Feuergefahr

Dünnes Kabel, grosser Schaden - Brandexperten warnen

Kabelbrände sind häufig Ursache von mehr oder weniger grossen Feuern. Ein Brandermittlungs-Experte erklärt, wie es zu solchen Schadenfällen kommen kann.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Brand in der Altstadt von Solothurn 2011.

Brand in der Altstadt von Solothurn 2011.

ww/bar

ominentestes Beispiel eines Kabelbrandes war vor einem Jahr der Isolationsdefekt bei der «Aufheizung im Bereich von Kabelverzweigungen» am Elektroauto von Nationalrätin Bea Heim. Auch der Solothurner Altstadtbrand vom März 2011, bei dem ein Sachschaden in der Höhe von 5,3 Millionen Franken entstand, brach aufgrund eines «technischer Defektes», sprich Kabelbrandes, aus. Technischer Defekt, genauer überhitzte Elektrokabel unter der Brücke, führten auch im Sommer 2012 zum Brand auf der Oltner Holzbrücke. Im August dieses Jahres brannte in Rüttenen eine Werkstatt aufgrund eines technischen Defekts an der elektrischen Installation aus. Hier entzündete ein Kurzschluss das unmittelbar daneben gelagerte Isolationsmaterial. Der traurige Höhepunkt der Kabelbrände in der jüngeren Vergangenheit fand vor wenigen Tagen statt: In Welschenrohr stirbt ein älterer Mann beim Brand seines Hauses. Die Brandermittlung hat ergeben, dass ein technischer Defekt an einem Anschlusskabel einer Ständerlampe brennbares Material im Wohnzimmer in Brand setzte.

Tipps

Aufeinandertürmen von mehreren Mehrfachsteckern vermeiden
> Wärmestau von staubigen Elektrogeräten vermeiden
> Auf selbstbewusste Basteleien von Freizeit-Elektrikern verzichten
> Rauchwarnmelder, wo möglich, anbringen

Quelle: Bernischen Gebäudeversicherung.

Defekte Kabel sind also häufig Grund für tragische, schicksalhafte Brand-Ereignisse. Laut Statistik der Gebäudeversicherung des Kantons Solothurn waren im Jahr 2013 ganze 64 Prozent der Brände auf «technische Defekte» zurückzuführen. Auch die Berner Gebäudeversicherung meldete: «33 Prozent der Brände werden durch Elektrizität ausgelöst.

Feuerwehr im Einsatz. Hier Brand hier in der Aarauer Altstadt.

Feuerwehr im Einsatz. Hier Brand hier in der Aarauer Altstadt.

AZ

Hanspeter Frank, Schätzungsexperte bei der Solothurner Gebäudeversicherung, präzisiert: «Elektrokabel können unabsichtlich gequetscht werden, wenn beispielsweise ein Sessel auf ein Kabel gestellt wird. Zunächst passiert vielleicht noch nichts. Doch es können sich, da die Isolation im Kabel beschädigt ist, die elektrischen Drähte erhitzen. Es entsteht ein Glimmbrand, den man unter Umständen oft erst bemerkt, wenn es schon fast zu spät ist.»

Rolf Häfliger vom Brandermitt-lungsdienst der Polizei Kanton Solothurn bestätigt: «Würde man solches Überhitzen in defekten Leitungen sofort erkennen, könnten Sofortmassnahmen getroffen werden und es würde oftmals kein grosser Schaden entstehen.» Doch genau hier liegt die Tücke. Man nimmt lange nichts wahr, geht vielleicht schlafen. Wenn die Kabel dann noch hinter Holzwänden oder in den Zwischenböden verlegt worden sind, «vergisst» man diese oder glaubt, die Isolation schütze ja ausreichend.

Schuld an so manchem Kabelbrand sind die heute handelsüblichen Mehrfach-Stecker, an denen Handys, Laptops und andere elektrische Geräte aufgeladen werden. Häfliger sagt: «Oft verfügen die Leitungen, aber auch diese Mehrfachstecker nicht über die ausreichende Kapazität. Deshalb sollte man beim Einstecken darauf achten, wie viele Watt ein solcher Stecker abgeben kann und nicht gedankenlos Geräte an einer Steckerleiste anschliessen.

Brand in der Solothurner Altstadt.

Brand in der Solothurner Altstadt.

ww/bar

Mögliche Ursache für Kabeldefekte sind auch Tierverbisse. «Auf Mäuse und Ratten, natürlich auch auf Marder üben die Kabel offenbar eine unwiderstehliche Anziehung aus», sagt Häfliger. «Solche Verbisse bemerkt man dann im Gebrauch nicht, und doch können die Isolationen der Kabel empfindlich beschädigt sein.» Hin und wieder komme es gar vor, dass bereits in einem Neubau ein Kabelbrand entsteht. «Da wurde dann meist beim unvorsichtigen Umgang beim Bauen oder dem Transport ein Kabel beschädigt», erzählt der Brandermittler.

Auf der Suche nach einer Brandursache wenden er und seine Kollegen das Ausschlussverfahren an. «Es kann 2 oder 3 Tage dauern, bis wir die Brandursache gefunden haben; es kann aber auch bis zu einer Woche oder länger dauern», so Häfliger. Natürlich beachte man dabei nebst anderem die entstandenen Brandspurenbilder, den Brandverlauf, die Bauweise des Objektes, sowie die entstandenen Beschädigungen und Zerstörungen.

Fazit: «Viel Schaden könnte vermieden werden, würden die Bewohner sich mehr Gedanken beim Einstecken ihrer vielen Elektrogeräte machen», sagt Häfliger. Dennoch meint er, Angst vor Strom zu haben, sei der falsche Ansatz. «Ohne Strom können wir heute nicht mehr so leben, wie wir das gewohnt sind. Wichtig wäre deshalb auch: defekte Kabel immer zu ersetzen und beim Kauf von Mehrfach-Steckern auf gute Qualität zu achten.»