Themenabend Jesuitenkirche

Erbauer des Solothurner Barockjuwels galten als «Kreaturen des Teufels»

Ohne die katholische Ordensgemeinschaft der Jesuiten gäbe es in Solothurn keine Jesuitenkirche und damit ein Barockbauwerk weniger, das zu den Besten der Schweiz gehört. Wer waren diese Ordensleute?

Katharina Arni-Howald
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Die Jesuiten taten sich schwer mit der Fassadengestaltung. Es brauchte mehrere Entwürfe, bis das heutige Erscheinungsbild (r.) feststand.

Die Jesuiten taten sich schwer mit der Fassadengestaltung. Es brauchte mehrere Entwürfe, bis das heutige Erscheinungsbild (r.) feststand.

zvg

Ohne die katholische Ordensgemeinschaft der Jesuiten gäbe es in Solothurn keine Jesuitenkirche und damit ein Barockbauwerk weniger, das zu den Besten der Schweiz gehört.

Die soeben abgeschlossene Restaurierung und die vor etwas mehr als einer Woche durchgeführte Einsegnung veranlasste die römisch-katholische Kirchgemeinde sich auch Gedanken über jene zu machen, die Ende des 17. Jahrhunderts die Kirche erbauen liessen und Solothurn in verschiedener Hinsicht bereicherten.

Als Lehrer, Erzieher und Seelsorger benötigten die 1654 nach Solothurn gekommenen Jesuiten nicht nur ein Schulgebäude, Wohnsitze und Theatersäle, sondern auch eine Kirche, die bis auf den heutigen Tag durch ihre Architektur und Ausstattung fasziniert.

Wer aber war die vom Hl. Ignatius von Loyola gegründete Ordensgemeinschaft, die 1646 erstmals nach Solothurn berufen wurde, um Patriziersöhne zu unterrichten? Und deren Eltern die Schule des Chorherrenstifts nicht gut genug war?

Kreaturen des Teufels

Eine Antwort darauf hatte Pater Hansruedi Kleiber - selbst ein Jesuit - der die zahlreich erschienen Besucher in der Jesuitenkirche aufklärte und Vorurteile ausräumte. Der Themenabend war die dritte und letzte Veranstaltung im Rahmen der Wiedereröffnung der Kirche, die mit Unterstützung des französischen Königshauses erbaut wurde.

Wie Kleiber betonte, musste sich der Orden immer wieder mit hemmungsloser Verdammung, Verfolgung und Intoleranz auseinandersetzen. Allein schon das Wort «Jesuit» weckte merkwürdige Assoziationen.

«Die Ordensleute, die weder an ein Kloster gebunden sind noch ein gemeinsames Chorgebet pflegen und auch kein Ordensgewand tragen, wurden als Kreaturen des Teufels angesehen», gab der Luzerner zu bedenken.

«Jesuitisch» war ein Schimpfwort. Den Gründern von zahlreichen Schulen, Kollegien und Universitäten wurde Einfluss und Macht nachgesagt, was sie für liberale Kräfte verdächtig machte.

Statt sich nur als geistliche Berater und Beichtväter von Bischöfen und Fürsten und als Seelsorger zu betätigen, machten sie sich im Laufe der Jahre auch als Wissenschaftler, Dichter und Architekten einen Namen und galten als kluge Köpfe.

Sogar einen Krieg ausgelöst

Schliesslich musste Papst Clemens XIV. dem Druck nachgeben und die Ordensgemeinschaft auflösen. Erst 40 Jahre später machte Papst Pius VII. das Verbot rückgängig. «In der Schweiz löste in der Mitte des 19. Jh. die Wiederberufung einer Handvoll Jesuiten ans Kollegium in Luzern den Sonderbunds-Krieg aus», präzisierte Kleiber.

In der Bundesverfassung von 1848 sei den Jesuiten schliesslich jede Tätigkeit an Schulen und der Kirche untersagt und das Eigentum konfisziert worden. 1973 wurde das Jesuitenverbot durch eine Volksabstimmung endlich wieder aus der Bundesverfassung gestrichen.

Heute ist die «Gesellschaft Jesu» mit 17000 Mitgliedern der grösste Orden der römisch-katholischen Kirche. Zur Schweizer Provinz gehören derzeit 58 Jesuiten, die in kleinen Gemeinschaften leben und in unterschiedlichen Einsatzbereichen tätig sind.

Der für das Projekt zuständige Architekt, Pius Flury, erläuterte ein weiteres Mal die Details der Restaurierung, die die historische Substanz der Kirche für die nächsten Jahrzehnte sichern sollen.

Pfarreileiterin Luisa Heislbetz sprach über einige Kuriositäten beim Hochaltarschmuck und die Rückkehr von zwei eingelagerten Engeln seitlich der Kerzenleuchter.