Solothurn

Die Umgestaltung des Postplatzes bringt das ganze Quartier in Bewegung

Der Postplatz in Solothurn erfährt bis im Sommer 2021 eine Umgestaltung. Dies gilt auch für die Strassenzüge ringsum. Ein Konzept zu den Massnahmen bis 2027 geht auch von einem neuen Parkhaus beim Westbahnhof aus. Noch ist es aber wenig konkret.

Wolfgang Wagmann
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Der Postplatz in Solothurn soll bis im August 2021 umgestaltet sein, die benachbarten Strassenzüge bis 2027.
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Der Postplatz in Solothurn soll bis im August 2021 umgestaltet sein.
Als grüne Bauminsel und ohne Parkplätze soll sich der Postplatz nach seiner Umgestaltung für knapp 2,2 Mio. Franken präsentieren.
Keine Parkplätze mehr, dafür eine Verweilplattform mit 12 Bäumen sind die Hauptmerkmale der Umgestaltung.
Weiter bleiben soll die Bushaltestelle.

Der Postplatz in Solothurn soll bis im August 2021 umgestaltet sein, die benachbarten Strassenzüge bis 2027.

Tom Ulrich / fotomtina

Im August 2021 soll der Postplatz in neuem Gewand wieder eröffnet werden: Keine Parkplätze mehr, dafür eine Verweilplattform mit 12 Bäumen sind die Hauptmerkmale. Weiter bleiben soll die Bushaltestelle, und im zu sprechenden Kredit von 2,185 Mio. Franken wäre sogar ein Aaresteg bis unter die Eisenbahnbrücke enthalten – ob er gleichzeitig oder mit der vorgesehenen Sanierung der SBB-Eisenbahnbrücke ab 2025 (?) gebaut wird, ist ein Diskussionspunkt.

Wohl kaum aber der Kredit an sich, da bereits 1,5 Mio. Franken des Vorhabens vorfinanziert sind. Noch mehr zu reden geben dürfte jedoch das im gleichen Zug präsentierte Betriebs- und Gestaltungskonzept für das ganze Quartier rund um den Postplatz. Konkret geht es neben dem Platz um die Post-, Wengi-, Westring-, Lagerhaus-, Schanzen- und Westbahnhofstrasse ‐ die Umgestaltung, Verkehrsführung und -regime sowie die Parkierung werden thematisiert.

Seit 12 Jahren schon hängig

Während in der Vorstadt die flankierenden Massnahmen zur Schliessung der Wengibrücke, die 2008 erfolgte, abgeschlossen sind, wurde nördlich davon baulich noch gar nicht reagiert. Einzig die Verkehrsführung wurde im ansonsten unveränderten Strassenraum neu organisiert. 2016 wurde ein Studienauftrag zur Umgestaltung des Postplatzes in Auftrag gegeben, 2018 einer zusammen mit den SBB Immobilien für das Gebiet Westbahnhof.

Das ab letztem Jahr aufgegleiste Betriebs- und Gestaltungsprojekt soll nun politisch die Weichen stellen zur Neuorganisation des gesamten Raumes zwischen dem Postplatz, Amthausplatz und Westbahnhof. So will man die Durchlässigkeit für den Veloverkehr verbessern, dann die Wengistrasse als fussgängerfreundliche Flanierzone aufwerten und die ganze Verkehrsführung vor allem auf die zu verlängernde Poststrasse verlegen. Ein grosses Thema ist die Parkierung (vgl. unten) – Ziel wäre es, mit den aufzuhebenden Parkplätzen auf dem Postplatz insgesamt 71 oberirdische Parkplätze insbesondere entlang der Poststrasse aufzuheben. Und noch zu disponieren wären 20 Kurzzeitparkplätze.

Nicht alle Ideen sind gleich gut angekommen

Auf den Strassen, die bis 2008 den gesamten Durchgangsverkehr über die Wengibrücke bewältigten, gilt noch heute Tempo 50. Zusammen mit gestalterischen Mitteln soll aber auch das Tempo-Regime den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Neu will man auf der Post- und Westringstrasse Tempo 30 einführen, nur noch Tempo 20 würde in signalisierten Begegnungszonen gelten, die für den Postplatz sowie auch auf der Wengi-, Lagerhaus-, Schanzen- und Westbahnhofstrasse vorgesehen wären.

Nicht gut angekommen ist dagegen die Idee des Planungsbüros, die Wengi-, Schanzen- und Westbahnhofstrasse in die sogenannte Altstadtsperre einzubinden, also Anlieferungen und Zu- wie Durchfahrten ab 11.30 Uhr zu verbieten. Die Gemeinderatskommission folgte den Argumenten der Planungs- und Umweltkommission, dass die Altstadtsperre in diesem Rayon wegen der vielen Privatparkplätze keine Option sei. Beibehalten soll möglichst die heutige Erschliessung für den Busverkehr.

Man gibt sich sieben Jahre Zeit

Nach der Umgestaltung des Postplatzes soll 2022 die Poststrasse verlängert und bis 2023 umgestaltet werden. Weiter sieht der Terminplan 2024 die Umgestaltung der Westringstrasse vor; in den drei Jahren danach bis 2027 sollen die übrigen Strassenzüge folgen.

Parkhaus beim Westbahnhof wird zum Zankapfel

Unter einer künftigen Überbauung des SBB-Areals beim Westbahnhof besteht die Idee, ein Parkhaus mit 250 Plätzen zu errichten. Es soll 71 aufzuhebende oberirdische Parkplätze im Bereich Postplatz/Poststrasse ebenso ersetzen wie 109 durch den Neubau wegfallende Parkplätze auf dem SBB-Areal. Dazu kämen noch 50 Plätze Eigenbedarf für die Überbauung. Die Kosten sind noch nicht evaluiert, doch riesig ist die Skepsis offenbar bei der Parking AG Solothurn, die bereits die drei Parkhäuser Biel-, Basel- und Berntor erstellt hat. In letzterem kamen die 350 Parkplätze auf rund je 50000 Franken zu stehen – der spiralförmige Bau tief in den Dornacherplatz verschlang bis zur Eröffnung 2005 rund 19 Mio. Franken.

Die Stadt macht Druck, die Parking AG sträubt sich

Für die Stadt wäre es «wünschenswert», wenn die Parking AG nun ein viertes Parkhaus beim Westbahnhof in Angriff nehmen würde. Sie hält zwar 30 Prozent der Aktien, kann jedoch das Stimmrecht nur zu 20 Prozent ausüben. Niklaus Studer, VR-Präsident der AG, bestätigt, man habe einen dreiköpfigen Ausschuss ohne ihn gebildet und die Parkhaus-Idee beim Westbahnhof geprüft. Doch sei das Ergebnis betreffend den Bedarf wie die Erschliessung negativ ausgefallen – nun werde man dem Verwaltungsrat einen Antrag vorlegen. Das Stadtbauamt sieht die Erschliessung eines Westbahnhof-Parkhauses von der Dammstrasse und somit der Westumfahrung her als zwingend an. Bisher war dies aber auch auf wenig Entgegenkommen bei einem wichtigen Grundeigentümer westlich des Bahntrassees gestossen. Und Studer ist dezidiert der Ansicht, die Parkhaus-Zufahrt müsse von der Poststrasse her erfolgen. Und zur aktuellen Situation meint er: «Seit dem 16. März haben wir 80 Prozent Umsatzverlust und werden dieses Jahr keine Dividende ausschütten.» Damit stehe ein Parkhaus-Neubau für ihn nicht im Vordergrund.

Stadtpräsident Kurt Fluri hatte schon in der GRK betont, die Parking AG mache «nicht die Parkplatzpolitik der Stadt». Sonst würde halt jemand anderer bauen. Bleibt die Frage im Raum: Werden die 71 oberirdischen Parkplätze vor, mit oder nach dem Parkhaus-Bau aufgehoben? Und was ist, wenn gar keines kommt? Die GRK äussert sich zuhanden des Gemeinderats salomonisch: Der Aufhebung werde «in Koordination mit der Erstellung eines vierten Parkhauses zugestimmt». (ww)