FC Solothurn

FCS-Präsident nach Nein zum Kredit: «Wir werden ein bisschen als böser Verein hingestellt»

Der Eklat im Solothurner Gemeinderat hallt nach: Nach der Rückweisung der Stadion-Sanierung fragen sich nun die Stadtbehörden sowie der FC Solothurn, wie das Ganze weitergehen soll. Klar ist für beide: Über die bisherigen Verträge muss man reden.

Wolfgang Wagmann
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Raphael Wermelinger

Es gab Anzeichen im Vorfeld, dass etwas passieren könnte», weiss im Nachhinein Samuel Scheidegger, Präsident des FC Solothurn. Was dann tatsächlich passierte, war doch eine echte Überraschung: Der Gemeinderat wies die Sanierung des Stadion-Gebäudes für 2,8 Mio. Franken zurück und verlangte zuerst Gespräche mit dem FC Solothurn über die bestehenden Verträge. Am Morgen danach auf der Stadtverwaltung. Urs F. Meyer, Leiter Rechtsdienst, kann noch nicht sagen, wie weit er in die Gespräche involviert wird – den Kaufvertrag der Stadt mit dem FC Solothurn von 1973 plus die Zusatzvereinbarungen von 1991 und 2008 hat er jedoch rasch zur Hand.

«Wir müssen zuerst das Sitzungs-Protokoll prüfen», so Stadtschreiber Hansjörg Boll – denn eine präzise Forderung der Ratsmehrheit sei am Dienstagabend nicht auszumachen gewesen. «Sicher ist nur, dass wir den Kredit heuer nicht mehr durchbringen und damit das Budget ziemlich entlastet wird.» Der 2,6-Mio.-Kredit liege in der Kompetenz der Gemeindeversammlung, die sich nun frühestens im nächsten Juni damit befassen könnte. Nur eine Forderung war im Ratssaal sehr konkret: Nicht Stadtpräsident Kurt Fluri soll mit dem FC Solothurn verhandeln.

Eine Aufgabe für den alten Fuchs

Fluri, im Rat recht aufgebracht über das Ansinnen, die Sanierung aufzuschieben, schaltet nun einen Routinier für sportliche Angelegenheiten ein: Alexander Rudolf von Rohr, seit sage und schreibe 1978 Präsident der Sportkommission. Auch er will zuerst das Sitzungsprotokoll sehen, «dann werde ich mit Samuel Scheidegger und dem FC Solothurn Kontakt aufnehmen.» Der alte Fuchs könnte sich vorstellen, wo der Schuh drückt: «Die Gebühren-Reduktion um 50 Prozent für die Platzbenützung beim FC Solothurn war schon öfter Gesprächsthema», verweist er auf die letzte Zusatzvereinbarung von 2008 (vgl. Kasten). Eine Sonderstellung, die aber nicht nur der FCS geniesse: «Leider hat die GRK die 50-Prozent-Reduktion auch dem Schwingclub Solothurn zugestanden», sieht Rudolf von Rohr die komplexe Materie nüchtern.

«Nicht das Gefühl, dass wir massiv bessergestellt sind»

Mal schauen, mal reden. Auch FCS-Präsident Samuel Scheidegger gibt sich entspannt. «Es ist zwar schade, dass es so gekommen ist. Denn eigentlich geht es nicht um uns. Sondern um die Sanierung einer Liegenschaft, die der Stadt gehört und die dafür verantwortlich ist», verweist er beispielsweise auf den schlechten Zustand der Stehrampen. «Am Samstag ist ein Mann gestürzt. Er hat sich eine Platzwunde zugezogen und musste verarztet werden.» Und auch Scheidegger wiederholt, was Stadtpräsident Fluri schon am Dienstagabend herausgestrichen hatte: Ob das Stadiondach rinne, spiele für den FCS keine Rolle, «wir tschutten genauso».

Abgesehen davon habe sich der FC Solothurn bei Investitionen wie dem Tribünenanbau 1991 oder auch dem Kunstrasen beteiligt und stets eigene Leistungen wie den Einbau von Krafträumen oder die Montage einer Matchuhr selbst erbracht. «Wir sind mit über 300 Mitgliedern auch der grösste Verein in der Stadt und führen ein nationales Leistungszentrum», verweist er auf die breit akzeptierte Nachwuchsarbeit und die damit verbundenen Angebote des FC Solothurn. «Ich habe nicht das Gefühl, dass wir massiv bessergestellt sind», staunt er schon etwas über den aktuellen Entscheid, zumal die Gemeinderatskommission GRK das Projekt und den Kredit oppositionslos genehmigt hätte.

Eigentlich werde jetzt eine «falsche Diskussion» geführt und «wir als der böse Verein hingestellt», glaubt Scheidegger. Doch könne man über alles reden, auch über die vertraglichen Vereinbarungen mit der Stadt. Ein Mietvertrag anstelle des jetzigen, ergänzten Kaufvertrags sei denkbar – «nur müsste er für den FC Solothurn eine Dauer von 50 oder 100 Jahren haben.» Und eine Schlechterstellung des FCS, die wolle man natürlich auch nicht.