Solothurn

Hunderte Unterschriften gesammelt: Anwohner kämpfen gegen gewaltiges Bauprojekt

Die Anwohnerschaft wehrt sich mit 282 Unterschriften gegen die geplante Aufzonung des Wohnparks Wildbach.

Wolfgang Wagmann
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Ausgesteckt ist das Areal für den Wohnpark Wildbach ganz im Westen zwischen der SBB-Bahnlinie, dem Wildbach und der jetzigen Bebauung schon lange – doch die Anwohnerschaft wehrt sich gegen die neu geplante viergeschossige Überbauung.

Ausgesteckt ist das Areal für den Wohnpark Wildbach ganz im Westen zwischen der SBB-Bahnlinie, dem Wildbach und der jetzigen Bebauung schon lange – doch die Anwohnerschaft wehrt sich gegen die neu geplante viergeschossige Überbauung.

Wolfgang Wagmann

«Es haben bis auf zwei, drei alle mitgemacht.» 282 Unterschriften hatten Christoph Dengler und seine Partnerin Veronika Christen bei der Anwohnerschaft der Buchenstrasse und im Quartier gesammelt. Ihr Anliegen: Keine Aufzonung der grünen Wiese vor ihren Augen, die seit längerem mit hohen Baugespannen überstellt ist. Denn im neuen Zonenplan, der mit der Ortplanungsrevision vorgesehen ist, könnte dort 3- bis 5-geschossig gebaut werden.

Und damit würde genau das ermöglicht, was die Anwohnerschaft seit vier Jahren mit Einsprachen bekämpft: eine höhere Ausnutzung der bisherigen Zone W2b auf neu vier Geschosse. Diese fordert die Investorin des geplanten Wohnparks Wildbach, die Schweizerische Gesellschaft für Immobilien AG SGI in Zürich (vgl. Box).

Die unendliche Geschichte des Wohnparks Wildbach

Am Anfang war Champagnerlaune: Im Januar 2000 gabs Häppchen und Weisswein zum Spatenstich des Wohnparks Wildbach mit Reden von Stadtpräsident Kurt Fluri und Baudirektor Walter Straumann. Zwei Jahre zuvor hatte die Schweizerische Gesellschaft für Immobilien SGI in Zürich 54'000 Quadratmeter Bauland erworben, um das Wettbewerbs-Siegerprojekt von Stefan Sieboth mit 140 Einheiten umzusetzen.

Doch dann geschah lange nichts, die Stadt drohte gar mit Konventionalstrafe, und erst nach Projektänderungen – die Überbauung sei nicht marktkonform, so die Investorin – entstand nach und nach die erste, abgeänderte Etappe. 2014 beantragte die SGI für die letzten beiden Baufelder eine Verdoppelung des Volumens mit neu vier Geschossen, was nun knapp 300 Einheiten ermöglicht hätte. Der Gemeinderat stimmte der Änderung des Gestaltungsplans zu, doch die sich getäuscht fühlende Anwohnerschaft machte mit Einsprachen und Unterschriften gegen die neuen Pläne mobil.

Der Gemeinderat verschob die materielle Behandlung der Einsprachen, da zuerst die Ortplanungsrevision abzuwarten sei. Das sahen auf Beschwerde des Investors der Regierungsrat wie das durch die Stadt bemühte Verwaltungsgericht anders: Man dürfe nicht bis zur Ortplanungsrevision, die noch bis 2023 dauern könne, zuwarten. Damit ist nun die Stadt gehalten, auf die zehn Einsprachen materiell einzutreten und über den abgeänderten Gestaltungsplan nochmals zu befinden. (ww)

«Die Einsprachen sind noch hängig, und wir könnten erneut solche gegen den Zonenplan erheben. Doch das ist halt schon sehr mühsam», so der Rentner, der sich als Anlaufstelle für die Anwohner-Anliegen sieht. Immerhin, zur Unterschriften-Abgabe bei Stadtbauamts-Leiterin Andrea Lenggenhager «wurden wir freundlich empfangen.»

Die Argumente dagegen

Christoph Dengler und sein Unterstützungsteam haben ein breites Argumentarium zusammengestellt, das aus ihrer Sicht gegen die Grossüberbauung mit über 300 Wohnungen, 328 Parkplätzen und damit tägliich 1050 Zu- und Wegfahrten spricht. Einen «Vertrauensbruch» sieht die Anwohnerschaft, weil der Gemeinderat 2015 dem Investor die Bewilligung für eine Aufzonung versagt habe, aber der neue Zonenplan eine solche nun vorsehe. Der Rat hatte damals allerdings nur entschieden, die Ortplanungsrevision abzuwarten.

Weiter wird argumentiert, die geplanten Blockbauten seien generell zu gross und nicht quartiermassstäblich, es fehle ein Verkehrskonzept, eine Evakuationsplanung und der Vermerk, dass ein Gestaltungsplan erstellt werden müsse. Ohnehin seien die Immissionen für die Anwohnerschaft zu massiv. So bezweifeln die Petitionäre, ob das neue, restriktivere Parkplatzreglement mit der Ortsplanungsrevision überhaupt angenommen werde. «Diese grosse Überbauung ist nicht notwendig. Es gibt genügend anderes Bauland», verweisen sie auf das «Weitblick»-Areal der Stadt nebenan und die Bautätigkeit in den Nachbargemeinden.

So entsteht gleich neben dem geplanten Wohnpark Wildbach jenseits der Bahngeleise auf Bellacher Boden eine grössere, viergeschossige (!) Überbauung, die mit der neuen Bellacher Bahnhaltestelle einen direkten öV-Anschluss hat. Was übrigens die städtischen Baubehörden und politischen Gremien schon verschiedentlich als Argument für die Aufzonung des Nachbarareals in der Weststadt gesehen haben.

Gleich jenseits der Geleise, bei den Bellacher Grederhöfen, entstehen ebenfalls Wohnungen.      

Gleich jenseits der Geleise, bei den Bellacher Grederhöfen, entstehen ebenfalls Wohnungen.      

Wolfgang Wagmann

«Wir wissen, dass die Wiese Bauland ist und können mit der bisherigen W2b-Zone durchaus leben», findet Dengler. Doch die geplante Überbauung sei zu gross dimensioniert, «und die entsprechende Erschliessung sowie die notwendige Infrastruktur könnte die Stadt noch teuer zu stehen kommen».

Einsprachen werden behandelt

Unabhängig davon stehen die Einsprachen aus der Anwohnerschaft von 2014 nach einem jahrelangen juristischen Hin und Her immer noch auf Feld eins. «Ja sie sind immer noch bei uns in der ersten Instanz», bestätigt Urs F. Meyer, Leiter des städtischen Rechtsdienstes. Man habe die noch angeforderten Unterlagen vom Investor erhalten und werde sich jetzt entsprechend der Weisung des Verwaltungsgerichts materiell mit den Einsprachen gegen den abgeänderten Gestaltungsplan befassen. «Dieses Jahr dürfte es allerdings nicht mehr reichen», so Meyer zur Einsprachenbehandlung, die nun unabhängig von den Aufzonungsabsichten in der neuen Ortsplanung erfolgen wird.