Solothurn

Es hat schon wieder gekracht – Aber: «Unfälle mit Bipperlisi nehmen ab», sagt der Direktor

Am Donnerstagmorgen prallten im Baseltor-Kreisel ein Fahrzeug und das Bipperlisi zusammen. «Schon wieder», hat man das Gefühl. Die Unfälle mit der Bahn gehen aber zurück, meint der Direktor der Aare Seeland mobil AG.

Lea Durrer
Drucken
Teilen
Das Auto wurde mehrere Meter mitgeschleift.

Das Auto wurde mehrere Meter mitgeschleift.

Wolfgang Wagmann

«Unverständlich. Das x-te Mal und es wird nicht das letzte Mal sein.» – «Das Bipperlisi sieht man doch!»

Solche Reaktionen gibt es zuhauf, wenn die Meldung eingeht, dass ein Zug der Aare Seeland mobil AG mit einem Fahrzeug zusammengekracht ist – beim Baseltor-Kreisel ganz besonders.

Warum wird das heranfahrende Hindernis, wieso die rote Ampel übersehen? Es könnte eine reine Aufmerksamkeitsfrage sein. Vielleicht rechnet man gar nicht mit einer roten Ampel mittem im Kreisel. Vielleicht hat aber auch einfach die Sonne geblendet, wie auch der 78-jährige Unfalllenker vom Donnerstagmorgen gegenüber der Polizei zu Protokoll gab.

Eigentlich müssten diese Fragen auch bei Unfällen mit zwei beteiligten Autos oder einer Kollision zwischen Mofas gestellt werden – egal, ob im diesem Kreisel östlich der Altstadt oder anderswo. Fast jede Woche knallt es irgendwo. «In jedem Kreisel passieren regelmässig Verkehrsunfälle», meint denn auch asm-Direktor Fredy Miller. Im Vergleich dazu seien Unfälle mit dem Bipperlisi doch eher selten.

2014 hat diese Zeitung noch über eine Zunahme der Kollisionen berichtet. Dies auf Basis der Zahlen zwischen 2011 mit 6 Kollisionen im Kanton, 2012 mit 10 und 2013 mit 12.

Nun deutet die Statistik aber offenbar in die andere Richtung. «Die Unfälle mit dem Bipperlisi werden immer weniger», gibt der Direktor Einblick in die laufende Unfallstatistik. «Heute haben wir viel weniger Unfälle als noch vor 5 oder 10 Jahren.» Die aktuellen Zahlen will er nicht nennen. Diese gehen jeweils ans Bundesamt für Unfallverhütung.

Und wieso gehen die Zahlen wieder zurück? «Ich habe das Gefühl, dass die Verkehrsteilnehmer heute viel sensibilisierter sind», meint Fredy Miller. Es gäbe keine schweren Unfälle mit Schwerverletzten mehr, zudem seien die Schäden kleiner. «Das sind heute durchs Band Blechschäden», so der Direktor.

16. März 2017 Ein Autolenker übersieht das Rotlicht im Baseltor-Kreisel und wird vom Bipperlisi seitlich erfasst und mitgeschleift.
20 Bilder
6. Februar 2017 Ein Autolenker will Richtung Feldbrunnen fahren, übersieht aber die auf rot gestellte Ampel. Als der Fahrzeuglenker die herannahende Zugkomposition der Aare Seeland Mobil-Bahn bemerkt, will er rückwärts fahren, um eine Kollision zu vermeiden – jedoch ohne Erfolg.
9. Dezember 2016 Ein 51-jähriger Automobilist überfährt auf der Grimmengasse in Solothurn die Stop-Markierung.
7. März 2016 Eine Autolenkerin is in Flumenthal mit einem Zug der Aare Seeland Mobil-Bahn kollidiert. Die 45-Jährige erlitt mittelschwere Verletzungen. Die Frau hatte die "Stop"-Markierung vor einem Bahnübergang überfahren.
23. September 2015 Tragischer Todesfall: In Riedholz sucht ein 75-jähriger Wildhüter nach einem verletzten Tier, als er von einer Zugkomposition erfasst und tödlich verletzt wird.
3. Dezember 2014 Der Lenker des Kleinwagens fuhr stadtauswärts und wollte nach links in die Grimmengasse einbiegen. Dabei übersah er offenbar den ebenfalls stadtausfahrenden Zug.
8. Oktober 2014 Ein weisser Lieferwagen will Richtung Bahnhof fahren und prallt mit dem Bipperlisi zusammen. Dabei wird niemand verletzt. Der Sachschaden ist gering. Der Lieferwagen wird auf der linken Seite beschädigt.
27. September 2014: In Flumenthal rammt das Bipperlisi einen Quad. Zwei Personen werden verletzt, Schadenssumme: Mehrere 10000 Franken.
22. September 2014: In Feldbrunnen übersieht eine Autolenkerin das Bipperlisi
6.Juni 2014: Ein Lieferwagen übersieht in Feldbrunnen den Zug, beim Überqueren der Gleise kommts zur Kollision
15.März 2014 Bei der Kollision eines Autos mit dem "Bipperlisi" in Feldbrunnen ist ein Sachschaden von mehreren 10'000 Franken entstanden.
19. Februar 2014: Dieses Auto wird vom Bipperlisi noch ein Stück vor sich hergeschoben. Der Fahrer bleibt unverletzt.
2. November 2013: Die Lenkerin fährt auf der Oberen Sternengasse in Solothurn und überquert den Bahnübergang. In diesem Moment kommt das Bipperlisi. Gegenüber der Polizei gibt sie an, dass die Ampel auf Grün stand.
10. März 2013: Eine Autofahrerin übersieht das Bipperlisi in Flumenthal.
29. Januar 2013: In Flumenthal kommts zur Kollision. Die Fahrerin wird mittelschwer verletzt, das Auto hat nur noch Schrottwert.
31. Oktober 2012: Innert weniger Stunden kommt es in Solothurn gleich zu zwei Unfällen mit dem Bipperlisi - und erst noch am selben Ort.
2.Mai 2012: Ein Golf-Fahrer biegt in Solothurn von der Baselstrasse in die Grimmengasse ein und wird gerammt. Mit Glück wird niemand verletzt.
3. Februar 2012: Ein weisser Toyota mit Anhänger übersieht das Rotlicht und wird vom Bipperlisi mehrere Meter Richtung Rötibrücke mitgeschleift und schliesslich seitlich abgedrängt. An der Zugskomposition und am Auto entstand ein Gesamtschaden von mehreren 1‘000 Franken.
24. Januar 2011: Eine Lenkerin wartet in der Nähe des Baseltor-Kreisels darauf, in eine Liegenschaft abbiegen zu können. Als es möglich ist, übersieht sie das herannahende Bipperlisi.
4. November 2010: Bei diesem Unfall entsteht am «Bipperlisi» leichter Lackschaden und am Kleinwagen der Lenkerin Blechschaden von ungefähr 2500 Franken. Laut Kantonspolizei habe die Autofahrerin wegen der Sonneneinstrahlung den herannahenden Zug zu spät bemerkt.

16. März 2017 Ein Autolenker übersieht das Rotlicht im Baseltor-Kreisel und wird vom Bipperlisi seitlich erfasst und mitgeschleift.

Wolfgang Wagmann

Die Schäden können von leichten Lackschäden bis hin zu schweren Carrosserieschäden reichen. Bei Unfällen geht der Schaden für die asm rasch in die Zehntausende. Die Kosten für Reparaturen muss das Unternehmen aber nicht tragen. In 99 Prozent der Fälle werden sie laut Miller von der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers bezahlt. In Einzelfällen könnte höhere Gewalt den Unfall verursachen, wie beispielsweise Eis auf der Fahrbahn.

Zurück zum Baseltor-Kreisel: Weil alle Verkehrsteilnehmer in diesem Bereich das Tempo drosseln, ist die Wucht eines Aufpralls auch nicht so schwerwiegend wie andernorts.

Von einem Katastrophen-Kreisel ist der doppelspurige Baseltor-Kreisel mit der Bahnschiene in der Mitte und der Ampelführung weit weg. Zwar kommt es ab und zu vor, dass zwei Autos oder ein Auto und das Bipperlisi Putschauto «spielen», grundsätzlich bezeichnet Miller die Verkehrsführung aber als übersichtlich.