Stadt Solothurn

Für den Samichlaus und Glühwein steht man gerne Schlange

Mit 67 Ständen startete am Mittwoch auf dem Friedhofplatz Solothurn der traditionelle Markt zur Adventszeit. Samichlaus und Glühwein, sowie ein kunterbuntes Angebot an Weihnachtsideen, locken zahlreiches Publikum an.

Andreas Kaufmann
Drucken
Teilen

Man kann die Seele des Chlausemärets riechen: Seit Mittwoch bis Donnerstagabend steigt am Friedhofplatz wieder ein Hauch von Zimt und Gewürznelken in die Nasen: Glühwein hat die Herrschaft übernommen.

Nicht zuletzt wird über den Verkauf des Heissgetränks der Markt finanziert, der nun seit 35 Jahren Besucher und Standbetreiber zum vorweihnachtlichen Stelldichein des Vereins «Pro Friedhofplatz» zusammenbringt.

Der Nebel vermochte die Stimmung nicht zu vermiesen
32 Bilder
Reger Andrang beim Samichlaus
Sogar Gesang bekam der Samichlaus zu hören
Santi Niggi Näggi
Santi Niggi Näggi
Santi Niggi Näggi
Fürs Fotoalbum
Argwöhnischer Blick auf den Schmutzli
Ein Manderinli auf den Weg
Gimer Nuss und Biire
Gimer Nuss und Biire
Gimer Nuss und Biire
Gimer Nuss und Biire
Nüssli auf den Weg
Mit der Hilfe der grossen Schwester traut sich auch die kleine
Die Helfer von Samichlaus und Schmutzli waren die Stars
Streicheleinheiten fürs Eseli
Reger Andrang bereits am Nachmittag
Unterhaltung an allen Schauplätzen
Licht in die dunkle Zeit
Tassen-Nachschub für den Run auf den Glühwein - «Braumeister» Roland Hubli packt an
Inspirationen für unter den Weihnachtsbaum
Inspirationen für unter den Weihnachtsbaum
Inspirationen für unter den Weihnachtsbaum - bei Jennifer Tittel vom Atelier «The Beach House» aus Basel
In der Garage neben dem Söitöri wird der Glühwein gebraut
Inspirationen für unter den Weihnachtsbaum - bei Johannes Keel von «Altbooken» aus St. Gallen
Eine Stärkung gibts bei Hofer
Die Heilsarmee umrahmte den Märet musikalisch
Die bald dreijährige Jaydee war vor zwei Jahren mit Samichlaus in der Solothurner Zeitung – der Zeitungsausschnitt erinnert sie jeweils, dass Samichlaus wieder da ist
Auf einen Schwatz am Friedhofplatz
Inspirationen für unter den Weihnachtsbaum - bei den Geschwistern Petra Bracher und Andrea Nyfeler von «Mundartstempel»
Inspirationen für unter den Weihnachtsbaum

Der Nebel vermochte die Stimmung nicht zu vermiesen

Andreas Kaufmann

Am Auftakt kamen sie in Scharen, selbst wenn der Nebel über der Szenerie hing. Bezeichnend für den erwartbaren Ansturm stehen Dutzende Flaschen mit Orangensaft und Rotwein bereit – in der Garage von Bethli Reinhard, die mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Hanspeter über viele Jahrzehnte beim Chlausemäret federführend mitwirkte.

Hier im «Hexenkessel» sorgen die Braumeister Roland Hubli und Pascal Miniat für den nötigen Nachschub. 1230 Liter waren es im Vorjahr. «Glühwein ist definitiv ein Publikumsmagnet», bekräftigt Hubli.

Wo bleiben die Versli?

Ein anderer Publikumsmagnet richtet sich im Gegensatz zum Glühwein eher an jüngere Kundschaft: Auf dem Podest vor dem Samichlaus-Thron hängt sich die kleine Susanne an ihre Schwester Anna an. Noch hat sie das «Rampenfieber» nicht ganz abgelegt.

Auch die bald dreijährige Jaydee nicht, die durchs ganze Jahr vom Rauschebart schwärmt, doch nun schon ein wenig Bammel hat. «Sie kommen her, bis sie sich nicht mehr trauen und sobald sie sich wieder trauen», sagt Schmutzli über das Versli-Rezitieren. Mit Ausnahme jenes Bubs, der schon als Einjähriger vorbeischaute und es heute, elf Jahre später, immer noch tue.

Gerne erinnert sich der Chlausenknecht auch an den dreijährigen Knirps, der ein langes Versli an den Samichlaus von einer Zeichnung «ablesen» konnte – die Mutter hatte ihm einen «Spick» gezeichnet. Gleichzeitig bilden sich aber auch Sorgenfalten auf der Stirn des Samichlaus: «Es werden weniger Versli gelernt als noch vor elf Jahren, als wir angefangen haben.»

Dennoch überwiegt bei beiden die Begeisterung: «Wir haben Tausende Värsli gehört und jedes war eine Freude», sagt Schmutzli.

«Es Grüessli us Soledurn»

Zum zweiten Mal am Markt dabei ist Jennifer Tittel mit dem Basler Atelier «The Beach House». Sie restauriert Antiquitäten, hat aber beim Debüt 2014 gemerkt, dass die Solothurner ihr Auge eher auf modernere Geschenke werfen, «während in grossstädtischen Gebieten eher Antiquarisches im Trend ist.»

«Upcycling», also die Aufwertung nicht mehr gebrauchter Materialien, ist auch bei Johannes Keel aus St. Gallen Thema. Mit alten Buchdeckeln gestaltet er Notizbücher oder sogenannte Ein-Wort-Tagebücher. «Ich bin an einigen Weihnachtsmärkten, und viele wirken trist. Doch jener in Solothurn ist sehr sympathisch.»

Zum ersten Mal dabei sind Andrea Nyfeler und Petra Bracher von «Mundartstempel». In Eigenregie kreieren sie seit November 2014 in Alchenstorf Stempelsujets – haben aber kaum mit einem solchen Senkrechtstart gerechnet. Mit Stempeln wie «Es Grüessli us Soledurn» dürften sie nun auch die hiesige Kundschaft erobern.

Ebenso zufrieden zeigt sich Cindy Eggimann vom örtlichen Müller Vital Shop. Gerade die Alpaka- und Angora-Socken finden reissenden Absatz. Kein Wunder: Wer ob all den Weihnachtsinspirationen erst einmal die Zeit vergessen hat, ist froh um warme Füsse – und um Glühwein.