forderte vor allem die Stadt auf, sich für eine Lösung des Problems einzusetzen.

Zwei grüne Anliegen

Brigit Wyss (Grüne) teilte die Einschätzung, dass sich die Verkehrsinfrastruktur im Planungsgebiet am Anschlag befinde – sieht aber eine andere Lösung des Problems: In den Wohngebieten sollten möglichst autofreie Zonen realisiert werden.

«Jede Stadt in der Schweiz hat solche Zonen» argumentierte sie, und forderte, dies bereits jetzt festzuschreiben. Zu detailliert sei dies, meinten andere, und Beat Käch (FDP) hielt dagegen: «Für solche autofreien Zonen müssen auch Interessenten vorhanden sein – wenn die das wollen, haben wir nichts dagegen.»

Immerhin holte Wyss zwei FDP-Frauenstimmen ab, doch ihr Antrag für ein Festschreiben von autofreien Zonen im Beschluss wurde letztlich doch klar mit 21 gegen 9 Stimmen abgelehnt.

Gar nicht akzeptieren mochte die junge Grüne Daniela Gasche die planerische Absicht, den Henzihof als Quartierzentrum für Anlässe umzunutzen. Der Hof sei erhaltenswert und die landwirtschaftliche Nutzung wichtig.

«Ich schenke Ihnen reinen Wein ein», sagte dazu Gaston Barth, Leiter Rechtsdienst, «das wird nicht möglich sein.» Und Stadtplaner Daniel Laubscher legte nach, der Hof sei auch wegen der Erschliessung über die nahe, neue SBB-Haltestelle prädestiniert für ein Quartierzentrum.